Aus der Vogelwelt: Grünspecht

Bild von valpictures44 auf Pixabay
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Im Gegensatz zu den in der Vergangenheit ausgewählten Vogelarten, die mehr oder weniger nicht so bekannt waren, wurde für 2014 eine Vogelart ausgewählt, die in der Öffentlichkeit bereits einen größeren Bekanntheitsgrad hat. Der Grünspecht ist “Vogel des Jahres” und damit Nachfolger der Bekassine. Das haben die Naturschutzverbände (NABU) und sein bayerischer Partner, der Landesbund für Vogelschutz (LBV) verkündet. Der Vogel steht ausnahmsweise nicht auf der Roten Liste. Bedroht ist er trotzdem. Mit der Auswahl dieses Vogels will man auf das Verschwinden der Streuobstwiesen hinweisen – den Lieblingsort des bunt gefiederten Jahresvogels. Das Interesse am Obstbau sinke, weil Äpfel und Birnen im Supermarkt günstig zu haben seien. Seit 1950 sind bereits 70 Prozent der deutschen Streuobstflächen verschwunden. Die noch vorhandenen müssten unter Naturschutz gestellt werden, so die Kernaussage der Naturschutzverbände.

Im Aussehen erscheint der Grünspecht insgesamt grün und ist hähergroß. Besonders beim bodennahen Flug ist die gelbgrüne Färbung der hinteren oberen Rückenpartie zu erkennen. Der Grünspecht trägt eine ausgeprägte schwarze Gesichtsmaske. Der Bartstreif ist beim Weibchen schwarz; beim Männchen ist er rot gefärbt mit einer schwarzen Umrandung. Beim männlichen Grünspecht ist der Oberkopf rot gefärbt, die Rücken-Oberpartie ist grau-grün. Der kräftige Schnabel ist grau-schwarz bis schwarz-braun gefärbt und 5 cm lang. Wie bei seinen Verwandten ist der Schnabel mit einer Art Stoßdämpfer versehen, damit der Specht beim Hämmern kein Kopfweh bekommt. Die Jungvögel wirken insgesamt brauner als die Altvögel.

Im Unterschied zu den Buntspechten ist der Grünspecht kein eigentlicher Hackspecht, sondern er sucht seine Nahrung vorwiegend am Boden. Der tagesaktive Specht hält sich überwiegend in offenen Parklandschaften, landwirtschaftlich genutzten Ackerflächen mit Feldgehölzen und in Gärten auf. Ein weiterer Lebensraum für den Grünspecht sind die bereits oben erwähnten, trockenen Streuobstwiesen mit Altbeständen an Obstbäumen. Diese meist trockenen Wiesen, die mehrmals im Jahr gemäht werden, bergen eine Unmenge von Ameisennestern am Boden. Diese Wiesen- und Wegeameisen sind der Hauptgrund seines Aufenthaltes in diesem Biotop. Seine lange Zunge, die an der Spitze ein klebriges Sekret ausscheidet, kann er mehr als 10 cm über die Schnabelspitze vorschnellen lassen, um Ameisen und deren Puppen – seine Hauptnahrung – aus dem Boden zu holen.

Im Winter sucht er Felswände auf, aber auch regelmäßig Dächer, Hauswände oder Leitungsmasten und sucht dort in Spalten nach überwinternden Gliederfüßern, vor allem nach Fliegen, Mücken und Spinnen. Würmer und weitere Wirbellose sind dagegen nur selten Teil der Ernährung. Gelegentlich fressen Grünspechte auch Beeren, etwa Vogelbeeren und die Samenmäntel der Eibe, und anderes Obst wie Kirschen, Äpfel oder Trauben.

Anders als so mancher seiner Vorgänger-Jahresvögel ist der Picus viridis, so seine wissenschaftliche Bezeichnung, nicht vom Aussterben bedroht. Europaweit leben mehrere Hunderttausend Brutpaare seiner Gattung. Dass man ihn dennoch so selten sieht, hat mit seinem scheuen Verhalten zu tun. Als kleine Wiedergutmachung für sein optisches Sehenlassen ist der Grünspecht dafür besonders gut zu hören.

Auf die Frage: Wer hat die dreckigste Lache im heimischen Tierreich? Behaupte ich mal, dass es der Grünspecht ist. Seine Lachsalve ist Grund zur Freude, denn die Vogelart zeigt eine strukturreiche Landschaft an. Ein geschmettertes Klü-klü-klü-klü-klü, bis zu 20-mal kann diese Silbe hintereinander ertönen. Spaziergänger können der Vermutung erliegen, der Spott gelte ihrer Person. Das ist aber nicht der Fall, denn die unmelodiöse Strophe dient vor allem der akustischen Absteckung des Reviers. Derart lachen kann sowohl das Weibchen, wie auch das Männchen. Der Revierherr hat dabei die etwas größere Klappe. Neben dem laut lachenden Balzruf fällt er auch durch den wellenförmigen Flug, bei dem er die Flügel zwischen zwei Schlagphasen ganz an den Körper anlegt, auf.

Der Grünspecht ist ein Stand- und Strichvogel, ist also im Radius von max. 50 km recht standorttreu. Nachdem die selbstgezimmerte Höhle, deren „Bauzeit” zwischen zwei und vier Wochen dauern kann, fertig gestellt ist, werden zwischen Anfang April bis Mitte Mai 5 bis 7 weiße Eier gelegt.

Alte Bäume sind für den Grünspecht lebenswichtig. Nur in ausreichend dicken Bäumen mit weichen Stellen kann er seine Höhlen anlegen, bevorzugt in zwei bis zehn Metern Höhe. Grünspechte beginnen häufig mehrere Höhlen, die in späteren Jahren, wenn der Höhlenanfang etwas angefault ist, fertig gebaut werden. Das Eingangsloch ist meist 6 x 7 Zentimeter groß. Der gemeinsame Höhlenbau ist ein Ritual, das Männchen und Weibchen aneinander bindet. Doch nicht jedes Jahr gönnt sich der Grünspecht eine neue Behausung. Oft bezieht er auch vorhandene Höhlen, wie die Schlafhöhle aus dem vergangenen Winter.

Der Grünspecht führt eine Jahresbrut durch. Nach einer Bebrütung der Eier von 14 bis 15 Tagen verlassen die Jungen, welche während dieser Zeit von beiden Eltern gefüttert werden, nach 23 bis 27 Tagen die Nisthöhle. Nach Verlassen der Höhle werden die Jungen noch ca. 2 ½ Wochen durch die Altvögel gefüttert.

In unseren Kleingärten werden wir den Grünspecht kaum als Brutvogel antreffen, da er hier keine entsprechend starken und morschen Bäume für den Bruthöhlenbau vorfindet. Als Nahrungsgast jedoch kann man ihn schon auf Plattengartenwegen und Wiesenflächen bei der Nahrungssuche beobachten.

Dass verlassene Spechthöhlen viele Nachmieter haben, ist wenig bekannt. Viele Vögel nutzen verlassene Spechthöhlen jedweder Art als ihre eigene Kinderstube. Hohltaube, Raufußkauz, Waldkauz, Meisen, Stare um nur einige zu nennen. Der Kleiber mauert sich das zu große Schlupfloch sogar wieder auf die passende Körpergröße zu. Aber auch kleine Säugetiere, wie Steinmarder, Eichhörnchen, Siebenschläfer und Fledermaus wohnen hier gerne als Nachmieter. Auch Insekten: Wespen, Hummeln, Hornissen nutzen verlassene Spechthöhlen. Deshalb ist es wichtig, dass Bäume mit Spechthöhlen nicht einfach der Kettensäge zum Opfer fallen, sondern solange sie der Verkehrssicherungspflicht gerecht werden, auch erhalten bleiben.

Nicht verschwiegen werden soll, dass der Grünspecht einen Doppelgänger hat – Der Grauspecht. Er unterscheidet sich vom Grünspecht äußerlich recht wenig. Einzig am Kopf kann man die beiden unterscheiden. Der etwas kleinere Grauspecht trägt am grauen Kopf nur einen kleinen Augenstreif und einen schmalen schwarzen Bartstreif. Das Männchen hat eine rote Stirn und einen roten Vorderscheitel. Eindeutig lassen sich die beiden Arten anhand ihrer Stimme auseinanderhalten: Beim Grauspecht ist eine abfallende Rufreihe zu hören, die leicht nachzupfeifen ist, während das laute Lachen des Grünspechts kaum zu imitieren ist.

Klaus Rost

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