Aus der Vogelwelt: Fichtenkreuzschnabel

Die im Winter bei uns vorkommenden bzw. verbleibenden Vögel brauchen jetzt unsere Hilfe in Form der Winterfütterung. Aber nicht alle Vögel, insbesondere die Wasservögel auf den unsere Stadt und das Umland umgebenden Seen können auf die Zusatznahrung problemlos verzichten. Als unerwünschter Nebeneffekt werden durch diese Fütterung weitere Wasservögel angelockt, die mit ihren Exkrementen das Wasser verunreinigen. Darüber hinaus werden die Wasservögel vom Weiterziehen abgehalten, was gleichzeitig einen Eingriff in das ökologische Gleichgewicht darstellt.

Die Stadtverwaltung Leipzig hat aus diesem Grund ein Fütterungsverbot für die wild lebenden Wasservögel für die Leipziger Standgewässer verhängt. Ertappte Fütterer können mit einem Bußgeld mit bis zu 150 € bestraft werden. In unseren Gärten hingegen ist das Füttern der Vögel ausdrücklich erwünscht. Beim Anlegen einer Futterstelle muss jedoch unbedingt beachtet werden, dass das Futter vor Schnee und Regenwasser geschützt ist. Die unmittelbare Umgebung des Fütterungsplatzes soll gut einsehbar sein, damit sich Katzen nicht unbemerkt anschleichen können. Futterhäuser müssen für Katzen schwer erreichbar angebracht werden oder mit einem Abwehrgürtel aus mit Dornen oder Stacheln bewehrten Zweigen oder Draht versehen werden. In der Nähe sollten ein Baum oder Sträucher wachsen, damit die Vögel bei Gefahr dort Zuflucht finden können.

Sehr gut sind Futterautomaten, in welche Vögel nur mit dem Schnabel hineinlangen können. Das verhindert Verschmutzungen des Futters mit Kot. Futterhäuser sind regelmäßig, am besten täglich, zu reinigen (ausfegen), denn verdorbenes oder mit Kot verschmutztes Futter kann zur Verbreitung von Krankheitserregern beitragen. Das angebotene Futter soll den unterschiedlichen Nahrungsbedürfnissen der verschiedenen Vogelarten entsprechen. Ein selbst hergestelltes Körnerfressergemisch besteht aus 8 Teilen Sonnenblumenkernen, 3 Teilen Hanf und 1 Teil Sämereien wie Hirse, Lein, Salat, Sommerrüben, Melde, Löwenzahn, Knöterich, Gras, Getreide, Erlen, Ahorn, Buche und Kürbis-, Melonen-, Apfel-, Birnen-Kernen sowie getrockneten Beeren. Ein gutes Waldvogelfuttergemisch, das im Handel erhältlich ist, reicht in der Regel völlig aus.

Fettfutter für Körnerfresser sollte aus 1 Teil Rinder- oder Hammeltalg und 2 Teilen dieser Körnermischung zusammengesetzt sein. Zu den Körnerfressern gehören: Buch-, Berg- und Grünfink, Erlen- und Birkenzeisig, Stieglitz, Bluthänfling, Gimpel, Kernbeißer, Fichtenkreuzschnabel, Goldammer, Haus- und Feldsperling. 

Für die zu den Weichfressern zählenden Vogelarten gehören: Amsel, Sing-, Wacholderdrossel, Rotkehlchen, Schwanzmeise, Garten-, Waldbaumläufer, Zaunkönig, Heckenbraunelle, Wintergoldhähnchen, Seidenschwanz und Haubenlerche. Zu ihrer Fütterung eignen sich Früchte, Beeren und Samen von Holunder, Eberesche, Liguster, Mehlbeere, Schneeball, Efeu, Pfaffenhütchen, Weißdorn und Wildrose; Rosinen, Haferflocken, zerquetschte Hanf-, Weizen- und Sonnenblumenkörner; ungesalzener, gekochter Reis, Äpfel und Birnen.

Als Fettfutter für die Weichfresser kann ein 1:1-Gemisch aus Rindertalg und Weizenkleie verwendet werden. Im Handel erhältliche Weichfressermischungen können ohne Bedenken verwendet werden. Insektenfresser wie z. B. die Meisen müssten im Winter eigentlich große Probleme bei der Nahrungssuche haben. Doch dank ihres kurzen, spitzen Schnabels können Meisen auch Samen und Körnerkost knacken – sie ändern ganz einfach ihren Speiseplan. Sie werden als Gemischtköstlern bezeichnet. Zu ihnen gehören die verschiedenen Meisenarten wie Kohlmeise, Blaumeise-, Sumpfmeise, Weiden-, Tannen- und Haubenmeise sowie der Kleiber und die Spechte Bunt-, Mittel- und Grauspecht.

Ob Vögel im Winter zuhause bleiben oder nicht, hängt allein davon ab, ob es für sie genug zu fressen gibt. Deshalb brütet der Fichtenkreuzschnabel sogar im Winter als einziger heimischer Singvogel. Denn für ihn gibt es gerade dann oft besonders viel Nahrung aus Fichtenzapfen. Um die kalte Jahreszeit zu überstehen, hilft ganz einfach: sich ordentlich aufplustern! Dadurch vergrößert sich zwischen den Vogelfedern die Luftschicht. Die wird vom Körper erwärmt und funktioniert wie eine ganz natürliche Daunenjacke. Und noch etwas wissen Vögel schon lange: Energie sparen ist angesagt! Denn bei fallenden Temperaturen steigt ihr Energiebedarf. Und der ist zu einer Zeit, in der es Futter nicht im Überfluss gibt, schwerer zu decken. Deshalb heißt es für sie: möglichst wenig bewegen.

Vom 6. bis 9. Januar 2012 sollten die Interessenten eine Stunde lang Vögel an der Futterstelle, im Garten oder auf dem Balkon beobachten, zählen und anschließend die Beobachtungen postalisch, per Telefon oder online beim NABU Sachsen, Löbauer Straße 68, 04347 Leipzig, Tel. 0341-2333130 melden.

Die Naturschützer erwarten aus den Beobachtungen neue Erkenntnisse z.B. darüber, welche Auswirkungen der Klimawandel schon heute auf die Vogelwelt hat. In Bayern konnte der Landesbund für Vogelschutz e.V. in den letzten Jahren feststellen, dass bei dieser Aktion immer mehr Zugvögel gemeldet wurden, die sich durch die milden Winter der vergangenen Jahre den Zug in den Süden sparen.

Ich wünsche Ihnen interessante Beobachtungen

Klaus Rost 

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