Aus der Vogelwelt: Dohle

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Ein Vogel, den wir selten in unseren Gärten beobachten können, es sei denn in der Nähe unseres Vereins befinden sich hohe Gebäude mit Nischen und Höhlen. Im Winter machen größere schwarze Vogelschwärme auf sich aufmerksam. Es sind die aus Osteuropa stammenden Saatkrähen. In Schwärmen befinden sich meist auch kleinere etwa taubengroße Vögel, die nicht ganz schwarz, sondern schwarzgrau gefärbt sind. Bei genauerem Hinsehen fällt der schiefergraue Nacken auf. Auffallend ist auch das Auge mit der weißen Iris. Es sind Dohlen. Auf Grund dessen, dass durch die Sanierung von Gebäuden immer mehr Brutmöglichkeiten verloren gehen und dadurch ihr Bestand gefährdet ist, wurde die Dohle zum Vogel des Jahres 2012 gekürt. Foto – Peter Schädlich: Dohle Im Flug erinnern sie an Tauben mit fast gleich schnellen Flügelschlägen wie diese. Dohlen sind ausgezeichnete Flugkünstler, die sich in große Höhen empor schrauben können. Dabei wechseln kurze Flügelschläge mit Gleitphasen ab. Wenn sie gemeinsam mit Saatkrähen ziehen, fallen sie durch die im Vergleich zu diesen schnelleren Flügelschläge und die geringere Größe sofort auf. Die Fluggeschwindigkeit beträgt auf dem Zug 60 km/h. Dabei ist die Dohle ca. 20 km/h schneller als die Nebel- und Saatkrähe. Auch durch ihre typischen „Kjack”-Rufe kann man sie leicht aus großen Saatkrähenschwärmen heraushören. Sie kommen in ganz Deutschland vor. In Burgruinen, größeren Parkanlagen, in Alleen, in verlassenen Steinbrüchen oder auf steilen Felsen, auf Kirch- oder Wassertürmen in Städten. Manchmal beziehen die Vögel auch verlassene Schwarzspecht-Höhlen in alten Bäumen. Die meisten Dohlen aber leben heute in Städten und Dörfern. 

Die Dohle ist ein geselliger Vogel und lebt in Kolonien. Die einzelnen Paare bauen im April oder Mai in Höhlungen und Nischen ihre Nester aus Zweigen, die sie von Bäumen abbrechen. Die Nestmulde wird mit Strohhalmen, Haaren und Federn ausgepolstert. Das Weibchen legt gewöhnlich 5 bis 6 Eier, die beide Altvögel abwechselnd in 17 bis 19 Tagen erbrüten, wobei das Männchen immer nur kurze Zeit auf den Eiern verbringt. Die Farbe der Eier ist hell blaugrün, mit graubraunen und verwaschenen graublauen Flecken, die am stumpfen Pol gehäuft auftreten.

Die Eltern füttern ihre Jungen mit Insekten, Käfern, Würmern Weichtieren, aber auch mit Fröschen und anderen kleinen Wirbeltieren. Sie bringen das Futter für die Jungen fast immer im Kehlsack und stopfen es ihnen in den Rachen. Wenn die kleinen Dohlen ungefähr 28 Tage alt sind, verlassen sie zum ersten Mal ihr Nest um die Umwelt zu erkunden. Voll flugfähig sind sie allerdings erst mit 35 Tagen.

Die Altvögel ernähren sich auch von Getreidekörnern und suchen oft Obstbäume und Gartenbeete auf. Abfälle aus menschlichen Haushalten wie Käse, Brot, Teigwaren u. a. werden nicht nur im Winterhalbjahr gern angenommen, sondern auch an die Nestlinge verfüttert. Es soll aber nicht verschwiegen werden, dass auch von den Dohlen manches Singvogelnest geplündert wird, aber doch nicht mit solcher Regelmäßigkeit wie von den Elstern.

Bei den Dohlen hält die Liebe im Allgemeinen ein ganzes Leben lang. Partner, die sich einmal gefunden haben, bleiben zusammen und pflegen ihre Beziehung. Sie halten sich dicht beieinander auf, kraulen sich gegenseitig am Kopf, erkämpfen sich gemeinsam eine Bruthöhle und streiten mit anderen Paaren und ziehen jedes Jahr von Neuem miteinander Junge auf. Auch nach vielen Jahren gehen die Partner noch gleich zärtlich miteinander um. Schon am Ende des ersten Lebensjahres wählen Dohlen ihre Partner, obwohl sie erst ein Jahr später überhaupt Junge bekommen können. Ein ganzes Jahr lang sind Dohlenweibchen und Dohlenmännchen also verlobt.

Der größte Teil unserer einheimischen Dohlen sind Standvögel, die in normalen Wintern im Brutgebiet verbleiben oder zumindest nicht weit fliegen. So treffen sie fast regelmäßig schon im Februar an ihren Brutplätzen ein – im Gegensatz zu osteuropäischen Brutvögeln. Diese legen weite Wege zurück und befinden sich zuweilen noch im April auf dem Heimzug.

Mit der Wahl zum „Vogel des Jahres” soll auf die zunehmende Beschneidung der Lebensräume der Singvögel aufmerksam gemacht werden. Trotz ihrer Anpassungsfähigkeit finden sie immer weniger Nistmöglichkeiten. In mehreren Bundesländern stehen Dohlen demnach bereits auf der Roten Liste der gefährdeten Arten oder auf der Vorwarnliste.

In Deutschland gibt es Schätzungen zufolge nur noch rund 100.000 Brutpaare. Größere Dichten erreicht die Art nur noch regional, etwa am Niederrhein. Zum Rückgang der Dohlen, deren lateinischer Name Coloeus monedula lautet, tragen laut NABU auch viele Gebäudesanierungen bei, die zwar wichtigen Energiesparzielen dienten, aber den Dohlen Brutplätze in Nischen, Mauerlöchern und Dachstühlen versperrten. Wegen ihrer Vorliebe für Kirchtürme wurden die Dohle früher auch “des Pastors schwarze Taube” genannt, doch die Türme vieler Kirchen wurden nach Angaben der Umweltschützer inzwischen zur Taubenabwehr vergittert.

Zudem verschwinden zunehmend Nahrungsgrundlagen der Dohlen. Für die Landwirtschaft waren die schwarz gefiederten Vögel mit den silberblauen Augen, die Käfer, Heuschrecken, Würmer und Schnecken fressen, einst nützliche Helfer bei der biologischen Schädlingsbekämpfung. Doch mit der Versiegelung von immer mehr Grünflächen, dem großflächigen Anbau von Energiepflanzen wie Mais und Raps und dem flächendeckenden Pestizideinsatz fänden die Vögel immer schwerer Futter, erklärte der NABU.

Dohlen können in Einzelfällen etwa 20 Jahre alt werden, wie Ringfunde belegen: Eine in Dänemark beringte Dohle wurde 19 Jahre und elf Monate alt, eine Dohle aus Schweden mindestens 19 Jahre und acht Monate.

Klaus Rost

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