Heimische Heilpflanzen: Schwarze Edelraute

Schwarze Edelraute - Foto: Dr. Hannelore Pohl
Schwarze Edelraute - Foto: Dr. Hannelore Pohl

Vor Jahren habe ich mir verschiedene Pflanzen besorgt, die zu der großen Gattung Artemisia, innerhalb der Familie der Korbblütler gehören. Zu dieser Gattung zählen etwa 250- 500 Arten, u. a., Beifuß, Wermut, Estragon und Eberraute.

Vertreter der Gattung Artemisia sind hauptsächlich in gemäßigten Gebieten, vorwiegend auf der Nordhalbkugel, in Nordamerika und Eurasien anzutreffen.

Die Artemisia- Arten sind ein-, zweijährige oder ausdauernde krautige Pflanzen, Halbsträucher, seltener Sträucher. Die Wuchshöhe der einzelnen Vertreter liegt bei wenigen Zentimeter bis zu über drei Meter. Die Laubblätter sind meist kahl, weisen aber in ihrer Ausprägung eine große Variabilität auf. Sie können sehr filigran bis recht groß gestaltet sein. Interessant sind auch die unterschiedlichen Farbnuancen der Laubblätter, die von einem satten Grün bis zu silbrig gefärbten Blättern zu finden sind. Allen Vertretern der Gattung ist gemein, dass sie aromatisch duften. Das weist auf die Inhaltsstoffe, dem ätherischen Öl in unterschiedlichen Zusammensetzungen und Bitterstoffen hin. Nicht von allen Arten liegen genaue Informationen zu den Inhaltsstoffen vor.

Der Gattungsname Artemisia wurde schon im 1. Jahrhundert von Dioskurides, einem griechischen Arzt und Plinius, dem Älteren, einem römischen Gelehrten für Artemisia vulgaris, dem Beifuß, verwendet. In der Literatur fand ich, dass Artemisia die Schwester und Gattin des griechisch/persischen Königs Mausolus gewesen sei und bis nach seinem Tod im Jahr 353 v. Christus herrschte. Sie soll zu seinen Ehren ein prachtvolles Mausoleum, das eines der sieben Weltwunder war, bauen lassen. Auch soll sie eine Pflanzenkennerin und Gesundheitsforscherin gewesen sein. So wurde die große Gattung Artemisia nach ihr benannt.

Einige Vertreter der Artemisia- Arten sind unter der botanischen Bezeichnung Artemisia spezies aufgeführt. So auch die Schwarze Edelraute, die ich selbst sehr mag. Die Pflanze besticht durch ihre krausen, sattgrünen Blätter. Die Schwarze Edelraute ist eine ausdauernde Pflanze, deren Wurzeln völlig frosthart sind. Im Frühjahr beim Austrieb erinnert ihr Aussehen an Grünkohl. Die stark gekrausten, fast stängellosen Blätter sind 2-3-fach gefiedert. Beim Reiben der Blätter verströmen diese einen leicht süßlichen, angenehmen Duft. Die Pflanzen können Höhen von über einem Meter erreichen. Im Sommer werden kleine gelbe Knöpfchenblüten gebildet, die durch Fliegen oder Käfer bestäubt werden. Die Samen sind Achänen. Die Blüten haben eine Ähnlichkeit mit Rainfarn (Tanaceteum vulgare).  Die Laubblätter der Edelraute sind jedoch gekrauster als die des Rainfarns. Auch ist das Aroma der Edelraute lieblicher alsdas des Rainfarns.

Als Inhaltsstoffe werden ätherische Öle und Bitterstoffe angegeben. Die Pflanze soll verdauungsanregend und -fördernd, weiterhin harntreibend, nervenstärkend, antiseptisch und fiebersenkend wirken. Ein Tee aus den Blättern aufgebrüht schmeckt angenehm mild. In Frankreich ist die Schwarze Edelraute als „Chartreuse“ bekannt. Offensichtlich ist sie Bestandteil des gleichnamigen Likörs. Dazu war folgendes Rezept zu finden:

            2 Blätter Schwarze Edelraute

            3 Kapseln Kardamom

            10 Korianderfrüchte

            2 Gewürznelken

            ½ Stange Zimt

            8 Blätter Zitronenmelisse  

            500 ml Wodka

            250 g Zucker

Der Ansatz soll 3- 5 Wochen ruhen, danach wird er abgeseiht und kann verkostet werden.

Dr. Hannelore Pohl

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