Aus der Vogelwelt: Ammern (6) Schnee-, Fichten-, Kappen- und Türkenammer

Wenn es stürmt und schneit, erscheinen besonders an der Küste Trupps von Singvögeln, die hier im Sommer niemals zu beobachten sind. Es handelt sich um arktische Winter-gäste, die das Wattenmeer zur Überwinterung nutzen. Als nördlichster Brutvogel der Welt kommt die Schneeammer (Plectrophenax nivalis) hervorragend mit winterlichem Wetter zurecht. Kein anderer Landvogel brütet so weit nördlich wie die Schneeammer. In vielen arktischen Gebieten sind Schneeammern die häufigsten Vögel. In Europa ist sie Brutvogel in Spitzbergen, Schottland, Jan Mayen, Bäreninseln und in den Gebirgen Nor-wegens.

Im Oktober verlassen sie ihre hocharktischen Brutgebiete und verteilen sich auf die Win-terquartiere. Hierbei sind sie sehr flexibel und können den einen Winter in Nordamerika, den nächsten vielleicht in Nordfriesland oder Frankreich zubringen. Im März geht es dann wieder heimwärts gen Norden. Wird in manchen Frühjahren in bis zu tausendköp-figen unruhigen Schwärmen auf den Feldern Südfinnlands um den Monatswechsel März-April herum beobachtet.

Erkennungsmerkmale für die Schneeammer sind in allen Kleidern die großen weißen Flecken an der Flügelbasis und die weiße Bauchseite. Der Rücken des Männchens im Sommerkleid, die Flügelspitzen und die mittleren Schwanzfedern sind schwarz, ansons-ten jedoch ist das Kleid reinweiß. Auf dem Kopf des Weibchens ist Grau, auf dem Rücken Braun und der Flügelfleck ist kleiner. Der Vorderhals der Schneeammer und der Kopf sind im Winterkleid rostbraun gefärbt. Sie zählt mit einer Länge 17–19 cm und mit einem Ge-wicht von 29–40 g zu den größeren kräftigeren Ammern.

In der Brutzeit besiedelt sie karge Landschaften und bewohnt selbst die Lava- und Stein-wüsten in Island sowie die vom Gletschereis umschlossenen, weitgehend vegetationslo-sen Gipfel Spitzbergens, Islands und Grönlands.

In den arktischen Brutgebieten ist eine enge Nachbarschaft zum Menschen nicht sel-ten. Die Nester können hier in Autowracks, alten Ölfässern und Ähnlichem zu finden sein. In der Arktis brütet sie in Felshöhlen, wo das versteckte Nest aus Moos, Flechten und Torf gebaut und warm mit Federn ausgepolstert wird. Kältehart und als Strecken-flieger leistungsfähig wird sie öfter als jede andere Vogelart über dem Inlandeisschild Grönlands angetroffen. Auch Forschungsstationen nahe des Nordpols erhalten ab und zu Schneeammerbesuch.

Schneestürme übersteht sie vergraben im Schnee, wo sie mehrere Tage aushar-ren kann.

Ihr Name soll teils von ihrer weißen Farbe, teils von ihrem Aufenthalt auf den höchsten Gebirgen herrühren. Mitunter wird sie auch als Berg- oder Eisammer bezeichnet.

Die Fichtenammer (Emberiza leucocephalos) brütet zwischen dem Ural und der Pazi-fikküste. Sie ist die Zwillingsart der Goldammer. Die Nordgrenze bildet der Polarkreis, die Südgrenze die Mandschurei und Mongolei.

Wo beide Arten zusammentreffen, kommt es regelmäßig zur Hybridisierung. In Europa erscheint die Fichtenammer selten im Herbst und Winter und tritt dann oft in Goldam-mertrupps auf.

Sie ist wie die Goldammer etwa 15–18 cm lang und besitzt die typische Gestalt einer Ammer. Auch ihre Zeichnung entspricht weitgehend der Goldammer, man beachte je-doch, dass Weibchen und Jungvögel einen weißlichen Bauch, eine gräuliche Gesichts-zeichnung und eine mehr kastanienbraune Färbung an den Schultern haben. Auch die Bauchstricheln sind mehr kastanienbraun. Die Unterscheidung des Männchens im Prachtkleid ist einfach, da es eine typische kastanienbraun-weiße Kopfzeichnung, ge-genüber einer fast leuchtend gelben wie bei der Goldammer, hat. Auch zeigt sich bei der Fichtenammer ein schmaler weißer Augenring, bei Goldammern ist dieser meist gelblich oder beige.

Als Zugvogel liegen die Überwinterungsgebiete in Mittel- und Südostasien, lokal auch im Irak und Iran sowie in Israel.

Eine große, recht massige und großschnäblige Ammer, deren Verbreitungsgebiet Hauptsächlich im Bereich von Italien bis ans Kaspische Meer liegt. Nach Norden in Rumänien bis an die Donaumündung. Deren Schwerpunkt jedoch in Kleinasien liegt, ist die Kappenammer (Emberiza melanocephala). Die Kappenammer ist eine der weni-gen europäischen Vogelarten, deren Winterquartier in Indien liegt.  Einzelne Tiere ver-fliegen sich gelegentlich nach Mitteleuropa.

Das Männchen ist im Prachtkleid unverkennbar mit schwarzer Kappe auf dem Kopf, die bis unter das Auge reicht, daher der Name Kappenammer. In älterer Literatur wird sie auch Schwarzkappiger oder schwarztopsiger Ammer oder schwarzkappige Merle be-zeichnet. Auffallend ist die leuchtend kanariengelbe Färbung der Kehle und Unterseite ohne dunkles Brustband. Die Oberseite ist hell kastanienbraun mit zimtfarbenem Bürzel.

Der Schwanz ist ohne Weiß.  Das Weibchen ist kontrastärmer gefärbt und es fehlt die schwarze Kappe. Im einheitlich isabellfarbenem zeichnungslosen Kopf treten die be-tonten dunklen Augen besonders hervor.

Die Kappenammer bewohnt Buschsteppen, Felder mit Buschreihen, sonnige, spärlich be-wachsene Berghänge sowie Gärten, Obstbaumkulturen, Weingärten und Oliven-Haine. Beim Brutgeschäft ist das Weibchen auf sich allein gestellt.

Wie bei allen anderen Ammern besteht auch die Nahrung der Kappenammer aus In-sekten, Spinnen und viel Pflanzenteilen. Im Winter überwiegt pflanzliche Kost. Als Zug-vögel ziehen sie zwischen August und September nach Nordwestindien. Erst im April oder Mai erscheinen sie wieder in ihrem Brutgebiet.

Ein recht kleines Verbreitungsgebiet hat die Türkenammer (Emberiza cineracea.)

Kleine Populationen brüten jeweils auf Lesbos und Chios, Skyros, Samos, Ikaria und viel-leicht auch auf Korfu. Auf diesen Inseln existiert eine Population von 50 bis 100 Paaren. Weitere Populationen der westlichen Unterart brüten in der westlichen Türkei. Die Mehr-zahl der Türkenammern brüten jedoch in der südöstlichen Türkei und im südlichen Iran. Daher ist auch deren Name abgeleitet. Christian Ludwig Brehm hat diese Art bereits im Jahr 1855 beschrieben.  Es ist eine recht große, langschwänzige  und schlanke Ammer mit fahlem Gefieder. Sehr ähnlich wie junge Kappenammern. Das Männchen hat einen gräulich gelben Kopf und gelber Kehle. Das Weibchen ist graubraun.

Die Türkenammer überwintert in der südlichen Türkei sowie rund um das Rote Meer.

Die westliche Türkenammer-Unterart kommt auch in Europa vor, jedoch nur als Som-mergast auf wenigen Inseln in der Ägäis.

Klaus Rost

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