Aus der Vogelwelt: Singdrossel

Bis zur Monatsmitte sind die Reparaturen und Ergänzungen des Nistkastenbestandes abzuschließen. Später angebrachte Nisthilfen werden meist erst zur zweiten Brut oder von später eintreffenden Zugvögeln (Gartenrotschwanz, Trauerschnäpper) besetzt, da für die erste Brut die Reviere von den Vögeln bereits gewählt sind.

In diesem Zusammenhang sollten sich die Vereine einmal eine Übersicht über die Zusammensetzung des Brutvogelbestandes bzw. den Anteil der einzelnen Vogelarten verschaffen. Das geschieht durch eine Brutbestandsermittlung, die der Fachberater für Vogelschutz vornimmt.

Foto – Wikipedia: Singdrossel

Beim Neuanbringen von künstlichen Nisthöhlen kann in unseren Gärten die Höhe so gewählt werden, dass man beim Öffnen des Kastens bequem in diesen hineinschauen kann.  Das Einflugloch sollte von der Wetterseite weg zeigen (Südost) und so angebracht sein, dass der Einflug nicht durch Astwerk verdeckt wird. Er sollte aber auch nicht ganztägig der prallen Sonne ausgeliefert sein. Am besten werden die Kästen an einem Drahtbügel aufgehängt. Das trägt u.U. dazu bei, dass Katzen und Marder vom Erreichen abgehalten werden.

Neuerdings mehren sich die Hinweise, dass der „Neubürger“ Waschbär vermehrt Nistkästen aufsucht und Gelege und Jungvögel frisst. Aufgrund seiner „Fingerfertigkeit“ scheinen traditionelle Schutzmaßnahmen nur sehr begrenzt zu wirken. Der Waschbär unterliegt dem Jagdrecht. Zum Zwecke der Schadensabwehr darf ein Grundeigentümer in einem befriedeten Bezirk bestimmte, bei ihm lebende Wildtiere, wozu auch der Waschbär gehört, fangen und töten. Dabei müssen jagd- und tierschutzrechtliche Vorschriften ebenfalls eingehalten werden, z.B. ist es verboten, vergiftete Köder auszulegen. Wenn Sie einen Waschbären unbedingt los werden wollen, dann wenden Sie sich am besten an den örtlichen Jagdpächter, bzw. an die Bevollmächtigten der Unteren Jagdbehörde (z.B. Förster). Wer selbst auf dem eigenen Grundstück einen Waschbären fangen will, muss die Berechtigung zur Fallenjagd besitzen. Diese kann z.T. auch von Nicht-Jägern durch Teilnahme an einem speziellen Lehrgang mit Abschlußprüfung erworben werden.

Wenn auch ein Spät- oder Nach­winter hier oder dort der Land­schaft sowie Mensch und Tier noch zu schaffen machen sollte, ist doch im März unverkennbar, dass ein neuer Frühling vor der Tür steht. Da und dort machen einige Vögel die ersten Balzversuche.

Die Lebensäußerungen der Vögel wie Balz, Nestbau, Brut und Vogelzug werden durch klimatische Faktoren wie Lichtintensität, Temperatur und Niederschläge ausgelöst. Erweisen sich diese als günstig für die betreffenden Arten, sind Kohl- und Blaumeisen sowie Amseln bald eifrig beim Nestbau. Die ersten Finken schlagen und die Hänflinge beginnen zu singen.

Wenn an einem noch kühlen Märzmorgen ein von einer hohen Warte vorgetragener flötenartiger Gesang wie „dü-lü“, zi-züi“, „zrü-ti“, „ti-ti-zri-zri“ welcher 2 bis 3 Mal wiederholt wird, ertönt, macht ein Vogel der etwas kleiner als eine Amsel ist, auf sich aufmerksam. Er hat eine olivgraue Oberseite und eine rahmfarbene, dunkel getupfte Unterseite. Die Unterflügel sind hellorange. Es ist eine Singdrossel. Als Kurzstreckenzieher, dessen Winterquartier in West- und Südeuropa sowie in Nordafrika liegt verbleibt sie bis Ende Oktober bei uns und ist in der Lage bereits Ende Februar/Anfang März wieder bei uns ihr Brutrevier aufzusuchen. Die Gefiederfärbung beider Geschlechter ist gleich. Die Weibchen treffen etwas später ein und wählen einen Partner mit bereits besetztem Brutrevier aus.

Der Singdrossel begegnen wir in Gärten und Parkanlagen, außerdem im Wald und bereits Mitte April kann man ihr aus trockenen Pflanzenstängeln gebautes Nest auf Bäumen, im Gebüsch oder auf den Dachbalken eines Schuppens oder der Laube finden. Man erkennt es leicht, denn es ist innen mit einem Gemisch aus Lehm, Moder und Speichel glatt wie eine angeworfene Mauer verputzt. Diese Mischung trocknet rasch, wird hart, und der Vogel polstert das Nest dann nicht weiter aus. Das Weibchen bebrütet seine 3 bis 6 Eier 12 bis 14 Tage allein. Die Eier sind blaugrün mit wenigen schwarzen Flecken. Die geschlüpften Jungen werden von beiden Eltern etwa noch 2 Wochen lang gefüttert, dann werden die jungen Drosseln flügge und halten sich am Boden auf, wo sie weiter von den Eltern gefüttert werden. Das ist auch der Zeitpunkt wo die noch nicht voll flugfähigen jungen Drosseln, aber auch andere Jungvögel, Opfer von streunenden Katzen werden. Deshalb sollte unser Augenmerk auch darauf gerichtet sein, dass Katzen nicht im Gartenverein wildern gehen. Im Normalfall finden zwei Jahresbruten statt.

Dass die Singdrossel in unseren Gärten nicht so häufig anzutreffen ist wie die Amsel liegt daran, dass beide Arten Nahrungskonkurrenten sind und die Dichte der Amselreviere in unseren Gartenanlagen hier kaum eine Lücke bietet.

Die Singdrossel frisst überwiegend Insekten, Würmer und Schnecken und ergänzt diese mit einem jahreszeitlich schwankenden Anteil an Beeren und Früchten. Die bei uns Kleingärtnern so „beliebten“ großen rotbraunen, schwarzen und gefleckten Nacktschnecken werden jedoch auch von der Singdrossel verschmäht. Um einen Stein verstreute, aufgeschlagene Schneckengehäuse sind in der Regel das Werk von Singdrosseln. Sie hatte hier eine „Schneckenschmiede“, wie solche Futterplätze bezeichnet werden.

Auch weitere Zugvögel treffen jetzt ein; unter ihnen der Hausrotschwanz. Er trägt sein unverkenn­bares eintöniges Liedchen unter ständigem Knicksen vom First eines Hauses vor. Schon in der Morgendämmerung ist er zu hören, und abends ist er einer der letzten Sänger, der verstummt. Auch der Weidenlaubsänger, oder Zilpzalp wie er entsprechend seines Gesanges im Volksmund genannt wird, hat Einzug in den Garten- und Parkanlagen gehalten. Er ist ebenfalls einer der ersten Rückkehrer aus dem Winteraufenthalt. Mit jedem Tag erhöht sich die Artenvielfalt die wir in unseren Gärten aber auch in Parks und der Stadt beobachten können.

Klaus Rost

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