Aus der Vogelwelt: Wanderfalke

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Anfang der 1950er Jahre gab es auf dem Gebiet der ehemaligen DDR noch etwa 150 Brutpaare des Wanderfalken, von denen 30 zur felsbrütenden Population gehörten und der Rest Baumbrüter waren. Durch den Abschuss und den Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln (DDT), in deren Folge die Vögel dünnschalige Eier produzierten, nahm der Bestand besorgniserregend ab. 1955 wurde im Polenztal bei Hohnstein das erste dünnschalige schlupfunfähige Gelege geborgen. Ab 1965 schlüpften auf dem Gebiet der damaligen DDR keine Jungvögel mehr und ab 1974 galt der Wanderfalke als ausgestorben.

Durch ein umfangreiches Artenhilfsprogramm, an dem Wissenschaftler aus beiden Teilen Deutschlands eng zusammenarbeiteten und auch noch vorhandenes Tiermaterial aus beiden deutschen Teilen zusammenführten, gelang es den Bestand zu stabilisieren. So wurden alle bekannten Horste und neu ausgewilderte Brutpaare intensiv bewacht und betreut, das Pestizid DDT (Dichlor-Diphenyl-Trichloräthan) wurde verboten. 

Im Ergebnis kann für den Wanderfalken seitdem eine erfolgreiche Bilanz gezogen werden. Heute leben wieder 450 Brutpaare in Deutschland. Darunter haben sich seit 2010 auch zwei Brutpaare in unserer Stadt angesiedelt. 

Der Wanderfalke ist ein Flugjäger, der sich fast ausschließlich von drossel- bis taubengroßen Vögeln ernährt. So erbeutet er alle Drosselarten, Stare, Hühner- und Rabenvögel, Möwen, Tauben, Limikolen, den Kuckuck und Enten. Bisher wurden 210 Vogelarten als Beute nachgewiesen. Das Beutegewicht liegt dabei zwischen 10 bis 1.800 g. Selten werden Säuger (Fledermäuse, Eichhörnchen, Kaninchen, Junghasen, Ziesel u. a.), Fische oder Insekten erjagt. Mit Geschwindigkeiten von 280 bis 300 km/h stürzt sich der Wanderfalke im Sturzflug auf seine Beute herab und ist damit der schnellste Vogel der Welt. Bei dieser Geschwindigkeit verletzt der Wanderfalke seine Beute mit seinen scharfen Krallen meistens im Vorbeifliegen, da er sich bei einem Frontalangriff selbst tödlich verletzen könnte. 

Aufgrund seiner ausschließlich fleischlichen Ernährung steht er auch an der Spitze der Nahrungskette. Deshalb dient er wie andere Greifvögel und Fleischfresser als Indikator für Umweltverschmutzungen, da sich die Giftstoffe in seinem Fettgewebe sowie in den inneren Organen anreichern und somit zur Unfruchtbarkeit führen (siehe DDT-Einsatz).

Wie sein Name bereits andeutet, streift der Wanderfalke weit in seinem Verbreitungsgebiet umher. In unseren Breiten ist er je nach Wetterlage Stand- und Strichvogel. Das eigentliche „wandern“ der Altfalken in den Wintermonaten ist bei uns kaum zu beobachten. Nur die Jungvögel ziehen in ihrem ersten Winter überwiegend nach Süd- oder Westeuropa. Im anschließendem Frühjahr, oder später, kehren sie dann zurück, um dann – oft in der Nähe ihres Geburtsortes – einen geeigneten Partner zu finden, mit dem sie ein neues Revier beanspruchen, in dem sie sich auch behaupten können.

Das Weibchen des Wanderfalken ist mit 43 cm Größe fast so groß, wie ein Bussard. Das Männchen, auch Terzel genannt, ist – wie bei fast allen Greifvögeln – etwa ein Drittel kleiner. Beide Altvögel sind graubraun bis schiefergrau, wobei die Unterseite von heller bzw. weißlicher Farbe ist. Diese ist dünn mit schwarzen Querflecken gebändert. Unter den Augen hat der Wanderfalke einen sehr charakteristischen breiten und schwarz gefärbten Backenstreif.

Jungvögel sind dunkler und bräunlicher, wobei die Bartstreifen nicht so deutlich abgesetzt sind. Ihre Brust wirkt nicht gebändert, sondern deutlich getropft.

Der Wanderfalke besitzt wie alle Greifvögel ein außerordentlich gutes Sehvermögen. Auf dem gelben Fleck im Falkenauge befinden sich 1,5 Millionen Sehzellen (zum Vgl. Mensch: 0,2 Millionen Sehzellen). So kann der Falke seine Beute schon auf 1.500 m Entfernung wahrnehmen.

Als Brutstandort bevorzugt der Wanderfalke überwiegend Nischen und Bänder in Felswänden. Sind solche nicht vorhanden, brütet er auch auf Bäumen oder am Boden. Seit einiger Zeit nimmt der Wanderfalke auch „Kunstfelsen“ an, die ihm z. B. durch Autobahnbrücken, Industriebauten, Türme, Hochhäuser und Kraftwerke geboten werden. In unserer Stadt hat er sich für das Hotel „West Inn“ und den alten Schornstein der Pianoforte-Fabrik in Böhlitz-Ehrenberg entschieden. Im vergangenen Jahr wurden im „West Inn“ zwei und in Böhlitz-Ehrenberg drei Junge großgezogen. Im Leipziger Südraum dient das Kraftwerk Lippendorf ebenfalls als „Brutfelsen“.

Ein Falkenpaar hält lebenslang an seinem Brutrevier fest, indem es allerdings mehrere Brutplätze nutzen kann. Wanderfalken brüten einmal im Jahr ab Ende Februar, meistens jedoch ab Mitte März, spätestens im April. Das Weibchen legt bis zu vier braungefleckte Eier in eine ausgescharrte Mulde. Die Brutdauer beträgt 28 bis 32 Tage. Während der Brut und in den ersten Tagen nach dem Schlüpfen der Jungen wird das Weibchen vom männlichen Partner mit Futter versorgt. Etwa 10 Tage lang werden die Jungen vom Weibchen gehudert. Nach etwa 40-tägigen Nestaufenthalt fliegen die Jungvögel zwischen Ende Mai und Anfang Juni zum ersten Mal aus. Bevor die Jungen völlig selbständig sind, folgt eine drei- bis vierwöchige Bettelflugperiode in der Nähe des Horstes.

Geschlechtsreif ist ein junger Wanderfalke frühestens im zweiten, meist erst im dritten Lebensjahr. Trotz seiner positiven Bestandsentwicklung braucht der Wanderfalke weiterhin unsere Unterstützung. Denn nach wie vor treten immer wieder Fälle von direkter Verfolgung auf, wobei einzelne Vögel vergiftet, oder Jungvögel zur späteren Verwendung als Beizvögel gewildert werden. Da vor allem Tauben zum Nahrungsspektrum des Falken zählen, gibt es immer wieder Konflikte mit einzelnen Taubenzüchtern. Auch die zunehmende Verbreitung des Klettersports in den Gebirgsregionen führt zu Störungen bei einzelnen Brutpaaren.

Wenn der Wanderfalke auch kein Gartenvogel ist, so ist nicht auszuschließen, dass er den Luftraum über unseren Gärten zu seinem Jagdrevier macht.

Hoffen wir, dass auch 2013 wieder ein erfolgreiches Brutjahr für unsere „heimischen“ Wanderfalken wird. Gerade zur gegenwärtigen Jahreszeit sollten wir auch an die Vögel in unserem Garten denken. Sie brauchen jetzt unsere Hilfe in Form von täglichen Futtergaben. Und denken Sie daran möglichst solche Futtermittel die mit dem Zusatz „Ambrosia frei“ oder „Ambrosia controlled“ (siehe dazu die Dezember-Ausgabe 2012 des LGF) versehen sind zu erwerben!

Klaus Rost

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