Heimische Heilpflanzen: Ingwer

Bild von Joseph Mucira auf Pixabay
Bild von Joseph Mucira auf Pixabay

Von dem Verein NHV Theophrastus (Verein zur Förderung der naturgemäßen Heilweise nach Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus e.V.) wurde in diesem Jahr der Ingwer (Zingiber officinale) als Heilpflanze des Jahres gekürt. Ingwer, eines der beliebtesten Gewürze der Welt, soll etwas genauer betrachtet werden.

Ingwer gehört wie Kardamom, Kurkuma und Galgant zu der Familie der Ingwergewächse. Die genaue Herkunft des Ingwers ist nicht bekannt. Sicher ist aber, dass er im tropischen Klima Asiens beheimatet ist. Sein Anbau erstreckt sich über China, Indien, Australien, Jamaika bis Peru. Für ein optimales Wachstum benötigt Ingwer eine hohe Luftfeuchtigkeit ohne große Temperaturschwankungen, feuchten Boden und Halbschatten.

Die Pflanze ist eine ausdauernde, einkeimblättrige Staude. Aus einem horizontalen, kriechenden, geweihartig verzweigtem Wurzelstock (Rhizom), der als Speicherorgan dient, entwickeln sich etwa 1 m lange schilfartige Blätter. Nach 8 bis 10 Monaten werden die Blätter welk. Das Rhizom ist dann zart, nicht faserig und kann geerntet werden.

Blühende Pflanzen sind selten, so dass der Nachbau vegetativ durch Teilung der Rhizome erfolgt.  Für den Eigenbedarf kann Ingwer auch bei uns kultiviert werden. Ein frisches Rhizom mit möglichst vielen „Augen“ wird in etwa 5 cm große Stücke geteilt und im Frühjahr in einen Topf mit Erde gelegt. Um ein feuchtes Klima zu gewährleisten, wird der Topf mit Klarsichtfolie abgedeckt, immer feucht und bei konstanter Temperatur gehalten. Wenn das Kraut beginnt zu welken, kann geerntet werden. Ohne zu gießen übersteht das Rhizom bei 10 bis 15 ºC den Winter.

In seiner Heimat Asien hat Ingwer als Gewürz- und auch als Arzneipflanze schon lange Tradition. So soll der chinesische Kaiser Shen nung bereits Jahrtausende v. Chr. Ingwer als kräftigend erwähnt haben. Konfuzius (551–479 v. Chr.) soll seine Mahlzeiten nie ohne Ingwer zu sich genommen haben. Dioskurides (1. Jh. n. Chr.), Hildegard von Bingen (1098–1179), Paracelsus (1493–1541), der Arzt und Botaniker Lonicerus (1528–1586) und viele andere lobten Ingwer und wendeten ihn innerlich und äußerlich an. Wissenschaftliche Untersuchungen bestätigten die Wirksamkeit und somit hat Ingwer eine Monographie im Europäischen Arzneimittelbuch.

An Inhaltsstoffen werden ätherische Öle (1,5-3 %), Scharfstoffe, wie Gingerol, Shogaloen und Zingeron, organische Säuren, Bitterstoffe, Fette, Zucker und Schleime genannt.

Ob als Tee, Tinktur, Öl oder im Stück angewendet, Ingwer wirkt innerlich und äußerlich. Er wirkt verdauungsfördernd, kräftigend und anregend auf den Stoffwechsel. Er steigert die Speichel-, Magensaft- und Gallenbildung, beugt Völlegefühl, Sodbrennen, Blähungen und Aufstoßen vor.

Die Scharfstoffe regen die Durchblutung und den Kreislauf an. Ingwer wirkt der Übelkeit entgegen, ob bei Reisen, nach Operationen oder Chemotherapie. Bei Übelkeit während der Schwangerschaft sollte Vorsicht walten, da Gewürze, wie Ingwer, Nelken, Kardamom oder Zimt Wehen auslösen können.

Ingwer wirkt auch gegen Schmerzen und ist entzündungshemmend. Die Fließeigenschaften des Blutes werden verbessert, das zur Schmerzlinderung beiträgt. Ingweröl oder -salbe, aufgelegte Ingwerscheiben oder die regelmäßige Einnahme von Ingwer kann die Leiden lindern. Ingwer beeinflusst das körperliche und psychische Wohlbefinden positiv, da er Mangel an Lebenswärme mit Neigung zu niedrigem Blutdruck und Frieren behebt.

Ingwer, eine hervorragende Arznei- und Gewürzpflanze, die unterschiedlichste Gerichte verfeinert und auch in der kommenden Weihnachtszeit sicher wieder ihren großen Einsatz findet.

Dr. Hannelore Pohl

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