Heimische Heilpflanzen: Speisechrysantheme

Foto: Dr. Hannelore Pohl
Foto: Dr. Hannelore Pohl

Im Botanischen Garten Oberholz wurden in diesem Jahr in den Hochbeeten Pflanzenkultiviert, die allgemein wenig bekannt sind. So konnte die Speisechrysantheme (Chrysanthemum coronarium) betrachtet und probiert werden.

Die Speisechrysantheme, auch unter den Namen Kronenwucherblume, Goldblume, Kretische Goldblume oder Shungiku bekannt, gehört zur Familie der Korbblütler.

Die Heimat dieser Pflanze ist das östliche Mittelmeergebiet, bis zum Iran und Pakistan. Eingebürgert ist sie offensichtlich auf den Kanaren, den Azoren und Madeira. Sie gelangte nach Nordamerika und Westaustralien. Auch in Mittel- und Nordeuropa ist sie anzutreffen. Massenbestände sind häufig in mediterraner Ruderalvegetation zu finden. In Japan wird die Speisechrysantheme als Nationalblume verehrt. Bekannt und verehrt wurde und wird sie ebenfalls in China und Indien.

Die Speisechrysantheme ist eine einjährige Pflanze. Unkompliziert ist ihr Anbau. Eine Direktsaat oder Vorkultivierung in Töpfen ist von Frühjahr bis Herbst möglich. Die Samen werden mit wenig Erde bedeckt und mäßig feucht gehalten. Die Temperatur sollte etwa 18° C betragen. Nach 2 bis 3 Wochen können die vorkultivierten Pflanzen ins Freiland überführt werden. Im Jugendstadium ist reichlich Wasser zu geben. Die Pflanzen sind raschwüchsig und zahlreiche saftige Blätter werden gebildet. Sie lieben einen frischen, nährstoffreichen, durchlässigen und humosen Boden, mögen es sonnig aber nicht zu heiß.

Ein Anbau in Schalen oder Kübeln ist gut möglich. Die Wuchshöhe der Pflanzen beträgt 40 bis 100 cm. Genutzt werden vorwiegend die Blätter. Diese bilden sich recht schnell und je stärker die Pflanze beerntet oder geschnitten wird, treibt sie neue Blätter. Nach etwa 6 Wochen erscheinen cremefarbige, weißgelbe Blüten. Die Blütenkörbe haben einen Durchmesser von 3 bis 6 cm. Es werden Röhren- und Zungenblüten gebildet, wobei die Röhrenblüten gelb und die Zungenblüten gelb bzw. weißgelb gefärbt sind und längliche bis linealische 1,5 bis 2,5 cm lange Zungen aufweisen.

Die Samen, die Achänen, besitzen keinen Pappus, können also nicht durch den Wind verbreitet werden. Die Pflanzen blühen bis zum Herbst und vertragen Temperaturen bis zu –4° C.

Interessant ist die Verwendung der Pflanze. Der Name bringt schon zum Ausdruck, dass die Chrysantheme essbar ist. In den Blättern sind vor allem Vitamine, Folsäure und Kalzium enthalten. So wurden und werden von der Pflanze in Südost- und Ostasien sowie Italien die frischen Blätter als Gemüse gegessen. In China hatte das Kraut bei Verdauungsbeschwerden, Magenschmerzen und Husten Bedeutung. In Indien nutzten die Betroffenen die Pflanze bei Gonorrhoe.

Junge Blätter schmecken wie Petersilie oder Rucola, blumig, herb und dunkel. Sie werden roh über Salate gegeben oder auch gekocht und gebraten. Die Speisechrysantheme ist ein bekanntes und beliebtes Würzkraut der fernöstlichen Küche. Aus der Blüte kann ein leckerer Tee bereitet oder Bouillon damit aromatisiert werden. Auch sind die hellgelben Blüten eine essbare Dekoration.

Die Speisechrysantheme ist also nutzbar für einen guten Geschmack und auch etwas für das Auge.

1753 wurde die Pflanze von Carl von Linné unter dem noch heute gültigem Namen Crysanthemum coronarium beschrieben.

Dr. Hannelore Pohl

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