Heimische Heilpflanzen: Feldsalat

Bild von David Will auf Pixabay

Der Feldsalat (Valerianella locusta) hat in den letzten Jahren wieder an Bedeutung gewonnen. Eine Pflanze, die am Wegesrand in Eurasien, von den Kanaren über Nordafrika bis zum Kaukasus, zu finden ist. Erst seit dem vergangenen Jahrhundert wird sie kultiviert.

Feldsalat, bei uns auch als Rapunzel bekannt, gehört zur Familie der Baldriangewächse. Vogerlsalat, Nüsslisalat, Ackersalat oder Rawinzchen wird die Pflanze in anderen Gebieten genannt.

Feldsalat ist eine einjährige oder überwinternd einjährige Pflanze, die sehr genügsam ist und Temperaturen bis zu –15°C verträgt. Die Pflanze ist relativ klein, nur etwa 12 cm groß. Die spatelförmigen Blätter sind 3 bis 5 cm lang und stehen in Rosetten. Die Blüten befinden sich am Ende der Zweige und sind blassblau bis rosa.

Im April beginnt die Blütezeit. Durch Selbstbestäubung oder Bestäubung durch Insekten entwickeln sich Früchte, die je einen Samen enthalten. Die reifen Samen keimen recht gut. Ab Mitte Juli kann die Aussaat mit einem Reihenabstand von 15 cm oder breitwürfig erfolgen, damit die Ernte noch im gleichen Jahr möglich ist. Der letzte Aussaattermin sollte Anfang September sein, da unter 8°C das Wachstum stoppt. Geerntet wird als Wintergemüse die Blattrosette, die über dem Boden abgeschnitten wird.

Eine Ernte im großflächigem Anbau gestaltet sich recht schwierig, da die Rosetten nicht zerfallen dürfen. Eine Handernte ist dafür kaum möglich. Genutzt werden neben den Blättern auch die Stängel und die Blüten. Diese sind eine essbare Dekoration für Salate oder Platten. Die Haupterntezeit der Rosette erstreckt sich von Oktober bis Dezember. An frostfreien Tagen im Januar und Februar kann ebenfalls geerntet werden. Krankheiten wie Blattläuse und Mehltau schaden der Pflanze.

Dem Feldsalat ist nicht anzusehen, welche Heilkräfte in ihm stecken. Nach der Petersilie weist er den höchsten natürlichen Eisengehalt auf. Der Gehalt an Vitamin C und Betakarotin ist wesentlich höher als beim Kopfsalat. Ätherische Baldrianöle, Vitamine der B-Gruppe sowie Mineralstoffe und Folsäure komplettieren die Inhaltsstoffe.

Der Geschmack von Feldsalat ist mild, nussig und wesentlich kräftiger als der von kultiviertem Salat. 

Feldsalat wirkt sanft entwässernd und erhält jung und schön. Er ist durch Provitamin A gut für die Haut sowie die Augen und kann durch seine geringen Kalorien beim Abnehmen helfen. Die ätherischen Baldrianöle und Mineralstoffe wirken nerven- und muskelstärkend. Durch den hohen Vitamin C-Gehalt galt Feldsalat als ein Kraut gegen den „bösen Scharbock“, gegen Skorbut. Die Pflanze wurde von manchen Ärzten früher als „Vespermahlzeit“ empfohlen, um Schlaflosigkeit zu bekämpfen.

Es soll über 1.000 Rezepte zur Zubereitung von Feldsalat geben. So kann die Pflanze mit den unterschiedlichsten Ausgangsprodukten kombiniert werden und bereichert dadurch unser Speiseangebot.

Personen mit Nierenleiden sollten vorsichtig sein, da im Feldsalat auch Oxalsäure enthalten ist, die diesen Personen schaden kann

Sicher ist vielen das Märchen „Rapunzel“ der Gebrüder Grimm bekannt. Die werdende Mutter sah im Garten der bösen Zauberin ein Kraut, welches sie begehrte. Der Mann beschaffte es seiner Frau und so konnte das Wunschkind nach langer Zeit geboren werden. Als Gegenleistung forderte die Zauberin das Kind. Märchen tragen immer einen Funken Wahrheit in sich. So ist bekannt, dass Folsäure während der Schwangerschaft für das Wachstum, die Zellteilung und der Produktion von DNS wichtig ist und im Feldsalat ist diese ja auch enthalten. Es lohnt sich, dieses Märchen wieder mal zu lesen.

Dr. Hannelore Pohl

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