Aus der Vogelwelt: Eisvogel

Bild von David Mark auf Pixabay

Die Wenigsten unter uns haben ihn schon einmal gesehen. Aber seinem Namen nach ist er den Meisten bekannt. Hat er doch in letzter Zeit des Öfteren für Schlagzeilen in den Medien gesorgt und sogar eine „Allgemeinverfügung” wurde für ihn in der Stadt und dem Landkreis Leipzig erlassen. Die Rede ist vom Eisvogel.

Der Eisvogel ist die einzige in Mitteleuropa vorkommende Art aus der Familie der Eisvögel. Er besiedelt u. a. weite Teile und lebt an mäßig schnell fließenden oder stehenden, klaren Gewässern mit Kleinfischbestand und Sitzwarten. Seine Nahrung setzt sich aus Fischen, Wasserinsekten, Kleinkrebsen und Kaulquappen zusammen.

Und so ein Gebiet hat der Eisvogel ausgerechnet am Floßgraben, im südlichen Auenwald, welcher die Pleiße mit dem Cospudener See verbindet, als Brutrevier auserwählt. Ausgerechnet in einem Gebiet, welches im Zuge der wassertouristischen Aufwertung Leipzigs an Bedeutung gewinnen sollte. Wir wollen hier nicht in die Diskussion über die Nutzung des Floßgrabens als Wassersportgebiet einsteigen, darüber haben die Wassersportler und Naturschützer in der Vergangenheit sich teils heftig in die Haare gekriegt, sondern uns über den Vogel selbst, um den es geht, zu informieren.

Was macht den Eisvogel so interessant? Der Eisvogel gehört sicher zu den auffälligsten unserer Vögel. Sein bunt schillerndes Gefieder – in blauer, grüner, türkiser, roter oder goldener Farbe – und der lange, spitze Schnabel machen ihn unverwechselbar. Die Farbe kommt aber nicht durch Farbpigmente in den Federn zustande, sondern wird durch die Lichtbrechung hervorgerufen! Daher verändert sich die Farbe des Gefieders, je nachdem in welchem Winkel die Sonnenstrahlen ihn treffen. Wegen dieses Farbspiels wird er auch als fliegender Diamant bezeichnet. Obwohl er so markant ist, braucht es doppeltes Glück, um ihn zu beobachten: Zum einen ist der Eisvogel ein scheues Tier und ein sehr schneller Flieger, zum anderen wird er immer seltener. Leipziger Ornithologen gehen von einem Brutbestand von 3 bis 7 Paaren, in guten Jahren auch 10 Paaren im Gebiet des Auwaldes aus.

Eisvögel achten auf ihr Äußeres – kein Wunder bei diesen prächtigen Federn. Sie nehmen gern ein ausführliches Bad und putzen ihr Gefieder während sie sich von der Sonne trocknen lassen. Auch der Schnabel wird intensiv gepflegt. Sie wetzen ihn an Ästen, erst die eine Seite, dann die andere – so lange bis sie zufrieden mit dem Ergebnis sind. Eisvogelweibchen und Eisvogelmännchen unterscheiden sich kaum. Das Weibchen hat einen roten Unterschnabel und ist etwas größer als das Männchen. Das Männchen hat einen schwarzen Schnabel. Wenn man sie in der freien Natur beobachtet, kann man die Unterschiede kaum erkennen.

Eisvögel sitzen die meiste Zeit bequem auf Ästen oder Stängeln, weshalb sie keine langen Beine brauchen. Dafür sind ihre Füße umso kräftiger, denn sie müssen sich gut festhalten können. Von diesen Sitzwarten, die über die Wasserfläche ragen, geht er auch auf Nahrungsfang. Gerät ein Fisch in Sichtweite, schießt der Eisvogel wie ein Pfeil ins Wasser, schnappt sich den Fisch und kehrt mit ihm auf seinen Ast zurück. Dort schlägt er ihn gegen den Ast, um ihn zu töten und verputzt ihn, indem er sich den Fisch in den Schnabel schiebt und mit dem Kopf zuerst hinunter schluckt. Befindet sich ein Fisch mit dem Kopf voraus im Schnabel, kann man davon ausgehen, dass es Nahrung für die Jungvögel ist. Bei der Nahrungsübergabe an den Jungvogel hat dieser wiederum mit dem Kopf zuerst den Fisch im Schnabel und so stören die Fischschuppen nicht beim Schlucken.

Neben Fisch stehen auch Schnecken und Frösche auf dem Speiseplan. Je nachdem, ob er sein Revier im Wald oder in Graslandschaften hat, ernährt er sich anders. So kommen auch mal Insekten, Spinnen, Reptilien und kleine Säugetiere auf den Tisch. Der Kleinfisch-Anteil liegt bei etwa 95 %. Die restlichen 5 % setzen sich aus Kaulquappen, kleinen Fröschen und Krebsen sowie Wasserinsekten zusammen.

Auch wenn vielerorts die Gewässer sauberer geworden sind, fehlen sandig-lehmige Steil-wände an den Ufern, in die er seine bis zu 1 m tiefe Brutröhre, an deren Ende sich ein backofenförmiger Brutraum befindet, gräbt. Der Durchmesser der Röhre beträgt 5 bis 6 cm. Ohne das Eintragen von Nistmaterial werden 6 bis 7 kurzovalen porzellan-weißglänzende Eier abgelegt. Lediglich Fischschuppen und –gräten dienen als Unterlage. Die Brutdauer beträgt durchschnittlich 21 Tage und es brüten beide Elternteile. Die Nestlingsdauer (Nesthocker) beträgt normalerweise 25 Tage. Während dieser Zeit werden die Jungen von beiden Elternteilen gefüttert. Nach dem Verlassen der Brutröhre werden die Jungen nur noch ein paar Tage zugefüttert, bevor sie sich dann ein eigenes Revier suchen müssen.

Interessant ist die Fütterung der Nestjungen. Im Halbdunkel der Höhle können die Altvögel nicht erkennen welcher Junge bereits Futter erhalten hat. Das bereits gefütterte Junge rückt nach hinten und lässt ein anderes an seine Stelle. So rücken die Vögel bei jedem Anflug der Eltern karussellartig weiter und werden alle gesättigt. Nach 23 bis 27 Tagen fliegen die matt gefärbten kleinen Eisvögel aus und werden noch einige Tage von den Altvögeln versorgt.

Eisvögel können einen einmal gefundenen günstigen Brutplatz durch mehrere, rasch aufeinander folgende Bruten optimal ausnützen. Dabei kann man mitunter feststellen, dass das Weibchen bereits auf einem 2. (oder gar 3.) Gelege brütet, das Männchen aber noch mit der Fütterung der Jungen der jeweils vorhergehenden Brut beschäftigt ist. Man spricht dann von Schachtelbruten.

Seinen Kontaktruf, ein hohes, durchdringendes „tjiih”, lässt der Eisvogel während seines rasanten Flugs erschallen oder während er auf Beute lauert. Meist verrät uns erst der Ruf seine Anwesenheit, denn trotz seines bunten Gefieders ist der Eisvogel über dem Wasser oder im Uferbewuchs bestens getarnt.

Eisvögel leiden unter einer hohen Sterblichkeit, die sie durch eine hohe Vermehrungsrate mittels dieser so genannten Schachtelbrut ausgleichen. Nahezu 70 % der Altvögel sterben pro Jahr, 80 % der Jungvögel zwischen dem Ausflug und der folgenden Brutsaison sowie etwa 95 % bei anhaltender Vereisung der Gewässer. Natürliche Feinde sind Sperber, Rabenvögel, Ratten, Wiesel, Katzen und Füchse. In extremen Wintern, wenn alle Wasserflächen längere Zeit zugefroren sind, besteht die Gefahr, dass die Eisvögel verhungern. Bis sich die Populationen wieder einigermaßen erholt haben, vergehen mehrere Jahre.

Der Eisvogel eignet sich hervorragend als Indikator für gesunde Gewässer! In stark industrialisierten, dicht bevölkerten Regionen ist er mittlerweile eine ausgesprochene Seltenheit. Der Eisvogel ist gemäß § 10 Abs. 2 Nr. 5 und Nr. 11 BNatSchG eine in Deutschland streng geschützte Art!

Ein Eisvogel kann bis zu 10 Jahre alt werden. Die erfolgreichen Eisvogelbruten im Floßgraben 2013 und im Mai/Juni 2014 waren von besonderer Bedeutung, da seit den beiden vorangegangenen Jahren erstmals wieder erfolgreiche Bruten nachgewiesen werden konnten. Eine Störung stellt nicht nur das Befahren des Wasserlaufes selbst dar, sondern durch die Boote werden vom Flussgrund Sedimente aufgewirbelt, die zur Trübung des Wassers führen, was es letztlich dem Eisvogel erschwert, seine Nahrung in der trüben „Brühe” zu erkennen. Nahrungsmangel kann ein Grund sein, dass der Eisvogel dieses Gebiet künftig meidet und ggf. auch verlassen muss. Man kann nur hoffen, dass uns, bei allen Streitigkeiten, der Eisvogel auch künftig als Brutvogel im Leipziger Auenwald erhalten bleibt.

Klaus Rost

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