Verschollene Wildbienenart an den Papitzer Lachen entdeckt

Zahntrost-Sägehornbiene (Melitta tricincta). Foto: Reinhard Naumann/NABU-naturgucker.de

NABU weist Zahntrost-Sägehornbiene in der Leipzig-Schkeuditzer-Aue nach / Umweltminister Günther lobt Erfolge jahrzehntelanger Renaturierung

Sonnige, feuchte Wiesen, lichtdurchflutete Teiche und im Hintergrund ein unermüdliches Quaken, Summen und Brummen – unter der Pflege von Aktiven des NABU Leipzig und seines Landesverbands haben sich die Papitzer Lehmlachen seit ihrer Unterschutzstellung 1987 zu einem wertvollen Lebensraum für seltene Tier- und Pflanzenarten entwickelt. Nun haben die Naturschützer eine besondere Entdeckung gemacht: Bei einer Kartierung 2023 konnte der NABU Leipzig die Zahntrost-Sägehornbiene (Melitta tricincta) im Gebiet nachweisen. Diese Wildbienenart galt bislang in Sachsen als ausgestorben und ist deutschlandweit auf der Vorwarnliste. Anlässlich des außergewöhnlichen Fundes besuchten am 8. März der Sächsische Umweltminister Wolfram Günther, der Schkeuditzer Oberbürgermeister Rayk Bergner und Prof. Josef Settele, Leiter des UFZ-Departments für Naturschutzforschung und international angesehener Entomologe, die Papitzer Lehmlachen und machten sich vor Ort ein Bild von den Erfolgen der jahrzehntelangen Naturschutzarbeit.

Das Gebiet ist Teil der Elster-Luppe-Aue. Hier wurde bis in die 1970er Jahre Lehm für die Produktion von Ziegeln abgebaut. Einige der Gruben blieben nach Aufgabe des Abbaus unverfüllt und entwickelten sich zu wertvollen Lebensräumen teils geschützter Arten. Das Mosaik aus Gewässern, Wiesen und Auwaldbeständen macht es heute naturschutzfachlich besonders wertvoll. Das ist auch den ehrenamtlichen Naturschützern zu verdanken, die für das Gebiet Wasserzufuhr und Biotoppflege organisieren. Im Rahmen des Projekts „Lebendige Luppe“ konnte der NABU Sachsen die Wasserversorgung instandsetzen und damit auch für die Zukunft sicherstellen.

Gemeinsam führten NABU-Landesvorsitzende Maria Vlaic und NABU-Regionalvorsitzender René Sievert die Gäste ins Gebiet und erklärten seine Bedeutung – auch für den überregionalen Naturschutz. „Auenlandschaften wie die Papitzer Lachen sind nicht nur Hot-Spots der Artenvielfalt, sondern gleich in mehrfacher Hinsicht Klimaretter: Die Einlagerung von CO2 im Boden kommt dem Klimaschutz zugute, bei Starkregen dienen die Flächen als Pufferzone gegen Hochwasser und als Wasserspeicher für Trockenzeiten. Umso wichtiger ist es, dass Sachsen alles dafür tut, den Landschaftswasserhaushalt schnellstmöglich wiederherzustellen“, so Vlaic.

Die Papitzer Lachen sind ein Naturjuwel, das durch das Engagement ehrenamtlicher Naturschützer gerettet wurde und seither ehrenamtlich betreut wird. Hier wurden Ersatzlebensräume für viele bedrohte Arten geschaffen, die in der naturfernen Auenlandschaft sonst kaum noch existieren. „Der Fund der Zahntrost-Sägehornbiene ist ein weiterer Beleg für die Wirkung der Naturschutz-Maßnahmen in dem Gebiet“, freute sich René Sievert. „Die Naturschutzmacher des NABU sind hier seit Jahrzehnten für Biotoppflege und Erhalt der Kleingewässer im Einsatz, aber auch die Erfassung der Artenvielfalt ist mit viel Arbeit verbunden. Deshalb ist es den NABU-Mitgliedern zu verdanken, dass die Zahntrost-Sägehornbiene hier überhaupt einen Lebensraum hat und dass sie hier auch nachgewiesen werden konnte.“

Der NABU Leipzig hatte das Gebiet im Jahr 2023 auf Spinnen-, Pflanzen- und Insektenarten untersucht. Dabei wiesen die Naturschützerinnen und Naturschützer unter insgesamt 148 verschiedenen Tierarten auch die Zahntrost-Sägehornbiene nach. Wie ein Großteil der Wildbienen nistet Melitta tricincta im Boden. Maßnahmen wie das Aufstellen von Insektenhotels können ihren Beständen daher nicht helfen. Zudem ist die Art streng auf Zahntrost spezialisiert, eine halbparasitische Pflanzengattung, die in Verbindung mit anderen Pflanzen am Saum von Wiesen wächst und deren Nektar und Pollen Melitta tricincta für die Versorgung ihrer Larven benötigt. Daher ist der Erhalt und die naturschutzgerechte Pflege von (Feucht-)Wiesen und extensivem Offenland für sie überlebenswichtig.

Günther dankte dem NABU, der die Renaturierung im Leipziger Auwald so lange angeschoben habe. Das Projekt „Lebendige Luppe“ sei „eine Keimzelle für die Renaturierung“ gewesen. „Ich glaube das Plädoyer dafür, die Auen zu erhalten, die noch übrig sind, reicht heutzutage vor dem Hintergrund von Klima- und Artenkrise nicht mehr. Wir müssen in die Phase der Renaturierung eintreten.“

Auch Settele betonte die Bedeutung von Renaturierung für den Artenschutz und nutzte den Anlass, um auf einen bedeutenden Schritt in dieser Sache auf EU-Ebene hinzuweisen: Am 27. Februar hatte das Europäische Parlament mehrheitlich dem im Trilog erzielten Kompromiss zum Nature Restoration Law zugestimmt.

Bergner bekräftigte: „Die Aue ist ein wichtiger Bestandteil dieser Stadt. Sie ist auch ein Erholungsraum. Hier haben wir einen Interessenkonflikt, bei dem die Stadt Leipzig und die Stadt Schkeuditz im Projekt Lebendige Luppe sehr kooperativ und zielorientiert zusammengearbeitet haben. Der Bauabschnitt auf Schkeuditzer Flur ist in der Umsetzung und wir arbeiten daran, dass auch die anderen Projekte darüber hinaus zu einer Umsetzung kommen.“ Abschließend bedankte sich Bergner für das Engagement des NABU, ohne dessen Unterstützung und überzeugtes Handeln manches in der Aue heute nicht so wäre, wie es ist.

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