Die Nacht wird zum Tag – Lichtverschmutzung im Kleingarten

Foto von Jarrod Reed auf Unsplash

Wie sich die Dauerbeleuchtung im Garten auf Insekten und sogar Schnecken auswirkt

Beleuchtung im eigenen Kleingarten kann den sommerlichen Feierabend stimmungsvoll eintauchen. Sobald die Abendsonne untergeht, kommt das menschliche Auge an seine Leistungsgrenze. Die Natur hat nun allerdings Hochzeit: 60% der Insekten sind nachtaktiv. Vor allem Fluginsekten, größtenteils Falter gehen der für den kleingärtnerischen Ertrag wichtigen Bestäubung, aber auch der Futtersuche und Fortpflanzung im Dunkeln nach. In Deutschland gibt es 3300 verschiedene Arten – das sind 95 % aller heimischen Schmetterlingsarten.

[1] Viele prominente Vertreter finden sich in der Familie der Eulenfalter, bekannt sind aber auch z.B. das Nachtpfauenauge und der Mittlere Weinschwärmer. Diese Tiere orientieren sich mit ihren Sinnesorganen am Licht von Mond und Sternen. Diese bleiben in weitem Abstand, die Insekten können so den Winkel ihrer Flugbewegungen relativ zum Firmament berechnen. Wer kennt es nicht: ein heller Scheinwerfer in der Nacht, um den hunderte Insekten scheinbar tanzen. Die Falter verwechseln dieses Licht mit dem Mond und versuchen im Flug den Winkel zu halten. Dies führt zu immer engeren Spiralbewegungen um den vermeintlichen Mond und letztendlich zum Tod durch Erschöpfung oder Verbrennung. Dies bedeutet am Ende einen Rückgang der Insektenzahlen und so auch weniger Futter für Fledermäuse und Co. Die Forschung zur Bestäubungsleistung von Nachtfaltern an Kulturpflanzen steckt noch in den Kinderschuhen, erste Ergebnisse lassen jedoch erahnen, dass sie über jener von allen Tagbestäubern liegen könnte und somit genau so wichtig sind wie Bienen und andere Taginsekten.

Zurück zum Licht: Auch Taglebewesen, wie andere Insekten und Vögel, die z.b. in Büschen und Bäumen oder Blumenbeeten sitzen und schlafen wollen, werden durch Licht gestört. Zu allem Überfluss zieht helles Licht, das auf Rasen und Beete leuchtet, wie magisch Schnecken an. Und auch angeleuchtete Pflanzen stehen unter Dauerstress, sie werden dauerhaft zur Photosynthese gebracht. Das stört ihren Tag-Nacht-Rhythmus und verkürzt ihre Lebensspanne.

Wenn Sie dennoch nicht auf Solarsteckleuchten etc. in ihrem Garten verzichten können, dann lässt sich der Schaden begrenzen: Bei der Wahl der Leuchtmittel auf gelbes bis rötliches Licht setzen (unter 2700 Kelvin). Letztendlich beeinflusst dies die Gartenlebewesen im gleichen Maße wie uns Menschen, wenn wir abends bis nachts auf das bläuliche Licht unserer Bildschirme schauen: je wärmer das Licht, desto besser unser Schlaf. Leuchten sollten zudem niedrig angebracht werden und kegelförmig nach unten strahlen. Besser zwei bis drei schwache Lichter als ein sehr helles.

Typische Solarlampen aus dem Baumarkt leuchten nachts einfach durch, bis der Akku wieder leer ist. Besser sind Leuchten mit Bewegungsmelder oder Zeitschaltuhren bzw. Timer, die man bei bereits installierten Leuchtmitteln vorschaltet. Licht sollte es nur da geben, wo man sich auch aufhält, in keinem Fall sollten Büsche und Bäume direkt beleuchtet sein.

Aber auch Vereine können bei ihrer Weg- und Platzbeleuchtung etwas tun: Lichter sollten so niedrig  wie möglich gehängt werden und mit Bewegungsmeldern geschaltet werden. Die Leuchtmittel sollten nicht das in Mode gekommene bläuliche Weißlicht (4000 K) verwenden. Dies wirkt besonders hell, es handelt sich dabei allerdings um einen physiologisch-subjektiven Eindruck, denn eigentlich werden wir nur mehr geblendet, die effektive Ausleuchtung nimmt in der Regel ab. Generell gilt: ein dunkler Garten ist ein lebendiger Garten.


[1] https://www.welt.de/wissenschaft/article208063751/Nachtfalter-Verschwoerung-Warum-Motten-die-Superbestaeuber-schlagen.html

Internet-Tipp: www.paten-der-nacht.de/

Adrian Bürkner
Gartenfachberater KGV “Abendsonne” e.V.

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