Naturnah gärtnern: Der Waschbär im Kleingarten

Bild von David Mark auf Pixabay

Der Waschbär ist weiter auf dem Vormarsch und entwickelt sich zu einer echten Plage. Immer häufiger trifft man die maskierten Eindringlinge auch in heimischen Gärten, auf Terrassen und Balkonen. Er verwüstet Blumenbeete, räumt Mülltonnen aus und ist sogar eine Gefahr für Haustiere. Geeignete Schutzmaßnahmen werden also immer wichtiger. Damit der Waschbär sich gar nicht erst bei Ihnen einnisten kann, sollten Sie einige Hinweise beachten. Mit diesen Tipps zeigen wir, wie man sein Gartenhaus vor den geschickten Kletterern schützen kann.

Die aus Nordamerika stammenden Allesfresser hinterlassen auf Dachböden ihre Duftmarken und kommen durch „Katzenklappen“ und offene Türen oft bis in die Gartenlaube. Häufig gelangen die Tiere über Bäume auf die Dachböden der Häuser, zerstören so die Dachisolierung oder verursachen allein durch Kot und Urin Schäden, die in Höhe von mehreren hundert Euro pro Gartenhaus liegen können. Die nachtaktiven Plagegeister sind mittlerweile auch bei uns weit verbreitet.

Der beste Weg, sie loszuwerden, ist, es ihnen so ungemütlich wie möglich zu machen. Machen Sie Laube und Garten am besten von Anfang an möglichst unattraktiv für den Waschbären. Sie sollten zum Beispiel immer für einen abgedeckten Kompost und fest verschlossene Mülleimer sorgen. Stellen Sie den Eindringlingen keinen geeigneten Unterschlupf oder die Möglichkeit für ein Nachtquartier in Gartenhäusern oder Garagen zur Verfügung. Vermeiden sollten Sie auch gute Einstiegsmöglichkeiten In die Gartenlaube, also zum Beispiel Äste, Rank- und Kletterpflanzen an Laubenwänden oder auch lose Dachteile. Entziehen Sie dem Waschbären die Nahrungsgrundlage. Lassen Sie keine Essensreste liegen. Sammeln Sie Fallobst umgehend ein. Ohne Nahrungsgrundlage wird der Waschbär nicht lange im Gebiet verweilen. Er ist faul und zudem auch nicht sehr jagdfreudig. Hervorzuheben ist jedoch das gute Gedächtnis des Waschbären. Sobald er einmal ausreichend Futter vorfindet, kann er sich Jahre danach noch daran erinnern. Auch an Ihren Komposthaufen, und wird immer wieder kommen. Waschbären sind Allesfresser und ernähren sich zu ungefähr 40 Prozent von pflanzlicher Kost, zu 33 Prozent von Weichtieren und zu 27 Prozent von Wirbeltieren. Schützen Sie Ihre Vogelkästen vor dem Zugriff des Waschbären und der anderen raubenden Gesellen durch Anbringen von Rutschblenden an den Stellen die für Waschbären, Marder und Mink geeignet sind an die Nistkästen oder auf Laubendächer zu gelangen. Das können zum Beispiel die Fallrohre der Dachentwässerung sein. Auch die geeignete Höhe des Anbringens von Nistkästen ist nicht ohne Bedeutung. Ein Nistkasten in 1,50 Meter Höhe ist geradezu verlockend. Unter 3,5 m Höhe sollte kein Nistkasten angebracht werden. Obwohl der Waschbär nicht unter Naturschutz steht, dürfen Anwohner und Kleingärtner die Tiere also nicht beliebig töten. Abweichende Bejagung von Waschbären ist in der Regel nur bei vorliegender Ausnahmegenehmigung gestattet. Neben der Berücksichtigung von möglichen Schonzeiten ist aber auch das Tierschutzrecht zu beachten, das unnötige Quälerei von Tieren verbietet. Zudem ist es durch das deutsche Jagdgesetz verboten, Waschbären mit Lebendfallen zu fangen und umzusiedeln oder sogar mit Schlagfallen zu töten. Hierbei würden Sie sich der Tierquälerei und Wilderei strafbar machen.

Wir empfehlen daher bereits präventiv Maßnahmen zu ergreifen und den Garten für Waschbären so unattraktiv wie möglich zu gestalten, sodass das kleine Säugetier gar nicht erst angelockt wird.

Achtung:
Waschbären können über ihren Kot eine Reihe von Infektionskrankheiten und Parasiten übertragen, die für den Menschen und Haustiere gefährlich werden können. Wenn Sie also irgendwo Waschbärenkot finden, sollten Sie auf gar keinen Fall mit diesem direkt in Berührung kommen. Ziehen Sie deshalb beim Aufsammeln unbedingt Handschuhe an und verbrennen den Kot anschließend.

Waschbären sind Wildtiere und sollen auch welche bleiben. Hier gilt: Durch ein umsichtiges Verhalten können Mensch und Waschbär erfolgreich und friedlich neben- und miteinander leben. Dennoch sollten Kleingärten bestmöglich vor einem Waschbärenbefall geschützt werden, sodass die Tiere wieder vermehrt ihren Lebensraum in der Natur und den natürlichen Wäldern suchen und finden.

Erik Behrens
Gartenfachberater SLK/LSK  Zertifizierter Pflanzendoktor

Weitere interessante Beiträge

blank

Naturnah gärtnern: Engerlinge im Gartenboden II

Engerlinge haben einen schlechten Ruf, der nicht in jedem Fall gerechtfertigt ist. Denn tatsächlich können sie von Nutzen sein. Verbreiten sie sich im Garten rasant, müssen aber passende Mittel und…
blank

Naturnah gärtnern: Engerlinge im Gartenboden

Liebe Gartenfreunde, in  dieser Gartensaison wurden sehr häufig Anfragen zu Engerlingen ( Käferlarven ) im Gartenboden gestellt. Anlass auf das Thema einzugehen. Bei Engerlingen handelt es sich um die Larven…
blank

Naturnah gärtnern: Richtig Gießen

die Wetterprognosen sagen auch für das Gartenjahr 2020 trockenes und heißes Sommerwetter voraus. Das heißt für uns Kleingärtner „umdenken“ beim Wasserverbrauch. Das Motto “Viel hilft viel” gilt beim Gießen nicht,…