Heimische Heilpflanzen: Immenblatt

Bild von siala auf Pixabay

Eine Pflanze, die bereits in der Antike für medizinische Zwecke genutzt wurde, ist das Immenblatt (Melittis melissophyllum). Die Bedeutung der Pflanze ist offensichtlich verloren gegangen, denn heute ist sie kaum zu finden. Doch das Immenblatt, auch als Wildmelisse bekannt, sieht sehr schön aus und sollte wieder mehr Aufmerksamkeit erfahren.

Die Pflanze gehört zur Familie der Lippenblütler und zur Gattung Melittis, die nur diese eine Art enthält.

Das Immenblatt liebt sonnige bis halbschattige Lagen mit durchlässigen, humosen, kalkhaltigen und lockeren Böden. Natürliche Vorkommen sind in Eichenmischwäldern in ganz Deutschland und großen Teilen Europas zu finden. Sie eignet sich aber auch hervorragend als duftender Blickfang im Garten, denn die Pflanzen sind recht pflegeleicht.

Immenblatt ist eine sommergrüne, ausdauernde Pflanze, die aus einem dicht unter der Oberfläche kriechendem Rhizom austreibt. Die Pflanze sollte genügend Platz haben. Die Pflanzenhöhe beträgt etwa 50 cm. Der Stängel ist aufrecht und stumpf kantig. Stängel und Blätter sind mit weichen Gliederhaaren besetzt, die Laubblätter sind gegenständig angeordnet, eiförmig, runzelig und der Rand ist grob gesägt oder gekerbt. Sehr beeindruckend sind die relativ großen Blüten, die von Mai bis Juni gebildet werden. Diese stehen einzeln oder in Gruppen. Der röhrig verwachsene Kelch ist 2- 3 cm lang. Die Blütenkrone ragt über den Kelch hinaus, ist außen weiß und auf der Innenseite zart rosa. Nach der Bestäubung der nektarreichen Blüten durch Bienen, Hummeln oder Schmetterlinge werden die Samen, kleine Klausen (Teilfrüchte) gebildet.

Die Pflanze sollte alle 2- 3 Jahre geteilt werden, wobei schwache Wurzeln zu entfernen sind. Bei starker Trockenheit wird ein seltenes, dann aber kräftiges Gießen empfohlen.

Die botanische Bezeichnung, Melittus mellisophyllum, geht auf griechische und lateinische Ursprünge zurück. Schon der römische Dichter Vergil (70- 19 v. Chr.) und der römische Gelehrte Plinius der Ältere (24- 79 n. Chr.) kannten das Wort für Immenblatt. So bedeutet melitta- Biene, mel- Honig und phyllon- Blatt. Linne‘ verwendete in seiner Schrift „Species Plantarum“ (1753) bereits den Art- und Gattungsnamen für die Pflanze. Auch erkannte er schon das Zusammenspiel zwischen der Pflanze und den Hautflüglern.

Angewendet wird das Immenblatt vorwiegend in der Volksheilkunde als Wundheilmittel.   Genutzt wird die ganze Pflanze. An Inhaltsstoffen sind vor allem Cumarinverbindungen zu nennen.

Der Geruch der Pflanze wird von unangenehm bis nach Honig duftend beschrieben.

Empfohlen wird eine innerliche Anwendung als Tee bei Entzündungen im Magen- Darm- Bereich, bei Verdauungsbeschwerden, Gicht und Blasengries. Auch wirkt der Tee keimtötend, antiseptisch, harntreibend und blutreinigend, wodurch eine Entgiftung des Körpers möglich ist. Immenblatttee wirkt krampflösend und regulierend bei Menstruationsbeschwerden, hilft bei Schwindel- und Kreislaufstörungen sowie bei psychisch bedingter Unruhe. Auch gegen Panikattacken, Angstzustände, Depressionen und als Einschlafhilfe wird der Tee empfohlen. Cumarinverbindungen wirken gerinnungshemmend und können Schlaganfälle vorbeugen. Ein äußerlicher Einsatz erfolgt bei Entzündungen am Auge. 

Doch ist auch Vorsicht geboten. Cumarinverbindungen in größeren Mengen angewendet, können sich negativ auswirken. Es kann zu Leberschäden, Erbrechen oder Schwindel kommen. Eine Rücksprache mit dem Arzt sollte erfolgen. 

Dr. Hannelore Pohl

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