Aus der Vogelwelt: Feldsperling

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Der Mai ist der Monat, in dem die „Stunde der Gartenvögel“ stattfindet. Vom 11. bis 13. Mai 2012 halten bundesweit wieder viele Vogelfreunde eine Stunde lang Ausschau nach Vögeln, die sie im eigenen Garten oder vom Balkon aus entdecken können. Die „Stunde der Gartenvögel“ wurde 2005 bundesweit ins Leben gerufen. Beide Naturschutzverbände; Naturschutzbund (NABU) und der bayrische Landesbund für Vogelschutz (LBV); griffen damit eine Idee aus England auf, wo Vogelfreunde schon seit 1979 einen „Big Garden Birdwatch“ veranstalten. Je häufiger zur Zählung aufgerufen wird, umso besser lässt sich feststellen, wo es Veränderungen gibt. Unser Wissen über Bestandsveränderungen ist gerade bei den häufigen Arten noch viel zu gering.

Auch sie, liebe Gartenfreunde, können diese Aktion unterstützen, indem sie sich an diesen Tagen eine Stunde von ihrer Gartenarbeit befreien und statt mit dem Spaten sich mit Stift und Zettel bewaffnen. Während dieses Zeitraumes notieren sie jeden Vogel, der sich in der Sichtweite ihrer Parzelle aufhält. Vorgedruckte Zähllisten können sie über den NABU Landesverband Sachsen e.V., Löbauer Straße 68, 04347 Leipzig, Tel.: 0341/2333130 beziehen oder aus dem Internet unter: www.Nabu-Sachsen.de herunterladen.

Entsprechend der territorialen Lage des Gartenvereins kann das Beobachtungsergebnis sehr artenreich sein. Die bisher vorliegenden Zählergebnisse der jährlichen Erfassungen anlässlich der „Stunde der Gartenvögel“ zeigt jeweils den Haussperling oder Spatz, wie er vielerorts genannt wird, auf dem ersten Platz. Da der Haussperling ein Jahresvogel ist, also das gesamte Jahr über in seiner Brutheimat verweilt, ist es nicht verwunderlich, dass auch anlässlich der „Stunde der Wintervögel“ der Haussperling in den erfassten Jahren zwischen dem ersten und zweiten Platz pendelt.

Es gibt aber noch eine andere Sperlingsart die in unseren Breiten vorkommt. Er fehlt bzw. kommt nicht so häufig im Innenbereich von Dörfern und Städten als Brutvogel vor, wie der Haussperling. Er brütet in Gehölzen, Obstgärten, Alleen und Gärten in der Nähe von landwirtschaftlichen Nutzflächen oder Siedlungen. Es handelt sich um den Feldsperling. Bei der Zählung anlässlich der „Stunde der Gartenvögel“ belegte er im vergangenen Jahr bundes- wie auch sachsenweit jeweils den 15. Platz.

Der Feldsperling ist etwas sauberer gezeichnet als der Haussperling und insgesamt etwas kleiner und schlanker als dieser. Der Oberkopf und der Nacken sind braun, die Kehle trägt einen kleinen schwarzen Kehlfleck. Die Wangen sind weiß mit einem schwarzen Fleck in der Ohrengegend. Das helle Halsband ist im Nacken fast geschlossen. Die Körperoberseite ist bräunlich mit dunkleren Längsstreifen, die besonders am Rücken und an den Schultern auffallen. Der Bürzel ist gelbbräunlich, der Bauch und die Brust sind braungrau. Die Flügel tragen zwei weiße Binden. Männchen und Weibchen sind gleich gefärbt.

Der Neststand befindet sich überwiegend in Baumhöhlen, Nistkästen, Mauern und Felsenlöchern, unter Dächern von Bauten. Aber auch Mehlschwalbennester werden von ihm genutzt, sowie im Unterbau von Horsten großer Greifvögel, Störche und von Reihern baut er sein Nest. Es besteht eine lebenslange Nistplatztreue. Die Nesthöhlen werden schon im Herbst besetzt und dienen im Winter als Schlafplätze. Er führt eine Saisonehe, aber es wurden auch schon Dauerehen von vierjähriger Dauer nachgewiesen.

Das Nest ist ein Kugelbau oder ein unordentlicher Napf, der aus Halmen, Stängeln, Wurzeln und Blättern errichtet wird. Die Nistmulde wird mit Federn und Haaren ausgekleidet. Am Bau des Nestes sind beide Elternvögel gleichermaßen beteiligt. Das Nest wird in der Regel innerhalb von fünf Tagen errichtet. Zählungen haben ergeben, dass die Partnervögel dabei alle zwei bis sechs Minuten den Niststandort mit Baumaterial anfliegen.

Die Brutzeit beginnt ab Mitte April bis Anfang Mai. Feldsperlinge ziehen gewöhnlich zwei oder drei Jahresbruten groß. Das Gelege der Feldsperlinge besteht aus vier bis sechs Eiern. Die Eier sind spindelförmig mit einer glatten Schale, die schwach glänzt. Die Eier sind kleiner als beim Haussperling und weniger variabel als bei dieser Art gefärbt. Auf weißem oder blassgrauem Grund weisen sie dunkelbraune, gelegentlich auch violette oder gräuliche Punkte und kleine Kleckse auf. Die Fleckung ist gelegentlich so dicht, dass die Grundfarbe der Schale nicht mehr auszumachen ist. Der stumpfe Pol des Eis ist dabei gewöhnlich am dunkelsten gezeichnet. Das zuletzt gelegte Ei eines Geleges ist daran erkennbar, dass es meist eine hellere Färbung aufweist.

Beide Elternvögel brüten, allerdings ist der Anteil des Weibchens am Brutgeschäft höher. Die Brut wird gewöhnlich nach der Ablage des letzten Eies aufgenommen. Die Brutdauer beträgt zwischen 11 und 14 Tage. Die Nestlinge werden von beiden Elternvögeln versorgt. Das Weibchen hudert die Jungen während der ersten acht Lebenstage, d.h. schützt die Nestlinge vor Witterungseinflüssen.

Ab dem 10. Lebenstag kommen die Jungen zum Nesteingang, um Futter entgegenzunehmen. Während der ersten vier bis fünf Tage werden sie von den Elternvögeln ausschließlich mit Insekten (Blattläuse) gefüttert. Später dann größere Insekten, wie Raupen, Heuschrecken, Käfer usw., danach erhalten sie auch zunehmend pflanzliche Nahrung. Mit einem Lebensalter von 15 bis 20 Tagen sind die Jungvögel flügge. Überlappen sich die Bruten, versorgt das Männchen die Erstbrut, während das Weibchen auf dem zweiten Gelege sitzt und brütet. Feldsperlinge brüten das erste Mal, wenn sie ein Alter von einem Jahr erreicht haben.

Seine Nahrung besteht aus Sämereien von Gras, Kräutern und Getreide. Vor der Brutzeit auch Insekten. Sie fressen außerdem gelegentlich auch Knospen und Beeren und suchen im menschlichen Abfall nach Nahrung.

Der Feldsperling galt lange Zeit als Schädling und wurde in früherer Zeit häufig das Opfer von Bekämpfungsaktionen, die meist darin bestanden, dass man die Nester mit der Brut vernichtete. Zusammen mit seinem Vetter, dem Haussperling, fiel er nämlich oft in Schwärmen über Getreidefelder her. Doch die Zeiten großer Schwärme gehören wohl eher der Vergangenheit an.

Wie konnte es dazu kommen, dass diese Allerweltsart im Bestand derart zurückgegangen ist? Das hat in erster Linie mit der nahezu vollständig andersartigen Form der Landwirtschaft, wie sie heute im Vergleich zu früheren Zeiten betrieben wird, zu tun. Denn die reichhaltig strukturierte Landschaft, bestehend aus Getreideäckern, Wiesen, Weiden, Hecken, Feldgehölzen und Streuobstflächen ist vielerorts großflächigen Monokulturen zum Opfer gefallen. Darunter litt sowohl das Nahrungs- als auch das Brutplatzangebot für den Feldsperling.

Zur Unterstützung der Ansiedlung des Feldsperlings dient das Aufhängen von Nistkästen mit einem Fluglochdurchmesser von 32 bis 34 mm, die auch von anderen höhlenbrütenden Vogelarten angenommen werden.

Klaus Rost

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