Über den Gartenzaun gefragt: Obstbaumschnitt als Verjüngungskur

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Liebe Gartenfreundinnen und Gartenfreunde, ich hoffe, Ihr hattet alle einen guten Start ins Schaltjahr 2020. Für die bevorstehende Gartensaison möchte ich zuerst das Thema Obstbaumschnitt anschneiden. In meiner ehrenamtlichen Tätigkeit als Gartenfachberater und Wertermittler bin ich häufig in den Kleingartenanlagen (KGA) unterwegs und es tut mir richtig weh, wenn ich Obstgehölze sehe, die vor langer Zeit einmal oder noch nie einen Baumschnitt erlebt haben. Hier ist als noch einiger Nachholbedarf vonnöten.

Hier noch ein paar Anmerkungen über den Obstbaumschnitt. Der richtige Schnitt wirkt für Obstbäume wie eine Verjüngungskur. Er formt das Astwerk, lenkt die Saftströme und fördert Blütenreichtum sowie Ernteertrag der Obstbäume. Das Frühjahr ist der richtige Zeitpunkt für den Obstbaumschnitt. Durch warme Winter treiben auch die Bäume schon früher aus als üblich. Deshalb sollte man mit dem Obstbaumschnitt nicht zu spät beginnen. Welche Arbeiten sollten jetzt angegangen werden und was ist beim Obstbaumschnitt zu beachten:

Das Entfernen alter, kranker oder abgestorbener Triebe sorgt für eine sichtbare Erholung des Obstbaumes, dem damit wieder alle Nährstoffe zur Verfügung stehen. Der gezielte Schnitt macht den Obstbaum widerstandsfähiger gegen Krankheiten und Pilzbefall. Mit dem Baumschnitt verbessert sich auch die Qualität der Früchte, die an alten Bäumen oft klein bleiben.

Zusammenfassend sollten Obstbäume regelmäßig geschnitten werden, um eine bessere Belichtung der Triebe zu fördern und die Fruchtqualität zu verbessen. Bei sachgemäßem Obstbaumschnitt kann mit einem früheren Ertragsbeginn gerechnet werden, die Leistungsfähigkeit sowie die Lebenszeit erhöhen sich dadurch.

Wie lichte ich meinen Obstbaum aus: Zunächst sind alle konkurrierenden Triebe  (Triebe sind meist gleich lang – Astgabel) im Baum zu entfernen. Anschließend werden die Triebe, die nach innen wachsen herausgeschnitten und alle Äste, die sich gegenseitig berühren. Alle Triebe, die Sie schneiden, sollten immer an der Basis (!) abgeschnitten werden – nicht einkürzen. Wenn sie einen Trieb einkürzen, bildet sich automatisch ein neues Gerüst (drei neue Triebe). Bitte merken – entweder schneidet man einen Trieb an der Basis ab oder man lässt in dran!

Starker Rückschnitt – starker Austrieb: Wobei man bedenken sollte, dass die Triebe auf 45 Grad heruntergebogen werden, indem man ein Gewicht daran hängt. Das fördert die Fruchtblütenbildung. Jeder Kleingärtner sollte sich über die Schnittgesetze informieren (Faltblätter gibt es beim SLK).

Schnittgesetze: Jede Schnittmaßnahme an einem Obstbaum wirkt sich auf Anzahl und Stärke des Austriebes aus. Deshalb sind die Gesetze der Schnittwirkung zu beachten und bevor man einen Trieb oder Ast weg- oder zurückschneidet, muss man sich über die Reaktion des Gehölzes im Klaren sein.

Schnittwirkungsgesetz: Durch einen starken Rückschnitt der gesamten Krone wird ein kräftiger Austrieb gefördert. Ein schwacher Rückschnitt bewirkt einen schwachen Austrieb. Wird in einer Krone ein Teil stark und der andere Teil schwach zurückgeschnitten, so kehren sich die Wirkungen um! Der schwach geschnittene Teil treib stärker, der stark geschnittene Teil schwächer aus. Die durch den Schnitt verursachte Asymmetrie der Krone wird verstärkt.

Arbeitsgeräte: Alle Werkzeuge, die man beim Obstbaumschnitt benutzt, sollten scharf und sauber sein. Äste, die geschnitten werden, komplett entfernen und keine Stümpfe stehen lassen. Je mehr Schnittstellen entstehen, desto mehr Wunden hat der Baum. Es ist besser, ganze Astpartien zu entfernen, als immer wieder einzelne Äste zu schneiden. Größere Schnittwunden sollten zur Abwehr von Krankheiten und Infektionen versiegelt werden. Es eignet sich Latex oder ein spezielles Wundverschlussmittel.

Achtung Kräuselkrankheit: Verursacht wird die Kräuselkrankheit durch einen Pilz namens Taphrina deformans, der den Winter als Pilzgeflecht (Myzel) auf Zweigen und Knospenschuppen von Pfirsichbäumen überdauert. Mit den ersten wärmeren Tagen (über 10°C) zerfällt das Pilzmyzel in kleine Zellen, die durch Niederschläge in die Knospen eingespült werden und dort die jungen Blätter infizieren. Die Symptome zeigen sich erst nach dem Austrieb! Bekämpfung : Fragen sie ihren Gartenfachberater ihres Vereines. Bis zum nächsten Monat

Der „Garten-Olaf“

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