Aus der Vogelwelt: Auerhuhn

Verlassen wir dieses Mal unsere „kleine” Gartenwelt und wenden uns einer Vogelart zu, die zumindest auch unter den Biertrinkern bekannt sein dürfte – das Auerhuhn*). Noch vor mehr als 100 Jahren ein Allerweltsvogel, hat sich das Auerhuhn (Tetrao urogallus) in Deutschland heute rargemacht. 

Das Auerhuhn ist ursprünglich Taigabewohner und findet in Mitteleuropa in großen naturnahen Waldungen zusagenden Lebensraum. Dabei werden Nadel- und Mischwälder im Mittel- und Hochgebirge bevorzugt.

In Deutschland gibt es neben Alpen, Schwarzwald, Bayerischem Wald, Fichtelgebirge, Erzgebirge und Harz Auerhuhn-Reviere, wo der größte heimische Hühnervogel zusagenden Lebensraum vorfindet.

Leider werden durch die Intensivierung der Forstwirtschaft und die zunehmende Beunruhigung durch Touristen diese Lebensräume immer weniger, das zur Folge hat, dass sich die Bestände immer mehr reduzieren und das Auerhuhn auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Arten Platz fand.

Eine bedrohte Population gibt es auch im Thüringer Schiefergebirge. Um das Aussterben völlig zu verhindern, gehen engagierte Naturschützer und Forstwirte mit finanzieller staatlicher Unterstützung daran, durch Waldumbau, wie die Herstellung lichterer Waldstrukturen, die Förderung alter starkastiger Kiefern sowie die Verbesserung der Beerenkrautvegetation (Heidelbeere) ebenso wie der Ersatz von für das Auerhuhn gefährlichen Drahtzäunen durch besser sichtbare hölzerne Hordengatter die Lebensräume wieder auerhuhngerecht zu gestalten.

Speziell mit diesen waldbaulichen Maßnahmen wird nicht nur das Auerhuhn, sondern werden auch andere Arten in lichten Waldstrukturen, wie die Rote Waldameise, die Kreuzotter oder der Ziegenmelker gefördert. Zum genannten Waldumbau gehört unbedingt auch die Reduzierung von Fressfeinden. Während in der Literatur aus den 1950er Jahren nachzulesen war, dass „Wolf, Bär, Luchs und Wildkatze bei uns als Feinde praktisch weggefallen sind”, muss aus heutiger Sicht gesagt werden, dass davon eigentlich nur noch der Bär betroffen ist, da infolge der in den letzten Jahren erfolgten Schutzmaßnahmen sich die anderen Arten wieder ihren ursprünglichen Lebensraum erobert haben.

Zu den Hauptgelegeräubern zählen also Dachs, Marder, Iltis Waschbär, Marderhund und Schwarzwild. Marder, Fuchs, Habicht, Adler, Uhu, Luchs und Wildkatze gelten auch als Feinde der Jung- und Altvögel. Sperber und Kolkrabe jagen hauptsächlich Küken, d.h. die Kontrolle und Reduzierung der Fressfeinde in den Auerhuhnrevieren muss durch die Jägerschaft intensiviert werden.

Des Weiteren werden in Aufzuchtstationen Auerhühner nachgezüchtet, um sie dann auszuwildern. Im Jahr 2015 konnten 39 Auerhühner in der staatlichen Zuchtstation im Thüringer Langenschade bei Saalfeld aufgezogen und ausgewildert werden. Das sind mehr als doppelt so viele wie im vorangegangenen Jahr.

Auch in Brandenburg gibt es Aktivitäten zur Wiederansiedlung des Auerhuhns. Im Rahmen des Vorhabens, welches vom Förderverein Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft e.V. getragen wird, sind in den Jahren 2012 und 2013 mehrere Dutzend Auerhühner u.a. aus schwedischen Wildfängen ausgewildert worden. Die Tiere wurden vor der Freisetzung mit Datenloggern versehen, welche regelmäßig über Zeiträume von mehreren Monaten die Aufenthaltsorte der Tiere aufzeichnen. Bleibt nur zu hoffen, dass all diese Bemühungen auch von Erfolg gekrönt sind und damit unsere Natur weiterhin oder wieder bereichern.

Das Auerhuhn ist ein Standvogel und gehört zum Federwild oder Auerwild und unterliegt dem Jagdrecht, genießt in Deutschland jedoch ganzjährige Schonzeit.

Der Auerhahn und die Auerhenne unterscheiden sich auffallend voneinander, sowohl im Gewicht und in den Ausmaßen als auch in der Färbung des Federkleides. Der Hahn bringt 4 bis 5 kg auf die Waage, ist etwa 1 m groß und hat eine Flügelspannweite von 90 cm, während sich die Henne mit 2,5 bis 3 kg, einer Größe von 60 cm und einer Flügelspannweite von 60 cm begnügen muss.

Der Hahn ist dunkelgrau bis schwarz, die Flügel sind braun. Die Brust ist metallisch blaugrün glänzend und die Unterflügel haben eine aschgraue Färbung. Die Deckfedern sowie die Achselfedern sind reinweiß und bilden einen dreieckigen oder halbmondförmigen kleinen Schulterfleck, den sogenannten „Spiegel”. Der Schnabel erinnert fast an den eines Greifvogels. Dessen Ränder sind messerscharf und so zum Abzwicken von holzigen Zweigen und Knospen geeignet. Das reiche Federkleid und der breite Schwanzfächer machen den ausgewachsenen Hahn zu einer wahrhaft imposanten Erscheinung.

Die Henne ist oberseits bräunlich und die rostgelbe Unterseite ist mit vielen dunklen Querbinden gezeichnet. Auffallend ist die über dem Auge hochrot gefärbte, unbefiederte, mit warzenartigen Erhebungen versehene Hautpartie, die besonders beim Hahn zur Balzzeit stärker ausgebildet ist.

Das Auerhuhn ist der größte Hühnervogel Europas. Das Auerwild lebt in Keinehigkeit, d.h., dass zwischen den Geschlechtern – außer der Begattung – keine Bindungen bestehen. Die Henne brütet allein und sitzt sehr fest auf den Eiern. Die Hähne kümmern sich nicht um Hennen, Gelege und Brut.

Ab Mitte April bis Mitte Mai werden 5 bis 10 Eier, auf deren gelblichbrauner Grundfarbe sich viele kleine und größere, graue bis dunkelbraune Flecken und Punkte befinden, gelegt.

Eine gescharrte Mulde, die mit einigen dürren Halmen, trockenen Blättern und Kiefernnadeln ausgelegt wird, bildet das Nest, welches unter dichten Bäumchen, Wacholderbüschen und Heidekraut, unter einem Windbruch oder am Fuße eines Baumes hergestellt wird. Nach einer Brutdauer zwischen 26 und 28 Tagen schlüpfen die Jungen. Sie sind Nestflüchter. Nach dem Schlüpfen werden die Jungen vom Nest in Deckung und zu reichen Nahrungsplätzen geführt. In den ersten Lebenstagen sind die Jungen sehr empfindlich gegen Kälte, Nässe und Mangel an tierischer Nahrung, so dass häufig ein großer Teil eingeht und selbst in guten Jahren der Henne nur drei bis vier Junge verbleiben. Nach 2 Wochen sind die Jungen flugfähig, bleiben jedoch bis zum Herbst im Familienverband.

Erwachsene Auerhähne ernähren sich hauptsächlich pflanzlich. Sie bevorzugen die Blätter und Früchte von Beerensträuchern, wie Himbeere, Brombeere, Heidel- und Preiselbeere. Darüber hinaus nehmen sie auch Sämereien und Sprösslinge zu sich. Eine besondere Vorliebe besteht auf Eicheln und die sich herbstlich färbenden Espenblätter. Hier und da auch Insekten und andere Kleintiere. In Wintern, in denen es an Nahrung mangelt, fressen sie hauptsächlich schwer verdauliche pflanzliche Stoffe wie Nadeln und Knospen von Buche, Kiefer, Fichte sowie Tanne.

Die ausschließlich pflanzliche Ernährung das ganze Winterhalbjahr hindurch bedeutet daher, dass die Vögel enorme Mengen aufnehmen müssen. Auch die kalte Winternacht fordert einen hohen Energiebedarf. Man schätzt, dass Hähne etwa 440 bis 550 g Pflanzenmaterial pro Wintertag aufnehmen müssen, Hennen immerhin 220 bis 270 g. Der prall gefüllte Kropf des Hahnes kann etwa 150 bis 200 g Fichten- oder Kiefernnadeln fassen. Dazu nehmen sie auch kleine Steinchen auf, damit die Nahrung im Magen besser aufgeschlossen werden kann.

Die Jungen nehmen vor allem Insekten, Würmer, Schnecken und später Beeren auf. Besonders wichtig sind die Ameisen mit ihren Entwicklungsstadien. Ab Ende August ist ihre Ernährung dann nur noch vegetarisch.

Ein Naturerlebnis der besonderen Art ist die Auerhahnbalz, die bei milden Spätwintern schon im Februar beginnt, meistens jedoch im März. Die Balz der Männchen kann sich bis Mitte Mai hinziehen, da nicht alle Weibchen, die sich auf dem Balzplatz einfinden zur gleichen Zeit begattungsbereit sind. Über das Höchstalter des Auerwildes in freier Wildbahn ist ein Nachweis aus Österreich mit 14 Jahren bekannt. In Gefangenschaft sind 18 Jahre nachgewiesen.

Wenn Sie bei Ihrer Gartenarbeit eine Flasche „Hasseröder” in der Hand halten, dann denken Sie bitte auch an die Schutzbedürftigkeit des Auerwildes!

*)  seit 1872 ist es das Warenzeichen der Hasseröder Brauerei

Klaus Rost

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