Aus der Vogelwelt: Goldammer

Bild von Kathy Büscher auf Pixabay
Bild von Kathy Büscher auf Pixabay

Dort wo unsere Kleingärten an offene, wechselvolle Landschaften anschließen, an ländliche Wohnlagen und an Feldfluren, kann man auf einen sperlingsgroßen gelben Vogel stoßen – die Goldammer. Eine mit Büschen, Hecken, Gehölzen und Brachflächen durchsetzte Landschaft, mit Bäumen bestandene Landstraßen, Waldränder, leicht „verwilderte” Bauerngärten mit alten Obstbäumen, Unterholz und Brombeerhecken etc. bieten der Goldammer Unterschlupf und Nahrung. Aufmerksam wird man auf die Goldammer auch durch den Gesang, der von Ende Februar bis in den Herbst meist von einer erhöhten Warte aus vorgetragen wird.

Er ist unverwechselbar und klingt etwa wie – „wie wie wie hab ich dich lieeeeb”. In Brehms Tierleben wird der Gesang mit folgenden Worten übersetzt: “S’is, s’is noch vieI zu früh […]”. Die Goldammer ist volkstümlich auch unter dem Namen Hämmerling, Emmerling, Ammeritz, Gelbling, Gilberitz oder Bauernkanari bekannt.

In seinem Prachtkleid fällt das Männchen durch den zitronengelb befiederten Kopf auf. Über die gelbe Brust läuft ein braunrotes Band, die rotbraunen Seiten haben dunkelbraune Streifen. Der Bürzel, die Schwanzwurzelgegend ist braun. Die dunkelbraunen Schwingen und Steuerfedern haben helle Säume. Das Weibchen ist insgesamt schlichter gefärbt. Bei ihm beschränkt sich das Gelb auf einzelne Kopfpartien. Die Jungen sind ähnlich wie das Weibchen gefärbt, aber noch mehr gestreift. Das Gewicht ist bei beiden Geschlechtern etwa gleich und liegt zwischen 26 und 32 Gramm.

In dicht verwachsenem Gebüsch und Gerank oder niedrig in Fichtenhecken, bis ca. 50 cm hoch, oder mitunter auch am Boden in einer kleinen Vertiefung durch überhängende Halme gedeckt, wird das Nest gebaut. Den Hauptanteil beim Nestbau trägt das Weibchen. Das Nest besteht aus trockenen Halmen und feinen Wurzeln und wird innen mit Haaren, besonders Pferdehaare, und feinen Hälmchen ausgelegt. In den Monaten April bis Juli werden zwei Jahresbruten durchgeführt.

Das Gelege besteht aus 3 bis 5 Eiern, die auf cremeweißen Grund mit rötlichen und grauen Flecken und ammerntypischen Haarstricheln gezeichnet sind. Die Eier der Goldammer gehören wohl zu den schönsten unserer heimischen Singvogel. Charakteristisch für die Eier vieler Ammerarten sind die Haarlinien, wie mit einer schwachen Feder gezeichnete Schnörkel und Wurmlinien. Neben der Goldammer brüten in Deutschland noch fünf weitere Ammerarten, wie die Grauammer, die Zaunammer, die Gartenammer, die Rohr- und Zippammer.

Wie bei den meisten Singvögeln werden die Eier in der Regel während der Morgen- oder Vormittags-stunden abgelegt. Die Bebrütung des Geleges beginnt nach der Ablage des letzten Eies. Die Brutzeit beträgt ca. 14 Tage und erfolgt überwiegend vom Weibchen. Die Nestlingszeit ist etwas kürzer. In der Regel verlassen die jungen Ammern noch flugunfähig das Nest. Die Fütterung der Jungen übernehmen beide Elternteile. Durchgeführte Untersuchungen über die Nestlingsnahrung ergaben, dass der tieri-sche Anteil mit 87 % überwiegt und der pflanzliche Anteil 13 % ausmacht. Dabei stehen 29 % Schmetterlinge an der Spitze der tierischen Nahrung, gefolgt von rd. 22 % Käfer. Darunter befanden sich: Blatt-, Rüssel-, Aas-, Lauf-, Schild-, Blatthorn-, Gartenlaub-, Mai-, Stolper-, Dung-, Diebs-, Weich- und Bockkäfer sowie Liebstöckelrüßler. Der Anteil der Zweiflügler betrug ca. 11 %. Darunter Schmuckfliegen, Schnaken, Schnepfen- und Schwebfliegen, Zuckmücken Schmarotzer-, Aas-, Voll-, Blumen-, Stilett-, Waffen- und Fruchtfliegen. Ohrwürmer, Feld- und Laubheuschrecken sowie Spinnen ergänzen den tierischen Anteil. Das Nahrungsspektrum für die Jungvögel ist also sehr umfangreich. Erwachsene Goldammern fressen größtenteils Samen.

Wie bereits eingangs erwähnt, ist die Goldammer ein Charaktervogel strukturreicher Feldflur. Dabei genügt häufig schon ein einzelnes großes Gebüsch, eine lückige Hecke oder eine Baumgruppe, damit sie in der Agrarlandschaft siedeln kann. Dennoch geht die Brutpopulation seit vielen Jahren immer weiter zurück. In den Niederlanden, in England und auch in Deutschland hat sich die Art aus vielen Gebieten schon vollständig zurückgezogen. Ursache hierfür ist die zunehmende Industrialisierung der Landwirtschaft. Viele Felder sind riesengroß und monoton, es fehlt an Deckung und Nahrung. Was dennoch aufwächst wird mit Gift bekämpft. Dazu kommt, dass der Goldammer im Winter die früher typischen Stoppelbrachen fehlen: eine Folge der Umstellung von Sommer- auf Wintergetreide.

Für den wirksamen Schutz der Goldammer, wie auch für eine Vielzahl anderer Feldvögel, sind in den letzten Jahren gute Ideen der landwirtschaftlichen Praxis entwickelt worden. So kann den Vögeln durch breitere Randstreifen an Wirtschaftsflächen, späte Mahd dieser Randstreifen oder den Verzicht der Feldbestellung auf den Wendestellen der Traktoren effektiv geholfen werden. Die Goldammer ist eine anpassungsfähige Art, deren Population schleichend kleiner wird, der aber mit einfachen Mitteln geholfen werden könnte. Dafür ist es noch lange nicht zu spät. Hoffen wir, dass sich die Landwirte ihrer Verantwortung für die Vögel ihrer Produktionsflächen bewusst sind bzw. werden.

Die Goldammer ist ein vergleichsweise seltener Gast an den Futterstellen in unseren Gärten. Und wenn, dann sammelt sie dort die Nahrung ausschließlich vom Boden. Als Futter eignen sich Haferflocken. Nun beginnt die Zeit, da unsere gefiederten Freunde auf unsere Hilfe angewiesen sind. Soweit es noch nicht geschehen ist, wird jetzt angefüttert, damit sich die Vögel an die Futterstelle gewöhnen können. Solange jedoch die natürlichen Nahrungsquellen noch offen sind, geben wir immer nur mäßige Futtergaben in das Futterhaus hinein. Das Futter darf nicht feucht werden oder durch den Wind hinaus geblasen werden, deshalb ist eine gute Überdachung wichtig.

In und um die Futterstelle ist auf Sauberkeit zu achten, damit Krankheitserreger keine Chance haben, denn besonders durch den Vogelkot werden diese Erreger übertragen. Auch sollte man den unterschiedlichen Futterbedürfnissen der einzelnen Arten Rechnung tragen. An den Futterstellen finden sich Körner- und Weichfresser ein. Deshalb sollte man Futter für beide Gruppen anbieten. Im Fachhandel sind eine große Auswahl geeigneter Futtermischungen, Talgringe und Meisenknödel erhältlich.

Wenn Sie die genannten Voraussetzungen geschaffen haben, dann steht der Beobachtung unserer Futtergäste aus nächster Nähe nichts mehr im Wege.

Klaus Rost

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