Die Waldohreule – Die Mäusejägerin

Bild von Gabriela Fink auf Pixabay

Die Waldohreule ist nach dem Waldkauz die häufigste Eule Mitteleuropas. Durch ihre unauffälligen Balzaktivitäten wird ihr Bestand manchenorts unterschätzt.

Die Waldohreule ist mit 36 cm etwas kleiner und schlanker als der Waldkauz. Ihre Flügelspannweite beträgt etwa 95cm. Ein auffälliges Merkmal sind die langen, oft steil aufgerichteten Federohren und die orangegelben Augen. Mit ihrem rindenartigen Federkleid ist die nachtaktive Vogelart relativ gut getarnt.

Der Bestand der Waldohreule wird häufig unterschätzt. Nicht zuletzt liegt dies an der verborgenen, unauffälligen Lebensweise der Art. Die Balzaktivität setzt bereits im Spätwinter ein, sodass die Waldohreule wohl oft übersehen wird. Ihre Laute sind überraschend leise. Der Reviergesang des Männchens ist eine monotone Reihe hohlgeblasener „huh“-Silben, die im Intervall von 2-5 Sekunden ertönen. Er wird von einer Warte am Waldrand oder im Flug nahe des Horstes vorgetragen.

Wechsel von Wald und Offenland

Die Waldohreule benötigt zur Jagd offenes Gelände mit niedrigem Pflanzenwuchs wie Felder, Wiesen und Niederungsmoore. Besonders günstig sind Gebiete mit einem hohen Anteil an Dauergrünland, in denen hohe Feldmausgradationen vorhanden sind. Auch in lichten Wäldern, Blößen und Wegschneisen jagt die Eule. Ein Anteil von maximal 20-35% geschlossenen Waldes sagt ihr im Besonderen zu.

Zur Tagesruhe und Brut nutzt die Waldohreule meist Waldränder mit Nadelbäumen, die Nester von Krähen und Elstern beherbergen. In das Innere von Wäldern dringt die Art kaum vor. Dagegen ist sie nicht selten in kleinen Feldgehölzen, Baumgruppen, Hecken und teils sogar Einzelbäumen anzutreffen. Auch im Stadtgebiet von Leipzig existieren mehrere Brutplätze. Geeignet ist hier ebenso der angesprochene Wechsel von waldartigen Strukturen und Offenland. Dies betrifft bspw. Friedhöfe, Parks oder Waldrandbereiche wie den Leipziger Auwald.

Beobachtung aus nächster Entfernung

Ab Herbst versammeln sich Waldohreulen vielfach zu Schlafplatzgesellschaften. Diese reichen von wenigen Individuen bis weit über 100 Tiere. In dieser Zeit kann man die Vögel leichter zu Gesicht bekommen. Nähert sich ein Mensch, dann sind die Eulen erstaunlich tolerant gegenüber dem potentiellen Feind. In solchen Situationen legen sie ihr rindenartiges Gefieder schmal hochgestreckt eng an. Eine Schulter wird vorgezogen und der Gesichtsschleier seitlich angepresst, so dass das runde Eulengesicht verzerrt wird. Durch die steil aufgerichteten Federohren wird der Tarneffekt wirkungsvoll verstärkt.

Traditionelle Winterrastplätze

Solche Schlafplätze teilen die Tiere auch mit anderen Eulenarten wie Sumpfohreulen. Sie werden oft über einen längeren Zeitraum benutzt, wobei schon über 100 Jahre festgestellt wurden. Manchmal werden sogar dieselben Zweige über mehrere Jahre genutzt. Unklar ist bisher der Grund für die alljährlichen Wintergesellschaften. Anscheinend fungieren sie als „Nachrichtenstationen“, vergleichbar denen von Rabenvögeln. Bei ungünstigen Witterungsverhältnissen wie hohem Schnee oder Frost erfahren die Individuen, wo es in der Gegend gute Jagdgründe gibt. Abends gehen die Tiere dann nicht selten gemeinsam auf Jagd.

Michael Dech

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