Aus der Vogelwelt: Vogelschutz im Garten

Bild von Manfred Richter auf Pixabay

Nicht nur, dass es im September ruhiger in unseren Gärten geworden ist, hört man doch kaum noch den Gesang eines Vogels. Auch die Artenvielfalt wird von Tag zu Tag immer geringer, denn die Zugzeit hat begonnen.

Zurück bleiben höchstens einige Nachzügler, deren Junge einer Spätbrut noch nicht kräftig genug für die große Reise sind. Vielleicht handelt es sich auch um Vögel, die durch günstige Verhält¬nisse in ihrem Lebensraum zur Überwinterung angeregt sind.

Aber auch eine Reihe von Vögeln, die ganzjährig bei uns verbleiben, zieht jetzt in kleinen Trupps umher und lassen sich auch in unseren Gärten sehen. Es sind Arten, die für ihre Nahrung mehr auf vegetarische Kost stehen. Und hier finden sie gerade jetzt in unseren Gärten an den abgeblühten Blütenständen, die jetzt Samen ausbilden, einen reich gedeckten Tisch. Vorausgesetzt der Kleingärtner schneidet, seinem Ordnungssinn folgend, nicht gleich jeden verblühten Blütenstand ab.

An den Samenständen von Tagetes, Zinnien und Cosmeen finden sich gern Familienverbände vom Stieglitz ein. Ihm galt 2016 die besondere Aufmerksamkeit, wurde er doch zum Vogel des Jahres gekürt. Einher ging damit auch die durch den NABU ins Leben gerufene Aktion „Bunte Meter für Deutschland”. Dadurch wurde die Anlage von Wildblumenstreifen angeregt oder Brachflächen sollen vor der Bebauung gerettet werden. Mit jedem „Bunten Meter” schaffen wir Lebensräume und Nahrungsgrundlagen für Stieglitze sowie andere Singvögel, aber auch Bienen, Schmetterlinge und viele andere Tierarten.

Der Bestand vom Stieglitz hat zwischen 1990 und 2013 um 48% abgenommen, d.h. nahezu um die Hälfte. Offizielle Schätzungen des Dachverbandes Deutscher Avifaunisten gehen von 305.000 bis 520.000 Brutpaaren aus. Allein in der Agrarlandschaft sind seit 1994 fast 90% aller Brachflächen mit ihrer heimischen Artenvielfalt verloren gegangen. Auch Randstreifen mit Blumen und Wildkräutern an Feldern und Wegen werden immer weniger und artenärmer. Im Siedlungsraum verschwinden wildblumenreiche Brachflächen, öffentliches und privates Grün wird zu intensiv gepflegt und die Wildkrautvielfalt wird weggespritzt.

Jeder Gartenbesitzer kann zum Erhalt des hübschen Stieglitzes etwas beisteuern, indem er eine Fläche mit heimischen Wildkräutern anlegt und auf Pestizide verzichtet. Die genannte Aktion sollte nicht nur auf das „Jahr des Stieglitzes 2016″ beschränkt bleiben. Mitunter befinden sich vor dem Gartenzaun kleine, schmale Randflächen, die sich dafür eignen und eine Bereicherung der Nahrungsvielfalt bieten.

Auch die fruchttragenden Gehölze bieten jetzt genügend Nahrung für unsere Vögel. Von diesen fruchttragenden Gehölzen wird von den Beeren alles verzehrt, egal ob Fruchtfleisch oder Samen. So verzehren Weichfresser, wie u.a. Drosseln, Seidenschwänze, Schmätzer, Rotschwänze und Grasmücken, die Beeren wegen ihres Fruchtfleisches.

Diese Vögel haben eine schnelle Verdauung, was bedeutet, dass sie die wichtigsten Samenverbreiter unter unseren Vögeln überhaupt sind. Von den aufgenommenen Samen der Beeren behalten die meisten von ihnen ihre Keimfähigkeit oder sie wird ihnen durch die Verdauung erst möglich.

Am Holunder z.B. kann man folgende Vogelarten bei der Nahrungsaufnahme beobachten: Singdrossel, Wacholderdrossel, Amsel, Gimpel, Buchfink, Kernbeißer, Mönchsgrasmücke, Star, Rotkehlchen, Nachtigal, Dorngrasmücke, Braunkehlchen, Seidenschwanz, Heckenbraunelle, Hausrotschwanz, Zaunkönig, Waldlaubsänger und Sperbergrasmücke. An den Früchten der Wildrosen, den Hagebutten, sieht man jetzt ebenfalls Fraßspuren. Die Früchte sind oft aufgehackt und das Fruchtfleisch ist abgelöst. Das ist ein typisches Zeichen, das hier der Grünfink tätig war. Er hat es auf die im Inneren der Frucht befindlichen Kerne abgesehen. Körnerfresser, zu ihnen zählt der Grünfink, interessieren sich für die Samen und entfernen das Fruchtfleisch. Sie tragen nicht zur Verbreitung der Samen bei.

Einen ehemals ganzjährigen Waldbewohner sieht man um diese Zeit häufiger als sonst in unseren Gärten und in der Stadt: Eichelhäher geraten auffallend oft ins Blickfeld. Für ihn beginnt ab Anfang September die Wanderzeit. In manchen Jahren findet in vielen Gebieten ein auffälliger Zug statt, der sogar den Charakter von Invasionen annehmen kann. Kleine Gruppen oder einzelne Vögel fliegen mit unruhigen, etwas flachen und vor allem recht unregelmäßig wirkenden Flügelschlägen in eine bestimmte Richtung, oft mit längeren Pausen. Sicher haben Züge und Invasionen etwas mit der Menge des Nachwuchses im vorausgegangenen Sommer und dem Nahrungsangebot nach der Brutzeit zu tun.

Die Zeit des Vorratssammelns für den Winter hat begonnen, noch bevor die Eicheln am Baum richtig reif geworden sind. An den Bäumen zwicken die Vögel die Eicheln ab oder ziehen sie aus dem aufgezwickten Becher heraus und schlucken sie in den Kropf. Mit vollen Kröpfen fliegen sie dann bis mehrere Kilometer weit, um die Eicheln einzeln in Erdlöcher zu vergraben, die mit Schnabelhieben aufgehackt werden. Dabei können bis zu acht Eicheln im Kropf transportiert werden.

Durch die unsere Stadt umgebenden neu entstandenen bzw. entstehenden Seen besteht die Möglichkeit, dass man ab jetzt hin und wieder größere Vogelschwärme am Himmel beobachten kann. Durch ihre Lautäußerungen wird man auf diese Vögel aufmerksam. Es sind dann meist Grau-, oder Saatgänse, die die großen Wasserflächen als Zwischenrastplatz oder z.T. auch als Überwinterungsplatz nutzen. Während sie auf den Gewässern nächtigen, ziehen sie morgens auf Acker- und Wiesenflächen, um dort ihren Hunger nach pflanzlicher Nahrung zu stillen.

Auf den Gewässern haben die Stockerpel wieder ihr Prachtkleid angelegt, einige sind aber noch braunscheckig. Und wenn man genau hinsieht, merkt man, dass viele Stockenten bereits paarweise schwimmen. Die meisten Weibchen sind schon verpaart. Bei anderen Enten ist es noch nicht so weit.

Tafel- und Reiherenten tragen noch das Schlichtkleid, die Männchen sind aber gut zu erkennen. Bei den Tafelerpeln sind die Schlichtkleider nur etwas matter gefärbt als die Prachtkleider. Die Reihererpel tragen jetzt zwar keine weißen Flanken, sind aber deutlich dunkler an Kopf und Hals als die Weibchen, der kleine Reiherschopf ist meist nur angedeutet. Das Prachtkleid wird vorwiegend von männlichen Vögeln getragen und ist oft besonders farbenfroh oder weißt zumindest auffällige Farbeffekte auf.

Gegen Ende des Monats, meist in der Dämmerung, macht durch schauerliche Rufe der Waldkauz auf sich aufmerksam. Die Herbstbalz beginnt.

Zu seinem Lebensraum gehören alte Laubbäume mit Höhlen als Brutplätze. In den Randgebieten der Städte lebt er als Standvogel inmitten von Häusern und großen Gärten, zu deren Strukturen auch große Laubbäume gehören.

Findet er keine Höhle oder eine große, tiefe Spalte in einem der alten Stämme, bezieht er auch dunkle Nischen in Gebäuden. Selbst Krähennester werden gelegentlich bezogen. Der Waldkauz ist sehr ortstreu.

Da die höhlenbrütenden Vogelarten in diesem Monat ihr Brutgeschehen abgeschlossen haben, können jetzt die Nistkästen von den alten Nestern befreit und gesäubert werden. Mit einem größeren Pinsel werden die Staubteilchen aus den Ritzen und Fugen entfernt. Auch kann der Kasten mit Wasser gereinigt werden, jedoch ohne Zusatz von Reinigungsmitteln oder anderen chemischen Zusätzen.

Klaus Rost

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