Über den Gartenzaun gefragt: Schnitt von Pfirsischbäumen

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Hallo, hier ist wieder der „Garten-Olaf“.

Auf Anfrage vieler Kleingärtner werde ich mich heute auf den richtigen Schnitt der Pfirsiche konzentrieren. Es kann einem schon in der Seele wehtun, sieht man in unseren Parzellen zahlreiche Pfirsichbäume, die „verschnitten bzw. verstümmelt“ wurden oder niemals eine fachgerechte Behandlung erfuhren.

Ein Pfirsich muss jährlich geschnitten werden. Wird der Schnitt auch nur ein Jahr unterlassen, führt das unweigerlich zur Verkahlung der Triebe und somit zum frühzeitigen Vergreisen des Gehölzes. Der Pfirsich lässt sich gut in Busch und Spalierformen erziehen. Zum Busch erzieht man ihn mit einer pyramidalen Krone (mit Stammverlängerung) oder mit einer Hohlkrone (ohne Stammverlängerung).

Ganz anders als der Apfelbaum sollte der Pfirsich jedes Jahr stark zurückgeschnitten werden. Der Pfirsich neigt zu überbauten Kronen, bei gleichzeitiger Vergreisung im Inneren. Beidem muss mit konsequentem, scharfem Schnitt entgegengewirkt werden. Da der Pfirsich von Natur aus keinen durchgehenden Mittelstamm bildet, hat sich die Erziehung zur Hohlkrone bewährt, bei welcher die Bäume problemlos auf einer Höhe von vier bis fünf Metern gehalten werden können. Die spätere Hohlkrone wird bereits beim Pflanzschnitt vorgegeben. Dabei schneidet man den Stamm in etwa 60 cm Höhe auf die kräftigsten drei bis vier Seitentriebe zurück.

Wichtig ist dabei, eine Quirl-Bildung zu vermeiden, da der Pfirsich zum Ausbrechen neigt! Die ausgewählten Seitentriebe werden dann auf fünf bis sechs Augen zurückgeschnitten, wobei die Saftwaage zu beachten ist. In den Folgejahren sind zu hochstehende Äste abzuleiten und Steher zu entfernen.

Die jährliche Fruchtholzproduktion ist beim Pfirsich besonders wichtig. Mit der Ausnahme einiger Bukett-Triebe trägt der Pfirsich die Blütenknospen ausschließlich an den diesjährigen Trieben. Man unterscheidet 4 Arten von Trieben: Falsche Fruchttriebe, Wahre Fruchttriebe, Bukett-Triebe, Holztriebe. Beim Pfirsich ist es absolut entscheidend, an welcher Art von Trieb sich eine Blütenknospe befindet.

  1. Die sogenannten Falschen Fruchttriebe tragen seitlich meist nur Blütenknospen und terminal (an der Spitze) eine Laubknospe. Die Bezeichnung Falscher Fruchttrieb rührt daher, dass die entstehenden Früchte von minderer Größe und Qualität sind. Da sich an diesen Trieben kaum Laubknospen befinden, ist die Versorgung der Früchte mit Nährstoffen nicht ausreichend. In der Folge sind die Früchte unterversorgt, können sich nicht richtig entwickeln und werden vom Baum meist schon in Walnussgröße abgestoßen. Falsche Fruchttriebe können am älteren Holz entstehen oder als vorzeitige einjährige Triebe mit entsprechend schwachem Wachstum. Für den Ertrag des Pfirsichs sind die Falschen Fruchttriebe wertlos und sollten ganz oder bis auf wenige Knospen entfernt werden.
  2. Der Ertrag eines Pfirsichs wird durch die Blütenknospen der Wahren Fruchttriebe bestimmt. Es handelt sich hierbei um kräftige Langtriebe oder mittelstarke kürzere Triebe, welche sowohl spitze Laubknospen als auch runde Blütenknospen gemeinsam in den jeweiligen Blattachseln tragen. Meist handelt es sich um Knospendrillinge, bestehend aus einer Blütenknospe und zwei Laubknospen. Durch die Laubknospen ist eine gute Versorgung mit Assimilaten sichergestellt und die Früchte können sich gut entwickeln. Die Wahren Fruchttriebe müssen nicht zwangsläufig Knospendrillinge tragen, oft findet man auch nur eine Laubknospe pro Blütenknospe. Beim Schnitt werden die Wahren Fruchttriebe zunächst reduziert, so sie zu dicht stehen. Dann gilt es, sich zwischen langem und kurzem Fruchtholzschnitt zu entscheiden. Beim langen Fruchtholzschnitt werden die verbliebenen Wahren Fruchttriebe auf etwa die Hälfte eingekürzt. Als Folge muss später ein Zuviel an Früchten ausgedünnt werden. Alternativ kann der kurze Fruchtholzschnitt angewandt werden. Hierbei werden die Wahren Fruchttriebe auf drei bis vier Augen zurückgenommen, was zu einer sehr guten Fruchtentwicklung führt. Allerdings ist dann der jährlich wiederkehrende Schnittaufwand größer, da ein kräftigeres Triebwachstum stattfindet.
  3. Weitere Blütenknospen finden sich an den Bukett-Trieben. Dabei handelt es sich um kurze Spieße, wie man sie auch bei der Süßkirsche findet. Sie tragen mehrere Blütenknospen um die zentrale Triebknospe, bleiben stets unverschnitten und bringen gute Früchte hervor.
  4. Die Holztriebe sind deutlich länger als die Fruchttriebe und nur mit Laubknospen besetzt. Der Großteil wird ganz entfernt und der Rest auf wenige Knospen zurückgeschnitten. Nur aus Knospen, welche kräftig austreiben, können Wahre Fruchttriebe entstehen. Lässt man den Holztrieben zu viele Knospen, so treiben diese schwach aus und es entstehen überwiegend Falsche Fruchttriebe.

Da beim Pfirsich stets von großen Schnitteingriffen auszugehen ist, sollten diese nach Möglichkeit in der Vegetationszeit durchgeführt werden, da dann von einer besseren Wundheilung des Baumes auszugehen ist. Der Hauptschnitt kann im späten Frühjahr bis hin zur Blüte oder alternativ direkt nach der Ernte erfolgen. Im Sommer ist dann noch ein Grünschnitt möglich. Dabei wird die Anzahl der jungen Triebe reduziert, mit dem Ziel Licht und Luft in den Baum zu bekommen. Viel Erfolg beim Schneiden.

Bis zum nächsten Monat, der „Garten-Olaf“

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