Aus der Vogelwelt: Tauben 1 – Ringeltauben

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Ab und an, egal zu welcher Jahreszeit, kann man in unseren Gärten auch Tauben beobachten. Zu den fünf in Deutschland vorkommenden Taubenarten gehören Ringel-, Türken-, Turtel-, Hohl- und Stadttauben. Dabei ist die Ringeltaube die größte Taubenart Mitteleuropas und durch die weißen Flügelbänder sowie den weißen Halsstreifen kaum zu verwechseln. Die Oberseite ist blaugrau. Die Bauchunterseite ist etwas heller. Der Kropf und die Brust sind weinrötlich überhaucht, die Füße rot und der Oberschnabel ist an der Wurzel mit einer Haut überzogen, die die Nasenlöcher wie eine Kappe bedeckt.

Die Ringeltauben bewohnen bewaldete Landschaften aller Art, aber auch Alleen, Parks sowie Friedhöfe und sind heute auch in den Zentren der Städte anzutreffen. Das Nest ist eine dünne Plattform mit einer mittigen Mulde und wird aus dünnen, meist unbelaubten Zweigen gebaut. Neue Nester sind oft so durchscheinend, dass die Eier von unten zu sehen sind. Meist bringt das Männchen Material zum Nestplatz, das dann vom Weibchen verbaut wird. Der Bau des Nests dauert zwischen ein bis zwei Wochen, mitunter auch nur zwei Tage. Die Nester werden häufig wiederholt benutzt, gelegentlich werden die Nester anderer Vogelarten als Nestunterlage verwendet.

Das Gelege besteht fast ausschließlich aus zwei Eiern. Diese sind weiß, matt glänzend und annähernd elliptisch. Die Eiablage beginnt vorrangig im April. In der Regel werden zwei Jahresbruten, bei günstiger Witterung auch drei bis vier Bruten durchgeführt. Die letzten Gelege werden meist bis Mitte September begonnen, selten auch noch im Oktober. Die Brutzeit beträgt 16 bis 17 Tage und die Nestlingszeit dauert im Mittel 28 bis 29 Tage, mit etwa 35 Tagen sind die Jungvögel voll flugfähig.

Die Jungen werden bis zum neunten Tag mit der sogenannten „Kropfmilch” gefüttert, die von beiden Eltern im Kropf erzeugt wird. Es ist ein weißer, bröckliger, käsig riechender Brei, der fortwährend von der innersten Hautschicht abgestoßen wird. Die Absonderung beginnt schon vier Tage vor dem Schlüpfen der Jungen aus dem Ei und wird mit dem zehnten Lebenstag der Jungen eingestellt.

Die Nahrungssuche erfolgt sowohl auf dem Boden sowie auch zu erheblichen Teilen auf Bäumen und Sträuchern. Die Nahrung ist wie bei den meisten Taubenarten fast ausschließlich pflanzlich. Der Hauptanteil besteht aus Eicheln, Bucheckern und Getreidesamen. Daneben wird jedoch je nach dem lokalen Angebot ein sehr breites Spektrum weiterer Gewächse gefressen, dazu zählen grüne Blätter, Knospen und Blüten verschiedenster Pflanzen, Beeren und andere Früchte, Wurzelknollen (z. B. Kartoffeln oder Rüben) sowie Eichengallen. Städtische Populationen können sich hauptsächlich von Brot und anderen Backwaren ernähren, die reichlich an Imbissständen umherliegen. Tierische Nahrung wird gelegentlich aufgenommen, am häufigsten sind es offenbar Schildläuse sowie Schmetterlingsraupen und -puppen, vereinzelt auch andere Gliederfüßer und Regenwürmer. Offenbar werden zur Deckung des Kalkbedarfs manchmal auch kleine Mollusken gefressen. Außerhalb ihrer Reviere erfolgt die Nahrungssuche oft gesellig in kleinen Schwärmen.

Ringeltauben gehören zu den meist gehassten und am wenigsten beliebten Vögeln unserer Fauna. Eine Menge Gründe gibt es dafür: So plündern Ringeltauben allzu gern die frischen Saaten in unseren Gärten und auf den Feldern, so laben sie sich im Frühjahr an den Knospen der Obstbäume und so fallen sie mit ungeheurer Dreistigkeit über unsere schönsten Kirschen her. Darüber hinaus sorgen sie mit ihrer gesunden Verdauung noch dafür, dass wir uns über ihre unappetitlichen Hinterlassenschaften auf Terrassen und Wegen ärgern müssen.

Die Ringeltaube gehört nach § 2 Bundesjagdgesetz (BJagdG) wie alle Wildtauben zu den jagdbaren Arten. Sie darf nach Bundesjagdzeiten-VO vom 1. November bis 20. Februar bejagt werden. Der NABU setzt sich jedoch seit vielen Jahren dafür ein, dass die Ringeltaube wie alle anderen Zugvogelarten aus dem Jagdrecht entlassen und in das Naturschutzrecht übernommen wird.

Die Ringeltaube ist je nach geografischer Verbreitung Standvogel, Teilzieher oder überwiegend Kurzstreckenzieher und verbringt den Winter vor allem in West- und Südwesteuropa. In den letzten milden Wintern konnten die Ringeltauben ganzjährig beobachtet werden und selbst an der Futterstelle lässt sie sich dann sehen.

Sehenswert ist der Balzflug dieser Taube mit der kurzen Aufstiegsphase, dem Flügelklatschen und der mit halbgeschlossenen Flügeln schräg hinabführenden Gleitstrecke. Diesen Vorgang bezeichnet man als sogenanntes „Himmeln”.

Der Oktober ist der Monat des Vogelzuges. Die Langstreckenzieher verlassen uns und der Durchflug von Kurz- und Mittelstreckenwanderer erreicht in diesen Wochen seinen Höhepunkt. Ziehende Kraniche am Stadthimmel machen mit lauten Trompetenrufen auf sich aufmerksam. Auch Singvögel fliegen nun in Scharen und so kann der aufmerksame Beobachter Sing-, Wacholder- und Rotdrosseln, Feldlerchen, Stare, Buchfinken u. a. sehen. Auch auf den unsere Stadt durchfließenden Gewässern und den Seen am Stadtrand kann man jetzt Wasservogelarten wie Löffel-, Krick-, Schell-, Pfeifenten, Gänsesäger, Zwergtaucher und Kormorane beobachten, die hier eine Zwischenrast einlegen oder sich als Überwinterer einrichten. In den frühen Morgenstunden, wenn es zu dämmern anfängt bzw. abends beim Einbruch der Dämmerung, hören wir oft lautes Schnattern aus der Luft. Es handelt sich dabei um größere Schwärme von Grau-, Bläss- und Saatgänsen die von den Seen, auf denen sie genächtigt haben, zur täglichen Nahrungssuche auf die umliegenden Felder fliegen bzw. abends wieder die Schlafplätze auf den Gewässern aufsuchen.

Ebenfalls besonders in den Früh- und Abendstunden machen im Laufe des Monats mehr oder weniger große Schwärme von Saatkrähen auf sich aufmerksam. Mit Einbruch der Dämmerung suchen sie größere Baumgruppen auf, in denen sie die Nacht verbringen, um am Morgen wieder nach den außerhalb der Stadt liegenden Feldern auf Nahrungssuche zu fliegen. Diese Saatkrähen haben bereits eine längere Reise hinter sich. Ihre Brutheimat liegt in Osteuropa bis zum Ural. Kälte und damit einhergehender Nahrungsmangel veranlassen sie ihr Winterquartier in Deutschland aufzuschlagen. Sie sind es, die in den kommenden Monaten ihre Aufmerksamkeit auf sich lenken. In unseren Gärten durchstöbern sie die Komposthaufen nach allerlei Fressbarem. Unterscheiden kann man die Saatkrähe von der etwas größeren Rabenkrähe durch den über der Schnabelwurzel federfreien grauen Fleck.

In diesen Schwärmen befinden sich meist auch kleinere etwa taubengroße Vögel, die nicht ganz schwarz, sondern schwarzgrau gefärbt sind. Bei genauerem Hinsehen fällt der schiefergraue Nacken auf. Auffallend ist auch das Auge mit der weißen Iris. Es sind Dohlen, die in diesem Jahr zum Vogel des Jahres erhoben wurden.

Klaus Rost

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