Tomatenanbau: Wissenswertes zur Geschichte

Der Name Nachtschattengewächs beruht darauf, dass alle Pflanzen dieser Familie Giftstoffe enthalten, die zu Vergiftungen und auch zur Bewusstlosigkeit (Umnachtung) bzw. zum Tod führen können.

Herkunft: Die “Urtomate” ist in den peruanischen Anden beheimatet. Die heute noch existierenden Wildarten ähneln roten Kirschtomaten. Sie kommen in einem Küstenstreifen Südamerikas zwischen Ecuador und Nordchile sowie auf den Galapagosinseln, den karibischen Inseln und Mexiko vor. Am weitesten verbreitet ist eine kleinfruchtige kirschenförmige Wildart (L. cerasiformae). Die Wildform Johannisbeertomate (L. pimpinellifolium) finden wir an der Pazifikküste von Ecuador und Peru. Sie wird teilweise heute noch kultiviert.

Humboldts Wildtomate mit 4 bis 6 cm Fruchtdurchmesser (L. humboldtii) wächst in Venezuela. Die auf Galapagos vorkommende Wildart (L. cheesmanii) enthält besonders viel Beta-Karotin, ist unempfindlich gegen Meerwasser und wächst dort am Strand. Die Kultivierung der Wildtomaten haben wir den Indios in Mittel- und Südamerika zu verdanken.

Schon vor der Entdeckung Amerikas soll es dort über 200 Tomatensorten gegeben haben. Wildtomaten werden heute noch als wichtige Gen-Reserven benutzt, um Resistenzen in die heutigen Kultursorten einzukreuzen.

Verbreitung: Durch Kolumbus gelangte die Tomate nach Europa. Vieles deutet darauf hin, dass zuerst Italiener und Spanier Tomaten gegessen haben. Die ersten europäischen Tomaten waren nicht nur rot, sondern auch gelb und weiß. Darauf deutet auch der italienische Name “Pomodore” (Goldapfel hin. Lange glaubte man, die Tomate sei der “Paradiesapfel”, der die Menschheit ins Verderben stürzte. Für die Franzosen war es “pomme d´amour” der Liebesapfel. Wegen des etwas bitteren Fruchtgeschmackes glaubte man, dass sie giftig sei, und dass der Genuss Liebeswahnsinn verursachen würde. Dies gilt besonders für die gelben Sorten und deshalb war ihr Genuss jungen Mädchen früher verboten! Man verdächtigte sie als gefährliches Aphrodisiakum, wahrscheinlich wegen ihrer sinnlich aussehenden Form und Farbe.

In Nordamerika tauchte die Tomate erst im 18. Jahrhundert auf. In Deutschland war sie anfangs nur für Botaniker und Pharmazeuten interessant und hatte nur den Status einer Zierpflanze. Im 1. Weltkrieg wurde die Tomate in Deutschland zum allgemeinen Volksnahrungsmittel (Anbau auf ca. 2.000 ha Freilandfläche). Trotz hoher Beliebtheit bei den Verbrauchern hat der Freilandanbau heute in Deutschland kaum noch Bedeutung.

Weltweit werden jährlich 90 Millionen Tonnen Tomaten auf 3 Millionen ha Anbaufläche produziert. Die Tomate ist heutzutage die zehntwichtigste Nahrungspflanze. China ist mit ca. 16 Millionen Tonnen das Land, in dem die meisten Tomaten geerntet werden. In der EU ist Italien das Hauptanbauland.

Botanischer Name: Lycopersicon esculentum
Pflanzenfamilie: Solanaceae (Nachtschattengewächse)
Der aztekische Name “tomatle” bedeutet “Schwellfrucht”.

Rainer Proksch – Gartenfachkommission SLK

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