Aus der Vogelwelt: Kreuzschnabel

Bild von apkwaker auf Pixabay
Bild von apkwaker auf Pixabay

Bei unseren Naturbeobachtungen sieht man mitunter starengroße Vögel, deren Gefieder rot-orange, orange-grau oder olivgrau oder grau ist, mit „Schnabelmißbildungen“. Wobei es sich bei den Vögeln mit Rotanteil um Männchen handelt und die mit dem fehlenden Rot um Weibchen. Bei den Vögeln mit dem auffallenden Schnabel handelt es sind um einheimische Finkenvögel – Kreuzschnäbel.

Mit ihrem Schnabelbau haben sie sich in ebenso zweckmäßiger, wie eigenartiger Weise an ihren Nahrungserwerb angepasst. Ihre Hauptnahrung besteht aus Koniferensamen, der in geschickter Weise zwischen den Zapfenschuppen hervorgeholt wird.

Die Schnäbel sind vorn stark seitlich zusammengedrückt. Ober- und Unterschnabel sind stark gebogen und kreuzen sich vor der Spitze. Dabei scheint es nach bisherigen Beobachtungen ebenso viele rechts- wie linksschnäbliche Kreuzschnäbel zu geben.

Die Jungen haben zunächst gerade Schnäbel und an Gefangenschaftsbruten hat man festgestellt, dass sich die Jungen einer Brut im Alter von etwa drei Wochen zu Rechts- und Linksschnäblern entwickeln können, d.h., einmal ist der Oberschnabel nach links, ein anderes Mal nach rechts über dem Oberschnabel gekreuzt. Jedoch erst nach 1 bis 2 Wochen nach dem Ausfliegen ist auch der gekreuzte Schnabel im Freiland gut zu erkennen.

In Deutschland sind zwei Arten vertreten: Der vor allem in Fichtenwäldern verbreitete Fichtenkreuzschnabel (Loxia curvirostra), dessen nördliche Populationen gelegentlich invasionsähnliche Wanderungen unternehmen und der sehr viel seltenere, hauptsächlich in Kiefernwäldern Nordeuropas beheimatete Kiefernkreuzschnabel (Loxia pytyop-sittacus), der einen viel kräftigeren Schnabel hat. Der Schnabel ist etwa so hoch wie lang und die Schnabelspitze wirkt stumpf. Sein Schnabel ist auf Kiefernzapfen spezialisiert.

Fichtenkreuzschnäbel haben eine Körperlänge von 15 bis 17 cm. Das Körpergewicht liegt bei 34 bis 38 Gramm, kann aber auch 40 Gramm betragen. Die Flügelspannweite beträgt 27 bis 30 cm.

Der Kiefernkreuzschnabel wird zwischen 16 und 18 cm lang und wiegt ca. 40 Gramm. Seine Flügelspannweite beträgt 33 cm.

Er ist bulliger, hat einen Stiernacken und einen größeren Kopf als der Fichtenkreuzschnabel. Das Gefieder ist mit dem des Fichtenkreuzschnabels identisch.

Die Heimat des Fichtenkreuzschnabels ist Mitteleuropa, Schottland, die Pyrenäen, die Alpen und Skandinavien bis Osteuropa. Er ist meistens ein Standvogel, tritt aber oft in Gebieten auf, wo er sich jahrelang nicht gezeigt hat. Die im Norden lebenden Exemplare fliegen manchmal in großer Zahl nach Südeuropa. Dieses Verhalten hängt eng damit zusammen, ob es in dem betreffenden Jahr in seiner Heimat viel Nadelholzzapfen, besonders Fichten- und Tannenzapfen gegeben hat oder nicht. Aus den Zapfen lösen die Kreuzschnäbel die Samen heraus, die ihre einzige Nahrung bilden und mit denen sie auch ihre Brut füttern. Manchmal fressen sie auch Insekten.

In Deutschland ist der Fichtenkreuzschnabel als Brutvogel im Allgemeinen auf die Nadelwälder der Mittelgebirge und der Alpen beschränkt, brütet aber auch gelegentlich in der Ebene. Während des Fluges hört man häufig seine Lock- und Flugtöne, die metallisch wie „gip, gip, gip“, oder auch wie „glip,glip,glip“ und „schipp, schipp“ klingen.
Interessant ist auch sein Verhalten bei der Nahrungssuche. Die Tiere klettern mitunter kopfüber an den Fichtenzapfen herum, um aus ihnen die Samen herauszufressen. Niemals fressen sie dabei alle Samen, sondern stets nur einige, so dass sie zur Erhaltung dieser Nadelbäume beitragen. An die Samen selbst kommen sie, indem sie mithilfe der gekreuzten Schnabelspitzen die Zapfenschuppen auseinander spreizen und die Samen mit der Zunge herausholen.

Eine andere Eigentümlichkeit der Kreuzschnäbel ist ihre Brutzeit. Die Brutzeit der anderen in unseren Breiten vorkommenden Vogelarten erstreckt sich hauptsächlich auf die Frühjahrsmonate, also auf die Zeit von April bis Juni. Jedenfalls muss die Zeit der Jungenaufzucht mit der Zeit des größtmöglichen Nahrungsangebotes zusammenfallen, damit die Aufzucht des Nachwuchses gesichert ist.

Da bei den Kreuzschnäbeln die Aufzucht in eine Zeit fallen muss, in der es reichlich Nahrung gibt und die Fichten- und Kiefernzapfen zu Ausgang des Winters reifen, so findet man die Gelege meist von Januar bis April, hauptsächlich jedoch im März.

Das Nest des Fichten- wie auch das des Kiefernkreuzschnabels ist ein dicker fester Bau, dessen 3 cm dicke Wände aus Fichtenreisern, Halmen, Flechten, Moos und Rindenstückchen besteht. Innen ist es tiefmuldig und mit Wolle, feinen Hälmchen, Tierhaaren und Federn ausgepolstert. Das Weibchen baut meist auf Nadelbäumen zwischen zwei übereinanderhängenden Zweigen das Nest, so dass man von oben nicht hinein sehen kann und ein gewisser Schutz gegen Schnee und Regen besteht. Das Männchen hilft beim Nestbau nicht mit, es begleitet das Weibchen lediglich.

Es werden 1 bis 2 Jahresbruten durchgeführt. Die Gelegegröße liegt bei 2 bis 4 Eiern, selten bei 5 Eiern. Diese weisen eine grünliche oder bläulichweiße Grundfarbe mit braunen oder purpurfarbenen Flecken auf, die besonders am stumpfen Pol verstärkt sind. Die Brutdauer beträgt 12 bis 13 Tage. Die geschlüpften Nestlinge sind dicht mit grauen Daunen bedeckt. Der Rachen ist leuchtend rot und die Randwülste gelblich gefärbt. Das Männchen füttert in der ersten Lebenswoche der Jungen die ganze Familie, da das Weibchen bei den Jungen bleiben muss, um sie warm zu halten. Nach zwei Wochen verlassen die Jungen das Nest. Nach dem Ausfliegen füttern beide Eltern die Jungen noch ungefähr 8 Tage gemeinsam, bis sie schließlich allein vom Männchen versorgt werden, weil das Weibchen sich um die zweite Brut kümmert. Nach 5 bis 8 Wochen sind die Jungen selbständig. Ab der 8. Woche sind sie auch in der Lage Samen aus den Zapfen zu lösen.

Eine weitere erstaunliche Anpassung ist, dass Kreuzschnäbel u.U. sehr schnell geschlechtsreif sind. So können, in einem guten Zapfenjahr, wie es nur alle 3 bis 4 Jahre vorkommt, die Jungvögel aus frühen Bruten noch in dem gleichen Jahr bereits selbst für Nachwuchs sorgen. Die Art fängt so fehlende Bruten aufgrund mangelndem Nahrungs-angebot auf!

Kreuzschnäbel sind Jahrhunderte immer etwas Besonderes gewesen. Sie wurden deshalb schon von den Altvätern der Ornithologie in Menschenobhut gehalten. Man braucht sich deshalb über die Vielzahl der Namen, welche sie im Volksmund haben, nicht zu wundern; Christvogel, Zigeunervogel, Tannenpapagei, Kriwitz oder auch Krumbschnabel, wie er bei Hans Sachs in seiner Beschreibung der Vögel im Jahre 1531 heißt. Seine Lebenserwartung in der Natur liegt bei 5 bis 8 Jahre, während Käfigvögel 11 Jahre alt werden können.

Der Fichtenkreuzschnabel wurde auf Grund seiner Besonderheit auch von früheren Ornithologen wie Sachs und Gessner als Käfigvogel gehalten. Die Haltung erfolgte in einem engen Vogelbauer. Manchmal durfte er freifliegen. Bis heute wird er als Volierenvogel gehalten. Bei artgerechter Haltung und Ernährung der Kreuzschnäbel lässt die Nachzucht nicht auf sich warten. Alle Arten sind von Natur aus sehr ruhig und zutraulich. Zwischen Vogel und Pfleger baut sich ein Vertrauensverhältnis auf und es dauert nicht lange, so setzen sie sich bei der Fütterung auf die Hand oder Schulter des Pflegers.

Die Haltung von Kreuzschnäbeln sowie aller heimischen Vogelarten in Volieren (Gefangenschaft) ist nur möglich, wenn diese Vögel gemäß der Bundesartenschutzverordnung aus Nachzuchten von Volierenhaltung stammen und mit geschlossenen Ringen versehen sind. Wildfänge sind nach dem § 20d des Bundesnaturschutzgesetzes jedoch illegal.

Klaus Rost

Weitere interessante Beiträge

blank

Aus der Vogelwelt: Das Blässhuhn

Das Blässhuhn, auch Blesshuhn oder Bläßhuhn geschrieben (stammt vom Wort “Blesse”, gehört zur Familie der Rallen. Es hat mit den Hühnern überhaupt nichts gemein, egal welche Schreibweise gewählt wird, sondern…
blank

Aus der Vogelwelt: Der Fasan

Zur Vorstellung des ursprünglich aus Mittelasien stammenden Vogel gehört ein Blick in seine Geschichte. Der Jagdfasan (Phasianus colchicus,)oft auch nur kurz Fasan genannt, wurde schon vor 2000 Jahren eingeführt, und…
blank

Aus der Vogelwelt: Ammern (5) Grau-, Zaunammer

Die Grauammer (Emberitza calandra) ist die größte Ammer Europas. Der ehemals häufige Singvogel wird leider zunehmend von der intensivierten Landwirtschaft bedroht. Wie das Wort Calandra andeutet („Lerche“ auf Griechisch), ähnelt…
blank

Aus der Vogelwelt: Ammern (4) Ortolan, Grauortolan

Der Ortolan (Emberiza hortulana), wird auch als Gartenammer bezeichnet, ist, oder besser war wie wir später erfahren, eine charakteristische Art der offenen Landschaft. Lebensraum sind die reich gegliederten Agrarlandschaften im…