Aus der Vogelwelt: Zugvögel

September und Oktober sind die beiden Hauptzugmonate, in denen uns die Mehrheit der Zugvögel verlässt.

Zurück bleiben höchstens einige Nachzügler, deren Junge einer Spätbrut noch nicht kräftig genug für die große Reise sind. Vielleicht handelt es sich auch um Vögel, die durch günstige Verhält­nisse in ihrem Lebensraum zur Überwinterung angeregt sind. Während der Trauerschnäpper schon im Vormonat abzog, folgt ihm nun der Grauschnäpper nach. Er überwintert in Afrika und dem südwestlichen Asien. Ebenso verlassen Nachtigall und Wendehals das Sommerquartier.

Während die meisten Afrikaflieger schon abziehen, bleiben viele Mönchsgrasmücken noch hierzulande. Die Anwesenheit hat sicherlich mit der optimalen Ernährungsgrundlage zu tun, der Tisch ist im September reichlich gedeckt. Wie zahlreiche Insektenfresser und speziell die Grasmückenarten stellen die Mönchsgrasmücken jetzt ihren Ernährungsplan stark auf vegetarische Nahrung um. Sie fressen fast überwiegend Beeren. 42 Früchte heimischer Wildsträucher stehen auf ihrem Speiseplan. Darunter solche Arten wie: Vogelbeere, Echte Felsenbirne, Pfaffenhütchen, Kreuzdorn, Faulbaum, Kornelkirche, Roter Hartriegel, Gemeiner Schneeball und natürlich Roter und Schwarzer Holunder um nur einige zu nennen. Diese Straucharten finden sich häufig in den öffentlichen Teilen unseren Kleingartenanlagen.

Wer jetzt einmal angehacktes Obst entdeckt, sollte nicht gleich zum Vogelfeind werden. Einige Vogel­arten lieben gelegentlich auch ein­mal etwas Obst. Bei ungünstiger Witterung und Nahrungsverknap­pung kann es für sie auch zur lebenserhaltenden Ausweichnah­rung werden. Schlecht wird es aber für die zu lange bleibenden Vögel, die auf Insektennahrung angewiesen sind, wenn plötzlich die Witterung um­schlägt und eine längere Regen­periode einsetzt. Eine anhaltend nasskalte Witterung kann zu Kata­strophen unter der Vogelwelt füh­ren.

Durch die unsere Stadt umgebenden neu entstandenen bzw. entstehenden Seen besteht die Möglichkeit, dass man jetzt hin und wieder größere Vogelschwärme am Himmel beobachten kann. Es sind dann meist Grau- Bless-, oder Saatgänse, die die großen Wasserflächen als Zwischenrastplatz oder z. T. auch als Überwinterungsplatz nutzen. Um Einblick in das Leben der Vögel und vor allem über ihre Zugwege, Aufenthaltsorte, Verweilzeiten, Lebensweisen, Alter u. ä. zu erhalten werden Vögel beringt. Der Däne Hans Christian Cornelius Mortensen war der erste, der in größerem Umfang die wissenschaftliche Vogelberingung 1899 durchführte. Dieses Verfahren bestand aufgrund von Rückmeldungen sehr schnell seine Bewährungsprobe und wurde rasch europaweit verwendet.

In Deutschland wurde 1901 mit der Beringung von Vögeln im großen Stil begonnen. Verwendet wurden und werden dazu Aluminiumringe unterschiedlichster Größe, die eine fortlaufende Nummer und den Namen der jeweiligen Vogelwarte enthalten. Sollten Sie einmal einen beringten Vogel finden, dann melden Sie bitte diesen Fund der angegebenen Vogelwarte oder unserer Vogelschutzlehrstätte, die dann die Weiterleitung übernimmt.

Zum Studium einzelner Verhaltensmuster werden mitunter farbige Ringe an den Beinen von Vögeln angebracht. Dies dient dazu, u. a. die einzelnen Individuen auseinanderhalten zu können. Bei großen Vögeln, wie Möwen und Limikolen, werden manchmal auch Federn eingefärbt und für große Greifvögel Plastikmarken an den Flügeln angebracht.

Mit dem Fortschreiten der Technik findet in den letzten Jahren die Satelliten-Telemetrie bei der Erforschung des Vogellebens Anwendung. Dazu werden die Vögel mit kleinen Sendern ausgestattet. Diese wiegen derzeit 18 bis 60 Gramm. Ein Sender mit einem Gewicht von 35 Gramm macht bei einem Storch nur etwa ein Prozent seines Körpergewichts aus und beeinträchtigt ihn damit überhaupt nicht. Die Tiere tragen die kleinen kästchenförmigen Sender mit einem Mini-Rucksack aus Teflonbändern.

Mit dieser Technik werden mittlerweile schon mehr als 50 Vogelarten weltweit, darunter Adler, Geier, Rotmilane, Kraniche, Störche, Sturmtaucher, Schwäne oder Gänse, beobachtet. Während man von einem beringten Vogel bei einer Rückmeldung meist nur den Beringungsort und den Fund-/Ableseort und das eventuelle Alter erfährt, kann man von einem mit einem Sender versehenen Vogel über GPS ein Leben lang taggenaue Daten wie:

  • Abflugdatum der Tiere vom Geburts- oder Brutort sowie Ankunftsdatum an den Rastplätzen und im Winterquartier
  • Flugroute, Tagesetappen und Fluggeschwindigkeit
  • Rastdauer, Lage der Rastplätze, Überwinterungsplätze
  • Verbleib der Jungvögel in den ersten beiden Lebensjahren

in Erfahrung bringen.

Am bekanntesten ist wohl die Störchin „Prinzesschen” vom Storchenhof Lohburg in Sachsen-Anhalt, die im Juli 1994 mit einem Sender versehen worden war. Sie wurde mit Ihrer Rückkehr nach Loburg im darauf folgenden Jahr zum ersten Storch, mit voll-ständig über Satelliten-Telemetrie erfasstem Hin- und Rückweg. Internetnutzer konnten ihren Zug am Monitor mitverfolgen. Am 5. Januar 2007 erreichte den Storchenhof die Nachricht vom Tod Prinzesschens. Sie wurde von einem Farmer in Hoopstad (Südafrika) aufgefunden. Auch in dieser Zugsaison werden die in Lohburg „besenderten” Störche Albert von Lotto, Fee und Rocco sicher wieder interessante Daten von ihrer Reise in den Süden und zurück liefern. Wünschen wir ihnen immer gutes Flugwetter.

Klaus Rost

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