Aus der Vogelwelt: Specht

Bild von ray jennings auf Pixabay
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Bei einem Wald- oder Gartenspaziergang im Frühjahr ertönt zwischen dem Gezwitscher der Singvögel immer wieder mal ein Trommelwirbel – ein unverkennbares Geräusch, an dem schon jedes Kind erkennt, hier ist ein Specht am Werk.
In ratternder Serie hämmert er mit seinem starken Schnabel auf einen morschen Ast oder einen hohlen Baumstamm ein.

Wer denkt, für den Specht ist dabei Holz gleich Holz, der hat weit gefehlt. Der Platz für seinen Trommelwirbel ist wohl gewählt. Eine gute Resonanz ist ihm wichtig, möglichst weit soll es durch den Wald schallen. Aber wozu das Ganze?

Mit seinen akustischen Signalen – der Buntspecht bringt es auf 12-18 Trommelschläge pro Sekunde – kann der Specht gleich mehrere Botschaften an seine Artgenossen übermitteln: Je nach Situation zeigt er damit, dass er auf Brautschau ist, wo sich sein Revier befindet und nicht zuletzt verkündet er, dass er stolzer Besitzer eines Eigenheims ist. Denn auf das Dach überm Kopf legt Familie Specht großen Wert. Sie benutzt die in einen Baum gemeißelte Höhle nicht nur als Nistplatz. Auch außerhalb der Brutzeit genießen die Spechte das trockene Plätzchen als “Schlafzimmer”, während andere Vögel selbst bei Wind und Wetter auf einem Ast schlafen.

Ein schwarzer, fast krähengroßer Specht mit einer roten Kopfplatte ist der mehr in größeren Waldungen vorkommende Schwarzspecht. In unseren Gärten können wir die Bekanntschaft mit schwarzweiß aussehenden Spechten, die ebenfalls eine mehr oder weniger große rote Kopfplatte haben, machen. Es sind dies der etwa amselgroße Buntspecht, der seltenere Mittelspecht und der etwa sperlingsgroße Kleinspecht. Im Unterschied zu den Buntspechtarten sind der Grün- und Grauspecht keine eigentlichen Hackspechte, sondern sie suchen ihre Nahrung vorwiegend am Boden. Der Grünspecht ist dabei ein ausgeprägter Spezialist für Ameisen.

Das Ausmeißeln seiner Baumwohnung kostet dem „Zimmermann des Waldes” allerdings auch viel Mühe. Der Schwarzspecht zum Beispiel gibt sich erst dann zufrieden, wenn er in einen besonders dicken Stamm eine fast armtiefe Höhle geschlagen hat. Bis zu vier Wochen arbeitet er daran, und rund 10 000 Späne müssen dafür fallen.

Das Zimmern der Höhle ist bei gesundem Hartholz fast nicht zu schaffen. Deshalb suchen sich Spechte für ihren Wohnsitz in der Regel Bäume aus, die bereits angegriffen und im Kern weicher sind. Gerade weil sich aber nicht jeder Baum zum Ausmeißeln eignet, herrscht vielfach Wohnungsnot, die vor allem den jungen Spechten einen harten Überlebenskampf beschert. Denn nach einer gewissen Zeit, wenn sie selbständig genug sind, werden sie von den Eltern rigoros vertrieben, müssen sich dann auf die Suche nach einem eigenen Revier machen und sich ihre eigene Höhle zurechtzimmern.

Als Brutvogel werden wir die Spechte, egal welche Art, seltener in unseren Kleingärten antreffen. Es fehlt ihnen hier an entsprechenden Brutmöglichkeiten, da kaum große Obstbäume mit entsprechenden Stamm- bzw. Astdurchmessern in unseren Kleingartenanlagen anzutreffen sind und kranke am Absterben betroffene Bäume (Baumruinen) ein Opfer der Säge werden. Als Nahrungsgast hingegen werden wir die eine oder andere Spechtart antreffen können. In der Folge werden wir uns mit den einzelnen Arten etwas näher befassen.

Heute widmen wir uns einem Vogel, den jeder schon gehört haben muss. Es handelt sich um einen Vogel, der – bei aller Liebe – keine schöne Stimme hat. Aber Trommeln kann der Buntspecht wie ein Großer. Das macht uns Freude. Vorausgesetzt, er klopft nicht an unserer Hausfassade herum. Unter den Spechten ist der etwa amselgroße Buntspecht der häufigste in Deutschland. Seine Flügelspannweite liegt zwischen 34 und 39 Zentimeter und sein Gewicht beträgt 60 bis 90 Gramm.

Sein farbenfrohes schwarz-weiß-rotes Gefieder macht ihn zu einer auffälligen Erscheinung, wenn er nicht gerade versucht, sich auf der Rückseite eines Stammes unseren Blicken zu entziehen. Oberseits ist er schwarz gefärbt mit zwei großen weißen Flügelflecken und unterhalb gelblich-grau. Die Unterschwanzdecken sind lebhaft rot gefärbt. Nur das Männchen hat einen roten Genickfleck und die Jungtiere einen roten Scheitel. Dem Weibchen fehlt der Rotanteil im Gefieder. Die Wangen sind weiß gefärbt. An den Halsseiten finden sich schwarze Bartstreifen. Die Buntspechte haben spitze, gebogene Krallen an ihren Kletterfüßen, womit sie sich an der Borke festhalten können. Zwei Krallen zeigen dabei nach vorne und zwei nach hinten.

Der Buntspecht ist dafür bekannt, dass er an mehreren Höhlen gleichzeitig arbeitet, bevor er sich für eine Bruthöhle entscheidet. Die Gelege, welche ab Mitte April getätigt werden, können bis zu sieben Eier zählen. Die Eier sind weiß gefärbt. Maximal 14 Tage werden sie von beiden Eltern bebrütet, wobei auf das Weibchen der längere Zeitanteil entfällt. Die Jungvögel werden etwa drei bis vier Wochen lang gefüttert, bis sie ausfliegen. In der zweiten Hälfte der Fütterungsphase sind die Nester wegen des ununterbrochenen lauten Gezeters der Jungvögel leicht zu entdecken.

Die Jungen der Buntspechte wachsen erstaunlich schnell heran. Das liegt an der eiweißreichen Nahrung. Er ernährt sich während der überwiegenden Zeit des Jahres hauptsächlich von Insekten und ihren Larven, die er mit kräftigen Schnabelhieben unter der Borke hervorholt. Während der Winterzeit ist er in der Lage, seine Ernährung umzustellen. In dieser Zeit, in der Insekten knapp sind, frisst er Nüsse, Beeren und Samen. Auch kleinere Vögel verschmäht er nicht. Zur Brutzeit können somit auch mal Jungvögel anderer Vogelarten auf dem Speiseplan stehen. Er wird damit zum Nesträuber.

Als „Powerdrink” nutzt der Buntspecht gerade im Frühjahr, wenn der Saftfluss der Bäume am höchsten ist, deren Saft als Nahrung. Man kennt das Phänomen der Ringelbäume. Dort werden spiralförmige Bahnen um den Baumstamm herum freigelegt, um an das fließende Baumharz zu gelangen. Das Harz lockt natürlich auch Insekten an. Diese bleiben daran kleben und werden vom Buntspecht gleich mit verspeist. Im Winter ist der Buntspecht an heimischen Futterstellen zu sehen.

Der Buntspecht kommt sowohl in Nadel-, als auch in Laub- und Mischwäldern vor. Als Kulturfolger ist er auch in städtischen Parks oder ähnlichen weitläufigen Flächen anzutreffen. In reinen Fichtenbeständen, reinen Nadelwäldern allgemein, trifft man den Buntspecht seltener an.

Auf Grund der Ringwiederfunde kann man annehmen, dass rund die Hälfte aller Jungbuntspechte im Laufe des ersten Lebensjahres zu Grunde gehen. Die durchschnittliche Lebensdauer des Buntspechtes, oder Großer Buntspecht, wie er auch genannt wird, liegt zwischen sechs und acht Jahren.

Klaus Rost

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