Heimische Heilpflanzen: Königin der Nacht

Bild von Couleur auf Pixabay
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In diesem Jahr hat mich meine Königin der Nacht (Selenicereus grandiflorus) wieder mit einer herrlichen Blüte erfreut. Der Schlangenkaktus oder Schlangencereus gehört zur Familie der Kaktusgewächse.

Die Schlangenkakteen sind Rankpflanzen mit meterlangen fingerdicken Trieben. Sie werden hauptsächlich in Amerika, Mexiko, auf Kuba und Jamaika kultiviert, sind aber in diesen Gebieten auch verwildert zu finden.

An den Trieben befinden sich Luftwurzeln, mit denen die Pflanze an Felsen, Wänden oder Mauern emporrankt und sich sehr verzweigt. Die Kanten der Stängel sind in Abständen von 2 cm mit Büscheln aus 6 bis 8 etwa 2 mm langen Stacheln bewehrt. Eigentlich ist die Pflanze keine Schönheit. Faszinierend sieht sie erst aus, wenn sie blüht. Doch Vorsicht – wird die Blüte vor dem Aufgehen berührt, blüht sie nicht! Die Blüte öffnet sich nur einmal in der Nacht. Dies etwa ab 19 Uhr. Es kann dann beobachtet werden, wie sie zur Vollblüte gelangt. Nach Mitternacht schließt sich die Blüte wieder. Wird sie bestäubt, können sich tomatengroße essbare Früchte entwickeln.

Die Königin der Nacht inspirierte die Menschen und sie nutzten die Pflanze in der Volksmedizin. Die Einwohner der karibischen Inseln verwendeten den Pflanzensaft als Wurmmittel, gegen Blasenentzündung oder bei Fieber. Äußerlich diente der Pflanzensaft zur Einreibung bei rheumatischen Erkrankungen oder mit Wasser verdünnt bei juckenden Hautausschlägen.

Genutzt werden als Droge die Blüten und die Triebe. In den Blüten konnten Flavonolglykoside, u.a. Narcissin, Rutosid und Cacticin sowie Schleimstoffe, Fette und  Harze nachgewiesen werden. Die Triebe enthalten Phenetylamin, eine  Stammsubstanz vieler Halluzinogene. Im menschlichen Organismus wirken diese Stoffe allerdings nicht, da sie nach oraler oder intravenöser Aufnahme schnell abgebaut werden.

Die Wirkstoffe werden durch Extraktion aus den Pflanzenteilen gewonnen. Daraus hergestellte Tinkturen wirken auf Herzkranzgefäße krampflösend, steigern die Durchblutung des Herzens und erhöhen den Blutdruck. Extrakte wurden bei Angina pectoris, Herzrhythmusstörungen und nervösen Herzbeschwerden bei Frauen in den Wechseljahren eingesetzt.

Bis 1989 soll die Königin der Nacht in den neuen Bundesländern noch für die Pharmaindustrie angebaut worden sein. 1990 wurde die Monographie negativ bewertet und Präparate arzneilich nicht mehr verordnet. Doch in der Homöopathie und der anthoprosophischen Medizin werden die frischen jungen Stängel und die Blüten u.a. bei Erkrankungen des Herzens, des arteriellen Gefäßsystems, bei Krämpfen der Muskulatur, der Gefäße, bei Schleimhautbluten, Verkalkung der Gefäße und Bluthochdruck eingesetzt.

Columbus (1451-1506) brachte erste Kakteen von Mittelamerika nach Europa mit. 1753 beschrieb Linné die Königin der Nacht als „Cactus grandiflorus“.

Der Gattungsname Selenicereus setzt sich aus selene (griech. Mond, Mondgöttin) und cereus bzw. cera (lat. Wachs, Wachsfackel) zusammen. Von den Einheimischen wurden die getrockneten mit Öl getränkten Triebe als Fackeln genutzt. Der Artname grandiflorus weist auf die wunderschöne große Blüte der Pflanze hin.

Dr. Hannelore Pohl

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