Gummibänder als Todesfalle für Störche

Der Mageninhalt eines Bad Dürrenberger Jungstorchs. Foto: Karsten Peterlein

NABU Sachsen und Sachsen-Anhalt fordern Aufklärung und Maßnahmen gegen Umweltverschmutzung durch Kunststoffmüll

Dass Kunststoffmüll in der Umwelt gefährlich ist, ist allgemein bekannt, dennoch bleibt das Problem weitgehend ungelöst. Ein immer wiederkehrendes Beispiel dafür sind Gummibänder, die von Störchen verschluckt werden, da sie in Form und Konsistenz Regenwürmern ähneln. Häufig sterben die Vögel an den Folgen. Nach mehreren Todesfällen von Jungstörchen aus dem Saalekreis sowie dem sächsischen Grüna fordern die NABU-Landesverbände Sachsen und Sachsen-Anhalt Aufklärung und Maßnahmen gegen die menschengemachte Todesfalle.

Erst kürzlich wurde der Fall zweier Jungstörche aus Bad Dürrenberg medienwirksam, die starben, nachdem sie von den Elterntieren wochenlang mit Gummibändern gefüttert worden waren. Einer der Störche wurde zunächst von der Wildvogelhilfe des NABU Leipzig aufgenommen und starb später in der Uniklinik für Vögel und Reptilien. Ein weiteres Tier aus demselben Nest starb an der gleichen Ursache, ein drittes ist spurlos verschwunden. Die NABU-Regionalverbände Leipzig und Merseburg-Querfurt haben sich des Themas angenommen. Eine neu gegründete „Soko Adebar“ ermittelt die Herkunft der Gummibänder und informiert zum Thema. Weitere Infos sind zu finden unter www.nabu-leipzig.de/gummibaender.

„Solche Fälle von Vögeln, bei denen kleinere und größere Mengen Gummibänder oder andere Abfälle im Magen festgestellt werden, häufen sich leider nicht nur bei uns in der Wildvogelhilfe, sondern deutschlandweit. Viele der Tiere sterben daran, da sie keine andere Nahrung mehr aufnehmen können, oder sie werden durch den verhärteten Mageninhalt schwach und flugunfähig“, erklärt Karsten Peterlein, Leiter der Wildvogelhilfe Leipzig.

Gummibänder dürfen nicht in den Biomüll!

Einige Fragen zur Herkunft der Gummibänder werden sich vielleicht erst in der neuen Brutsaison beantworten lassen, doch es gibt bereits erste Erkenntnisse. Aufgrund der Berichterstattung gibt es außerdem bereits eine feststellbare Sensibilisierung der Bevölkerung beziehungsweise mutmaßlicher Verursacher. Hier kommen Supermärkte, Wochenmärkte, Gemüsehändler, Blumenläden, Landwirte besonders in Frage. Bei der Entsorgung mit Gummis gebündelter Ware (z. B. Schnittblumen, Radieschen etc.) oder bei deren Bündelung fallen Gummis direkt auf die Ackerflächen oder gelangen über den Biomüll dorthin. Stichprobenartig befragte Händler versichern, dass sie von dem Vorfall gehört haben und seitdem die Gummis nicht mehr im Biomüll entsorgen.

Da sich hier ein größeres Umweltproblem sehr konkret widerspiegelt, rufen die NABU-Landesverbände alle Menschen dazu auf, die Umwelt sauber zu halten, Abfälle einzusammeln und fachgerecht zu entsorgen, damit Tiere und Natur nicht gefährdet werden. Weiterhin braucht es dringend Maßnahmen, um die Ursachen der Umweltverschmutzung zu beseitigen, beispielsweise die Nutzung naturverträglicher Alternativen zu unverrottbarem beziehungsweise unverdaulichem Gummi.

Im Fall von Bad Dürrenberg wird weiter ermittelt, um Informationen zur Herkunft der Gummibänder an die Naturschutzbehörde weiterzugeben. Dazu sollen Mageninhalte toter Störche konsequent untersucht werden. Auch vermeintliche Unfälle erster Flugübungen waren nach Kenntnis des NABU Leipzig mehrmals mit der Ursache verbunden, dass die Tiere geschwächt oder durch Gummibänder zu schwer waren, um gut steuern zu können.

Der NABU bittet daher um Hinweise per E-Mail an info@wildvogelhilfe-leipzig.de. Weitere Informationen sind zu finden unter www.nabu-leipzig.de/gummibaender.

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