Aus der Vogelwelt: Vogelschutz im Dezember

Bild von Oldiefan auf Pixabay

Je nach Wetterlage ist nun die Futterstelle wieder zu beschicken. Leicht können Futterstellen aber zu Ansteckungsquellen für die Vögel werden, wenn sie noch alte Futterreste enthalten. Deshalb ist darauf zu achten, dass Futterhäuschen vor dem Wiederaufstellen gründlich gereinigt werden. Am besten mit heißem Wasser. Auch sollten die Futtergeräte so beschaffen sein, dass das darin befindliche Futter vor Witterungsunbilden geschützt ist und die Vögel nicht in dem Futter herumlaufen können und es dadurch durch Kot verunreinigen. Am günstigsten sind sogenannte Futtersilos.


Beim Aufstellen der Futterstelle ist auch darauf zu achten, dass diese vor Katzen sicher ist. Besser ist es, die Futterhäuschen so zu sichern, dass streunende Katzen keine Chance haben, die Vögel beim Fressen zu erreichen. Wer das Futterhäuschen auf einen einfachen Holzständer stellt, gibt Katzen die besten Klettermöglichkeiten. Besser für die Vögel ist es, wenn das Futterhaus auf einer glatten Eisenstange steht, möglichst so hoch, dass diese Distanz nicht per Sprung durch die Katzen überwunden werden kann. Eine andere Möglichkeit bietet die Sicherung mit einer Manschette. Abwehrgürtel und Schutzmanschetten sind entweder aus Metall im Handel erhältlich oder können auch aus Tannenzweigen oder Stachelbeerzweigen selbst gebaut werden, die so um den Standfuß der Futterstelle gebunden werden, dass sie abstehen und der Katze keinen Halt bieten.

So lange es möglich ist, sollen die Vögel ihrer natürlichen Nahrungssuche nachgehen. Nicht alle Vögel suchen die Körnerfutterstelle auf. Weichfresser, wie Drosseln, Rotkehlchen, Zaunkönige und Heckenbraunellen, nehmen das Futter lieber vom Erdboden auf. Ihnen wird deshalb eine separate Futterstelle auf dem Erdboden eingerichtet. Gut eignet sich dazu der Komposthaufen, an dem eine Stelle ständig locker zu halten ist, damit die Vögel die im warmen Komposthaufen lebenden Insekten aufnehmen können. Das Ganze erhält ein Schutzdach, um Wind und Schnee abzuhalten. Gesammelte Beeren für die Vögel werden hier ebenfalls angeboten.

Gartenfreunde, die keine Zeit zum Füttern haben, aber nicht nur solche, und trotzdem gerne Vögel beobachten möchten, sollten abgeblühte Gartenstauden im Herbst stehen und etwas Laub liegen zu lassen. Darin überwintern Insekten und Spinnen – für Rotkehlchen, Zaunkönig und Grünspecht die ideale Nahrung zum Überwintern. Insekten sind eine sehr eiweißreiche Nahrung, die in gekauften herkömmlichen Vogelfutter so nicht enthalten ist.

Vogelmischfutter kann auch Bestandteile von bei Menschen auslösenden Allergien beinhalten. Deshalb sollte bei der Wahl des Vogelfutters darauf geachtet werden, dass sich darin keine Sämereien von Ambrosia befinden. Dieses Futter ist mit dem Aufdruck “Ambrosia-frei” versehen. Warum sollten sich keine derartigen Samen in der Vogelfuttermischung befinden:
Die Beifuß-Ambrosie (Ambrosia artemisiifolia), mancherorts auch als Beifußblättriges Traubenkraut oder „Wilder Hanf” bekannt, kommt schon seit dem 19. Jahrhundert in Deutschland vor. Doch die klimatischen Bedingungen in Deutschland ließen zunächst keine dauerhaften Ambrosia-Bestände zu. Die zunehmende Klimaerwärmung Ende des 20. Jahrhunderts änderte das. Dass Menschen hierzulande überhaupt unter Ambrosia-Allergie leiden, ist Ergebnis des Zusammenspiels von Globalisierung und Klimawandel.

Die ursprünglich in Nordamerika beheimatete Pflanze wurde zwischen Getreide und Kleesaat über den Seeweg nach Europa eingeschleppt und breitete sich von dort über die Landwege weiter aus. In anderen europäischen Ländern wie Ungarn, Italien und Frankreich ist sie schon länger als Problempflanze bekannt: einerseits als lästiges Unkraut in landwirtschaftlichen Kulturen, andererseits wegen der Gesundheitsgefahr durch ihren stark allergieauslösenden Pollen.
Bereits eine kleine Pollenmenge kann bei empfindlichen Menschen Reaktionen auslösen. Zum anderen verlaufen Ambrosia-Allergien oft sehr schwer. Das kann ein starker Heuschnupfen sein, eine Bindehautentzündung, ein juckendes Ekzem bis hin zum Asthma.

Von der Futterstelle heruntergefallene Samen neigen dazu unter dem Futterplatz zu keimen und sich als Pflanze zu entwickeln. Aber auch mit dem Vogelkot werden die Ambrosia-Samen außerhalb von Gärten in die freie Landschaft verbracht. Wissen sollte man, dass die Samen von Ambrosia bis zu 40 Jahre keimfähig sind, deshalb ist ein Standort, an dem einmal Ambrosia gefunden wurde, auch in Zukunft zu überwachen. Ziel muss sein, jegliche Samenproduktion zu verhindern. Ambrosia fängt etwa Anfang August an zu blühen. Da die Pflanze bis dahin eine etwa 3 bis 4 monatige Aufwuchsphase hinter sich hat, ist eigentlich genug Zeit, die Pflanze bei Einzelvorkommen zu bekämpfen. Nach Möglichkeit sollten die Pflanzen mit Wurzel ausgerissen werden und über eine sichere Entsorgung (Müllverbrennung) unschädlich gemacht werden. Blühende Pflanzen bzw. Pflanzen mit Blütenknospen sind auf jeden Fall sicher zu entsorgen, keinesfalls auf den Kompost werfen!

Sollten Sie einmal an einer Gaststätte mit der Bezeichnung „Ambrosia” vorbeikommen, dann müssen Sie diese Stätte nicht meiden. Hier drohen keine der oben genannten Allergien. In der Antike Griechenlands war Ambrosia die Speise der Götter vom Olymp. Heute die Götterspeise. Für Ihre Beobachtungen an der Futterstelle wünsche ich Ihnen nette Erlebnisse mit Meise, Kleiber, Fink & Co.

Klaus Rost

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