Aus der Vogelwelt: Seidenschwanz

Bild von Patrice Audet auf Pixabay

Je nach Wetterlage ist nun die Futterstelle wieder zu beschicken. Leicht können Futterstellen aber zu Ansteckungsquellen für die Vögel werden, wenn sie noch alte Futterreste enthalten. Deshalb ist darauf zu achten, dass Futterhäuschen vor dem Wiederaufstellen gründlich gereinigt werden. Zu füttern ist nur dann, wenn es auch wirklich erforderlich ist und die natürlichen Nahrungsquellen für die Vögel infolge hoher Schneelage und Eis nicht mehr zugänglich sind. So lange es möglich ist, sollen die Vögel ihrer natürlichen Nahrungssuche nachgehen.

Nicht alle Vögel suchen die Körnerfutterstelle auf. Weichfresser – wie Drosseln, Rotkehlchen, Haubenlerchen, Heckenbraunellen und Zaunkönige – nehmen das Futter lieber vom Erdboden auf. Ihnen wird deshalb eine separate Futterstelle auf dem Erdboden eingerichtet. Gut eignet sich dazu der Komposthaufen, an dem eine Stelle ständig locker zu halten ist, damit die Vogel die im warmen Komposthaufen lebenden Insekten aufnehmen können. Das Ganze erhält ein Schutzdach, um Wind und Schnee abzuhalten. Im Herbst gesammelte und getrocknete Beeren für die Vögel werden hier ebenfalls angeboten.

Der Dezember ist für den Vogelbeobachter der ruhigste Monat. Die Zugvögel sind außer Lande, dafür beleben Wintergäste aus Nord- und Osteuropa die Landschaft. Ihr Erscheinen hängt vom Wettergeschehen und Nahrungsangebot in ihrer Brutheimat ab. Dann ist mit dem verstärkten Auftreten des Seidenschwanzes zu rechnen. Dieser etwa starengroße, rötlich beigefarbene Vogel fällt besonders durch seine Scheitelhaube auf. Der Schwanz ist schwarz gefärbt und hat eine gelbe Endbinde. Das Weibchen sieht dem Männchen sehr ähnlich, ältere Männchen haben an den Schwanzfedern rote Hornplättchen. Den Jungvögeln fehlt zunächst noch der schwarze Kehlfleck und ihre Haube ist kürzer. Die Haube bzw. der Federschopf ist aufrichtbar.

Sein Name soll offensichtlich auf die Feinheit seines Gefieders aufmerksam machen. Der Seidenschwanz bewohnt die Nadelwälder im hohen Norden. In Norwegen ist sein Brutvorkommen auf den äußersten Norden beschränkt, in Schweden reicht das Brutgebiet südwärts bis zum 62. Breitengrad, in Finnland bis zum 63. Breitengrad. Östlich setzt sich das Verbreitungsgebiet bis Kamtschatka fort.

Während die Nahrung in seiner Brutheimat aus Insekten besteht, ernährt er sich im Herbst und Winter von Beeren und Früchten, z.B. Ebereschen, Cotoneaster, Misteln, Liguster, aber auch Fallobst.

Er ist Strich- und Zugvogel, wobei er nur wenig südwärts zieht, in manchen Jahren erfolgen aber größere Wanderungen und es kommt dann in Mitteleuropa zu “Seidenschwanz-Invasionen”. Diese Zeit beginnt im Oktober / November und geht bis in den März. Das ist auch der Zeitraum, wo wir unter Umständen bei unseren Freilandbeobachtungen Seidenschwänze in mehr oder weniger großen Ansammlungen beobachten können. Mit einem leisen “srieh”, pfeifenden “dü” oder tiefes dunkles “brrrt brrrt” machen sie auf sich aufmerksam.

Sumpfige Wälder mit sonnigen Lichtungen bilden in seiner Brutheimat den Biotop. In 4 bis 5 Meter Höhe auf Tannen oder Fichten, seltener auf Birken, befindet sich der Neststandort. Das Nest ist ein gut geflochtener Napf ähnlich dem Pirolnest, bestehend aus einer Unterlage aus feinen Tannenreisern, darauf Flechten und Moose; innen ist es mit Halmen und Rentierhaaren ausgepolstert. Es steht oft dicht am Stamm und ist durch die Verkleidung mit Flechten gut versteckt.

Es wird eine Jahresbrut getätigt. 4 bis 5, bläulichgrau mit wenigen schwarzen und dunkelgrauen Flecken und Punkten versehenen Eier bilden das Gelege, welches ab Mitte Mai bis in den August hinein gefunden werden kann.

Nach 13 bis 14 Tagen Bebrütungsdauer, vornehmlich durch das Weibchen, schlüpfen die Jungen. Die Nestlingszeit beträgt 14 bis 16 Tage im Freiland, in der Voliere bis zu 19 Tagen. Zur Jungenaufzucht findet Insektennahrung Verwendung unter der sich auch Blatt- und Schildläuse befinden.

Das Nahrungsangebot hat einen entscheidenden Einfluss auf die Zugbewegungen der Seidenschwänze. In Schweden halten sie sich an Eberesche und Schwedische Mehlbeere, solange Früchte zu finden sind. Gehen diese zur Neige, ziehen sie weiter. In Süd- und Mittelschweden wird dann auch andere Nahrung angenommen. Hier sind es besonders Eberesche, Äpfel, Schwedische Mehlbeere, Weißdorn, Blattknospen von Pappel, Weide, Birke, Wacholder-Beeren, Berberitze, Hagebutte, Traubenkirsche, Paradiesäpfel, Schneeball, Mistel, Insekten, und Kompostabfälle.

Während seines Aufenthaltes in Deutschland steht jedoch der Weißdorn an erster Stelle, gefolgt von Schneeball, Mistel, Eberesche, Mispel, Apfel, Schneebeere und Liguster. Insgesamt wurden bei Nahrungsuntersuchungen Beeren und Früchte von 45 heimischen Sträuchern und 21 hiesigen Bäumen nachgewiesen, u.a. auch die Früchte des bei uns als resistenter Straßenbaum angepflanzten Götterbaum. Seidenschwänze konnten auch bei der Aufnahme von Saft aus Wundstellen von Bäumen beobachtet werden.

Neben den großen Saatkrähenschwärmen, in deren Gesellschaft oft auch Dohlen zu finden sind, können jetzt auch Trupps kleiner Vögel, die unsere Gärten und Parks nach Nahrung durchstreifen beobachtet werden. Darunter befinden sich Erlenzeisige, Bergfinken, Birkenzeisige, Berghänflinge aber auch Wacholderdrosseln.

Auf unseren die Stadt durchfließenden Gewässern kann man teilweise schon das Balzgehabe der zu den Überwinterern gehörenden Entenarten wie Stock-, Tafel- und Reiherenten beobachten. Die Entenmännchen erkennt man jetzt wieder besser an ihrem Prachtgefieder.

Klaus Rost

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