Aus der Vogelwelt: Seeadler

Bild von Kathy Büscher auf Pixabay

Bei Besuchen bzw. Wanderungen an den im Umfeld unserer Stadt in der letzten Zeit entstandenen Seen, kann man mit etwas Glück das deutsche Wappentier seine Kreise ziehend am Himmel beobachten. Es ist der Seeadler(Haliaeetus albicilla). Mit einer Flügelspannweite von bis zu 2,60 Metern ist er der größte europäische Greifvogel. Er war einst in vielen Ländern Europas verbreitet. Doch schon um 1900 hatte ihn der Mensch fast vollständig ausgerottet. Denn über Jahrhunderte hatte man den Seeadler nur als Raubvogel betrachtet und ihn rücksichtslos verfolgt und gejagt.

Ab 1850 führten jedoch direkte Bejagung sowie Gelegeentnahmen, Vernichtung des Lebensraums und Vergiftung mit Pestiziden zu enormen Bestandseinbrüchen im gesamten Verbreitungsgebiet. So konnten 1910 kaum mehr als 15 Brutpaare in Mecklenburg, Vorpommern und Brandenburg verzeichnet werden. In den 1960er Jahren erreichte der Bestand seinen Tiefststand und stand auf der Liste der vom Aussterben bedrohten Vogelarten.

Erst ab Mitte der 1970er Jahre konnte sich der Bestand der Seeadler in Mitteleuropa durch Horstbewachung und das Verbot des Insektizids DDT wieder erholen. In Deutschland wurde der Bestand 2005 bundesweit mit 494 bis 500 Brutpaaren angegeben. Mecklenburg-Vorpommern verzeichnet davon 197 Brutpaare. Heute brüten in Deutschland wieder ca. 580 Seeadlerpaare. Auch in unserer neu entstandenen Landschaft siedelten sich einzelne Paare an.

Die Kraft und Gestalt des Adlers wirken stets so majestätisch, dass er von alters her als König der Lüfte oder König der Vögel bezeichnet wurde und als Wappentier von Fürsten, Königen und ganzen Staaten Bedeutung, so auch (s.o.) für unseren Staat, erlangte.

Zum Aussehen, zur Bestimmung und Beschreibung vom Seeadler ist folgendes zu sagen: Die Größe beträgt 70 bis 95 cm und das Gewicht bis zu 7 kg. Diese Angaben beziehen sich auf das Weibchen, die Männchen sind, wie bei fast allen Greifvögeln, kleiner. Ein ausgewachsener Seeadler ist am großen gelben Schnabel, dem hellen Kopf und dem weißen Schwanz zu erkennen.

Im Flug ist der Seeadler leicht an seiner großen Flügelspannweite, seinem langsamen und schwerfälligen Flügelschlag, sowie den brettartigen Flügeln zu erkennen. Bei Jungvögeln verschiedenen Alters ist der Schwanz dunkel bzw. mehr oder minder weiß gezeichnet. Mit zunehmendem Alter wird der Stoß (Schwanz) jedoch stets weißer, und im 4. bis 5. Lebensjahr, wenn die jungen Seeadler geschlechtsreif werden, ist er schon völlig weiß.

Der Seeadler ist ein Bewohner der Niederungen und kaum in Höhenlagen über 300 m ü.d.M anzutreffen und hält sich in der Nähe von Gewässern, Seen oder an der Meeresküste auf. Wobei die unmittelbare Nähe zum nächsten Gewässer zwischen 0,8 km bis 6 km liegen kann.

Der Horst (Nest) steht auf alten hohen Bäumen, kaum unter 15 m, meistens über 20 m hoch. Dabei ist freier An- und Abflug Bedingung. Bevorzugte Horstbäume sind Altkiefern aber auch Eichen, Buchen, Fichten und Pappeln. Der Horst ist ein umfangreicher Bau aus Zweigen. Innen ist er flachmuldig, mit Halmen, Flechten sowie Moos ausgelegt und wird häufig mit Kiefernzweigen umrandet. Er wird oft mehrere Jahre benutzt und jährlich „repariert“. Die Ausbesserungsarbeiten an den Horsten beginnen teils schon im Januar. Da jedes Jahr auf solche älteren Horste eine neue Schicht aufgebaut wird, erreichen diese im Laufe der Zeit eine ganz erhebliche Höhe und ebensolchen Umfang. Dabei kann er bis zu 2 m Durchmesser haben und ein beachtliches Gewicht von bis zu 600 kg erreichen.

In den Wänden älterer Horste fand man lt. Literatur als Brutvögel:  Bachstelze, Garten- und Waldbaumläufer, Gartenrotschwanz und Haubenmeise; Stare und Feldsperlinge nisteten sogar mit mehreren Brutpaaren darin.

Nach dem Nestbau legt das Weibchen 1 bis 3 ziemlich rauschalige, kalkweiße Eier ohne Fleckung, welche sie 35 bis 40 Tage meist allein ausbrütet. Die geschlüpften Küken werden zunächst von der Mutter mit Beute gefüttert, die das Männchen heranträgt. Nach 4 bis 5 Wochen sind die Jungen in der Lage, das Futter direkt vom Vater anzunehmen.

Nach etwa 12 Wochen sind die Jungen flügge und streifen zunächst weiträumig umher. Auch nach dem Verlassen des Horstes betteln sie noch rund 5 Wochen nach Verpflegung. Zu Beginn dieser Bettelflugperiode wird die Nahrung auf dem Horst abgelegt, doch folgen die Jungen den Eltern bald unter dauernden, sehr durchdringenden Bettelrufen „piiiie piiiie“ durchs Revier.

Die geschlechtsreifen Vögel siedeln sich nach 3 bis 4 Jahren bevorzugt in der Nähe ihres Geburtsortes an. Bei jüngeren Paaren kommt es häufig zu keinem erfolgreichen Brutverlauf. Hat sich ein Seeadlerpaar gefunden, so lebt dieses in der Regel in Dauerehe in einem festen Revier, welches gegen fremde Artgenossen heftig verteidigt wird. Bei den Revierkämpfen kann es zu tödlichen Verletzungen kommen.

Die Seeadler Mitteleuropas bleiben normalerweise das ganze Jahr in ihren Revieren, während die Vögel aus dem hohen Norden in südlicheren Gebieten überwintern. Die Jagdreviere sind durchschnittlich etwa 60 km² groß und im Winter noch deutlich größer.

Der Seeadler schlägt seine Beute nicht in der Luft, sondern im Sturzangriff aus geringer Höhe über Wasser oder Land. Der Beuteflug ist ein schwerfällig anmutender Ruderflug. Er führt meist zu den nahegelegenen Binnenseen und Fischteichen.

Der Seeadler sitzt hier stundenlang ruhig auf einer erhöhten Warte und hält nach Beutetieren Ausschau. Über einem erspähten Fisch rüttelt der Adler, stößt dann nieder, schwenkt noch mal ein und stößt schließlich mit angewinkelten Schwingen und vorgestreckten Fängen nach der Beute. Dabei fängt er bevorzugt Weißfische, wie Brassen und Plötzen aber auch Hechte, Barsche und Karpfen. Dabei wurden Fälle bekannt, wo er 12 bis 15 kg schwere Hechte erbeutete. Mit einer solchen Last fliegt er jedoch nicht mehr auf, sondern erreicht, mit den Flügeln schwimmend das Ufer, wo er die Beute zunächst zerreißt. Hingegen bereitet ihm der Aufflug mit 5 bis 6 kg Beute keinerlei Schwierigkeiten. Der Seeadler schlägt auch Säugetiere und Vögel, besonders wenn das Wasser zugefroren ist. Da nimmt er auch mit einer Wühlmaus oder Amsel vorlieb, überwältigt jedoch auch Reiher, Schwäne, Störche, vor allem Bläßrallen aber auch Graugänse, Stockenten und Haubentaucher. Unter den Säugetieren befinden sich Füchse, Fischotter oder Frischlinge. Täglich verbraucht er ungefähr 700 g Fleischnahrung, gegebenenfalls auch Aas.

In freier Wildbahn können Seeadler bis zu 36 Jahre alt werden, in Gefangenschaft sogar über 40 Jahre.

Das Hauptverbreitungsgebiet des Seeadlers in Sachsen sind die wald- und wasserreichen Gegenden der Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft sowie der Königsbrück-Ruhlander Heiden. Vereinzelte Ansiedlungen sind auch aus Nordwestsachsen und dem Moritzburger Gebiet bekannt. Rast- und Überwinterungsgebiete des Seeadlers liegen vor allem an größeren Gewässern im Brutareal und am Elblauf unterhalb Dresdens.

In den letzten Jahrzehnten ist der Seeadlerbestand in Sachsen kontinuierlich angestiegen (z.Z. 70 bis 80 Brutpaare), so dass die Art nur noch auf der Vorwarnliste zur Roten Liste steht.

Klaus Rost

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