Heimische Heilpflanzen: Echter Haarstrang

Foto: Echter Haarstrang

Jährlich werden in den verschiedensten Bereichen die Pflanzen des Jahres gekürt. Obwohl das Jahr 2017 schon fast zu Ende ist, möchte ich nochmals einen Blick auf die Leipziger Auwaldpflanze des Jahres werfen. Ausgewählt wurde der Echte Haarstrang (Peucedanum officinale). Auch unter den Namen Saufenchel, Arznei-Haarstrang, Schwefelwurz oder Bauern-Hirschwurz ist er bekannt. Der Echte Haarstrang gehört zur Familie der Doldenblütler.

Im europäischen Raum ist die Pflanze von Frankreich bis zum Schwarzen Meer zu finden. In Deutschland ist sie nur sehr zerstreut und selten anzutreffen und gilt von daher als gefährdet. Der Haarstrang liebt lichtreiche, kalkreiche und mäßig trockene Gebiete, zeitweise verträgt er aber auch wasserzügige Stellen. So ist er eine typische Stromtalart, die ausschließlich im Leipziger Raum entlang der Elster-Luppe-Aue vorkommt, was ihn für die Wahl zur Leipziger Auwaldart  prädestinierte.

Der Echte Haarstrang ist eine mehrjährige, aromatische, krautige Pflanze, die bis zu 2 m hoch werden kann. Die Blätter sind mehrfach dreizählig geteilt und die Dolden groß und von gelb-grüner Farbe. Die Blütezeit reicht von Juli bis September. Die Früchte sind oval und besitzen eine breite Randrippe.

In aktuellen Kräuterbüchern wird der Echte Haarstrang nicht erwähnt. Wertschätzung erfuhr die Pflanze in früherer Zeit u.a. von Dioskorides (1.Jh.), Mattoli (1502-1577) Tabernaemontanus (um 1522-1590), Culpeper (1616-1654).

Auch im Lorscher Arzneibuch (795) wird Haarstrang erwähnt. Das Pulver soll gegen Gicht, einseitige Lähmung, Gelenkkrankheit und schlaffe Lähmung des gesamten Körpers eingesetzt werden.

Von der Pflanze wurden hauptsächlich die Wurzeln verwendet. Sie enthalten ätherisches Öl und Cumarinderivate, bes. Peucedanin. Aus der Wurzel tritt ein gummiartiges Harz aus. Durch Eintrocknung wird der sog. Haarstranggummi gewonnen. Das Harz der Wurzel war früher  u.a. Ersatz für Asant. Dieser wurde als Würzmittel verwendet.

Der Echte Haarstrang soll gegen Kopfschmerzen, Blähungen und Unfruchtbarkeit helfen. Auch werden ihm aphrodisierende Kräfte nachgesagt. Haarstrang wirkt  appetitanregend, auswurffördernd und hustenlindernd. Die Wurzel und auch die jungen Schösslinge haben einen angenehmen und würzigen Duft. Das aromatische, fenchelartige Laub ist ein gutes Würzkraut für die unterschiedlichsten Gerichte.

Die gesamte Pflanze wirkt solitär faszinierend und ist eine Blattschmuckstaude. Auch ist sie eine famose Nahrungsquelle für Insekten. So bedient sich die Haarstrangwurzeleule an dieser Pflanze, da deren Raupen ausschließlich von dem sehenswerten Doldenblütler leben.

Auch im Herbst ist die Pflanze noch attraktiv. Vielleicht lässt sie sich bei einem Spaziergang im Auwald oder im Botanischen Garten finden.

Dr. Hannelore Pohl

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