Aus der Vogelwelt: Nachtigall

Wenn die letzten Jungvögel, nach der Brutperiode, die Nistkästen bzw. Nester verlassen haben, sind die Nistkästen sofort zu reinigen, da Parasiten wie Federlinge, Lausfliegen, Vogelblutfliegen etc. sich gern im alten Nistmaterial aufhalten und gar ihre Brut darin ablegen. Zum Reinigen verwenden wir nur sauberes Wasser ohne chemische Reinigungsmittel. Wird die Reinigung unterlassen, werden in den Bruthöhlen übernächtigende Tiere oder die nachfolgende Jungengeneration gleich wieder von Ungeziefer befallen. Während die Amsel in unseren Gärten zur häufigsten Brutvogelart gehört, obwohl sie durch streunende Katzen, Marder, Eichhörnchen, Eichelhäher oder andere Feinde den Großteil der Bruten einbüßt, gibt es Arten, die in den Gärten relativ selten als Brutvogel auftreten. Dazu gehört die Nachtigall.

Wer eine Nachtigall zum ersten Male erblickt, vermutet die hervorragende Sängerin nicht in einem so schlichten, schmucklosen Kleid. Es ist nur einfach braun mit grauweißer Unterseite, der Schwanz ist rostrot. Sie ist wenig größer als ein Sperling. Beide Geschlechter lassen sich nicht nach dem Gefieder unterscheiden.

Als Biotop bevorzugt die Nachtigall die buschreichen Ränder von Laub- und Mischwaldungen, vor allem den Eichen-Hainbuchenwald, ferner Parkanlagen, Ziergärten mit heimlichem Gesträuch und üppig bewachsene Friedhöfe. Auch Feldgehölze wählt sie zu ihrem Aufenthalt, wenn sie viel Strauchwerk aufweisen. Immer aber muss das Gebüsch von größeren Bäumen überschattet sein und dem Raum ein gewisses Halbdunkel geben, das die Nachtigall verlangt. Sträucher allein genügen ihr keinesfalls als Lebensraum, doch können sie zur Not mit Nadel-bäumen überstanden sein. Reine Nadelwaldungen meidet sie.

Weit verbreitet ist der Glaube, die Nachtigall singt nur des nachts. Das ist ein Irrtum. Sie singt auch nachts. Und all ihr sonstiges Vogelleben spielt sich am Tage ab, genauso wie bei den anderen Singvögeln. Zu allen Tages- und Nachtstunden lässt sie sich vernehmen, wobei es Vögel gibt, die mehr am Tage, andere, die mehr in der Nacht schlagen. Die ausgesprochenen Nachtschläger sind selten. Zur Paarungszeit sind sie besonders unruhig und melden sich mehr in der Nacht, liegen aber die ersten Eier im Nest, so werden sie stiller und singen auch am Tage weniger. Als Singplatz wählt sich die Nachtigall die Zweige eines jungen Baumes, den Gipfel eines Busches oder die unteren Äste eines größeren Baumes. Nie postiert sie sich auf hohe Baumwipfel, wie wir das von den Drosseln, zu deren Familie sie gehört, kennen.

Die gegen Ende April aus dem Winterquartier zurückgekehrten alten Männchen suchen für gewöhnlich ihr vorjähriges Brutrevier wieder auf und verteidigen es gegenüber eindringenden Artgenossen. Ihr Nest verbirgt die Nachtigall in der Heimlichkeit der Gebüsche, auch in dichten Wurzelausschlägen, an verwachsenen Baumstümpfen, in Reisig- und Laubhaufen sowie im dornigen, von Brennnesseln und Kräutern überwucherten, Gestrüpp. Sie weiß es darin so gut zu verstecken, dass es beim Aufsuchen eher zertreten als gefunden wird.

Zum Nestbau sammelt die Nachtigall viel vorjähriges Laub, feine Wurzeln und Halme. Es werden vornehmlich Eichenblätter verwendet, die den Winter am besten überdauern. Das tiefnapfige, meist kunstlose Nest wird vom Weibchen gebaut. Die Nestmulde wird mit skelettierten Blättern und feinen Gräsern ausgelegt. Zum Bau des Nestes werden etwa drei Tage benötigt. Das vollständige Gelege umfasst 4 bis 5 Eier, welche einfarbig olivgrün oder olivbraun gefärbt sind.

Gehen Eier eines Geleges verlustig, so werden von einer Vielzahl von Vogelarten Nachgelege getätigt. Bei der Nachtigall ist dies nicht der Fall. Sie legt nur die Normalzahl ihres Geleges und nicht mehr; selbst wenn ihr nur ein einziges Ei belassen wird, bebrütet sie es, ohne – wie andere Vögel – das Gelege zu vervollständigen. Hier einige Beispiele: Der Wendehals, der normalerweise 7 bis 12 Eier produziert, schaffte 33, 43, 45 und sogar 62 Stück. Ein Eisvogel, dessen Normalgelege 4 bis 8 Eier aufweist, erreichte 32, der Rotschenkel (Normalgelege 4 Eier) 18, der Haussperling 49 und die Elster 21 Eier.

In Mitteleuropa macht die Nachtigall nur eine, in den Mittelmeerländern dagegen zwei Bruten im Jahr. Die Bebrütung wird vom Weibchen allein in 13 Tagen durchgeführt. Die Jungenfütterung im Nest erfolgt 11 bis 12 Tage lang durch beide Elternteile.

Ihre Nahrung sucht die Nachtigall auf dem Boden oder liest sie von Zweigen und Blättern ab. Sie hat eine Vorliebe für das Falllaub, das eine reiche Bodenfauna aufweist. Hier findet sie allerlei Ungeziefer, durch dessen Vertilgung sie sich nützlich macht. Zu ihren Nahrungstieren gehören u. a. Kerbtiere aller Art und ihre Larven, glatte Raupen, Erdgewürm, Puppen, Fliegen, kleine Schmetterlinge, Spinnen und Ameisenpuppen. Zur Beerenreife verschmäht sie auch nicht die Früchte des Traubenholunders und des Schwarzen Holunders, ferner die des Faulbaums, des Johannisbeerstrauchs sowie des Hornstrauchs. Die gut erbsengroßen wohlschmeckenden Früchte der, besonders in Grünflächen angepflanzten, Kanadischen Felsenbirne zählen ebenso zur Nahrung.

Im Garten muss jetzt dafür gesorgt werden, dass die Vogeltränke ständig zur Verfügung steht. Auf allen unabgedeckten Wasserbehältnissen, auch dem Pool, sollte ein Schwimmbrett aufgelegt werden. Es soll verhindern, dass Jungvögel in dieser Wasserfläche ertrinken.

Muldenförmige Vertiefungen, die da und dort gelegentlich im Gar­ten auf frisch gelockerten Beeten zu finden sind, rühren von Sperlingen her. Diese nehmen gern ein Sand- oder Erdbad, um sich von Parasiten zu befreien, die sich in ihrem Gefieder aufhalten.

Ab Monatsmitte ist die Sangeszeit der Vögel vorüber. Mit Abschluss der Brut entfallen die Reviervertei­digung und damit auch der Ge­sang.

Der Hauptgrund ist jedoch die Mauser. Allgemein nutzen sich die Federn ab und müssen daher gelegentlich erneuert werden. Der Gefiederwechsel wird hormonell gesteuert, wobei die Hormonproduktion wiederum von äußeren Einflüssen wie Temperatur, Tageslänge und Nahrungs-angebot abhängt. Während der Mauser bleiben die meisten Vögel flugfähig. Die Ersetzung der Federn geschieht nach und nach, teilweise sogar nach einem bestimmten System, um die Flugfähigkeit zu erhalten. Nur wenige Arten werden bei der Mauserung generell flugunfähig, da das Großgefieder innerhalb sehr kurzer Zeit (oft während nur weniger Tage), vollständig abgestoßen wird und dann auch vollständig nachwächst. Diese Form der Mauser ist zum Beispiel bei vielen Entenvögeln verbreitet.

Auf unsere Gartenvögel trifft dieses jedoch nicht zu. Der Gefiederwechsel, d.h. die Mauser, erfolgt mindestens einmal pro Jahr, oft im Spätsommer nach der Brutsaison.

Klaus Rost

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