Heimische Heilpflanzen: Heilziest

Bild von U Hd auf Pixabay

Wildwachsend, im Garten oder im Botanischen Garten kann der Heilziest (Stachys officinalis) betrachtet werden. Heilziest, Echter Ziest, Betonika, Beschreikraut oder Zahnkraut ist eine mehrjährige Pflanze, die zu den Lippenblütengewächsen gehört. Sie wird 60 bis 80 cm groß, weist einen vierkantigen, wenig verzweigten Stängel mit kleinen Blattpaaren auf. Dichte, endständige Scheinähren bilden die Blüten.

Das blühende Kraut wird frisch oder getrocknet genutzt. Als Inhaltsstoffe werden Gerbstoffe (15%), Bitterstoffe, Betonizin, Stachydrin und Turizin sowie ätherisches Öl genannt.

Schon im Altertum war Heilziest eine geschätzte Pflanze. Er wurde nicht nur gesammelt, sondern wegen seiner medizinischen Verwendung öfter in Gärten kultiviert. Man berichtete, dass Antonius Musa, Leibarzt von Kaiser Augustus (63 v.u.Z. bis 14 u.Z.) den Heilziest sehr schätzte. In seinem Buch „De herba betonica“ preist er diese Allheilpflanze, die 47 verschiedene Krankheiten heilen kann. In den Aufzeichnungen von Hildegard von Bingen wird die Pflanze ebenfalls erwähnt und in Kräuterbüchern des 16. und 17. Jahrhunderts wird Heilziest als eine Pflanze genannt, die Patienten mit unbekannter Krankheit erhielten.

Es wurde angenommen, dass Heilziest die Kraft hat, böse Geister und Visionen zu vertreiben. Dies war sicher ein Grund dafür, sie in Kirchen- und Klostergärten anzubauen.

In der heutigen Zeit hat Heilziest kaum noch Bedeutung.

Durch den Gerbstoffgehalt wirkt die Droge leicht stopfend und wird dadurch bei leichten Durchfallerkrankungen angewendet. Als Gurgelmittel bei Mundgeschwüren und Zahnfleischentzündungen wird sie in der Volksmedizin empfohlen. Teeanwendungen sollen sich positiv auf die Durchblutung des Gehirns auswirken, Kopfschmerzen und Migräne lindern. Auch soll die Pflanze das zentrale Nervensystem stärken und bei Schmerzen helfen, die eine Folge von Überarbeitung und Stress sind.

Es wird berichtet, dass die getrockneten Blätter ein Tabakersatz sind und geraucht werden können. Gepulverte Blätter dienen als Niespulver.

Durch die Gerbstoffe kann Heilziest in höheren Dosierungen zu Brechreiz führen bzw. stark abführend wirken. In einer weiteren Aufzeichnung war zu finden, dass ein Tee aus der frischen Wurzel abführend und aus der getrockneten Wurzel als Brechmittel dient. Homöopathisch findet das frische Kraut bei innerer Unruhe, Erkältungskatarrh, Oberbauchbeschwerden, Asthma und Schwächezuständen Verwendung.

Aus der frischen Pflanze kann ein gelber Farbstoff gewonnen werden, der Wolle und Seide färbt und auch als tönendes Haarwasser genutzt werden kann.

Dr. Hannelore Pohl

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