Heimische Heilpflanzen: Pfingstrose

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Wunderschöne Blüten weist die Pfingstrose (Paeonia officinalis) auf. Mehrere Arten werden als Zierpflanzen angebaut. Sie eignen sich gut als Gruppen- und Rabattenstauden und sind als Schnittblumen geschätzt. In der Blütenfarbe variieren die Ziersorten vom reinsten weiß bis purpur-violett. Die Blüten können mehr oder weniger gefüllt sein. Zum Teil verströmen die Pfingstrosen einen angenehmen Duft. Es sind dankbare und genügsame Pflanzen, die in keinem Garten fehlen sollten.

Die Gartenpfingstrose oder Großblumige Pfingstrose gehört zu den Pfingstrosengewächsen. Sie ist eine ausdauernde bis zu 1 m große Pflanze, die aus einer rübenförmigen Wurzelknolle mehrere aufrechte, wenig verzweigte Stängel austreibt. Die Blätter stehen wechselständig, sind ganzrandig oder tief geteilt. Die Oberseite der Blätter ist glänzend dunkelgrün, die Unterseite etwas behaart und in einem helleren Grün. Die Blüten stehen an den Stängelenden. Bei den gefüllten Blüten sind die Kronblätter vermehrt, d.h. die Staubblätter sind in Kronblätter umgewandelt. Die Kelchblätter gehen z.T. ebenfalls in die Kronblätter über. Die Frucht ist eine dicht filzig behaarte Balgfrucht mit mehreren Samen.

Schon seit der Antike wird die Pfingstrose medizinisch genutzt und spielt auch in der Sagenwelt eine Rolle. Der Gattungsname Paeonia soll auf den griechischen Gott Paeon, den Gott der Heilkunst, zurückgehen. Dieser soll mit der Pflanze Pluto geheilt haben. Hippokrates (400 v. Chr.) und auch Hildegard von Bingen kannten die Pflanze und empfahlen sie bei Verdauungsstörungen, bei Gicht, Epilepsie und verschiedenen Kinderkrankheiten. Der deutsche Name weist auf die Blütezeit und die rosenähnliche Blütenform hin.

In der Volksmedizin wird nur die rotblühende Form der Pfingstrose genutzt. Verbreitet ist die Pflanze vorwiegend in Südeuropa. Angebaut wurde sie zur Drogengewinnung an den mageren Muschelkalkberghängen in der Umgebung von Jena.

Als Droge haben die Blütenblätter, die vorwiegend Anthozyane und Gerbstoffe, die Wurzeln mit ätherischen Ölen, Gerbstoffen und dem Alkaloid Paeonin sowie die Samen, die Harnsäure enthält, Bedeutung. Eingesetzt werden die Blütenblätter bei Haut- und Schleimhauterkrankungen, Hämorrhoiden, Gicht, Rheuma, Erkrankungen der Atemwege, bei nervösen Beschwerden und Gastritis. Die Wurzeln helfen u.a. bei Krämpfen, Rheuma, Beschwerden des Magen-Darm-Traktes und allgemeinen Erkrankungen. Schon im Mittelalter galten die Samen als Abwehr gegen böse Träume, Nachtdämonen und die Kundigen empfahlen sie gegen Epilepsie.

Zu Ketten gebunden, sollten die Samen, die „Zahnperlen“, zahnenden Kindern helfen und sie vor bösen Träumen schützen.

Doch Vorsicht vor einer Selbstmedikation. Pfingstrosen sind leicht giftig. Symptome bei Vergiftungen sind Erbrechen, Durchfall oder Magen-Darm-Beschwerden.

Dr. Hannelore Pohl

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