Heimische Heilpflanzen: Christophskraut

Foto: Dr. Hannelore Pohl
Foto: Dr. Hannelore Pohl

Im Botanischen Garten gibt es immer wieder neue Pflanzen zu entdecken. So faszinierte mich im vergangenen Jahr das Christophskraut (Acteae spicata). Die Pflanze gehört zur Familie der Hahnenfußgewächse. Sie ist in ganz Europa verbreitet, wächst auf feuchtem und kalkhaltigem Untergrund, in schattigen Berg- und Schluchtwäldern und bevorzugt Laub- und Tannenwälder. Volle Sonne und tiefe Schatten mag sie nicht. Bei hoher Luftfeuchtigkeit und sommerlicher Kühle fühlt sie sich wohl.

Christophskraut ist eine ausdauernde Pflanze. Aus ihrem Wurzelstock entspringen mehrere 30- 60 cm hohe Stängel. Interessant sehen die Blätter aus. Sie sind 3- zählig und haben gefiederte und am Rand gesägte Teilblätter. Werden die Laubblätter zerrieben, entströmt ihnen ein unangenehmer, scharfer Geruch. Von Mai bis Juli erscheinen die weißen Blüten, die in Trauben stehen und zahlreiche hervorstehende Staubblätter aufweisen. Die Bestäubung erfolgt durch Käfer, die ein reiches Pollenangebot nutzen können. Von Juli bis September reifen die Früchte, etwa erbsengroße, schwarz glänzende Beeren. Vermehrt wird die Pflanze vorwiegend vegetativ, über Rhizome.

Doch Vorsicht, Christophskraut ist giftig! Allerdings gehen die Meinungen darüber etwas auseinander. Teilweise wird vor der gesamten Pflanze gewarnt, andere Autoren sprechen nur von einer Giftigkeit der Beeren und Samen. Vergiftungserscheinungen wirken sich mit Rötungen auf der Haut (äußerlich) und Übelkeit (innerlich) aus.

Als Inhaltsstoffe sind das Alkaloid Magnoflorin, das eine ähnliche Wirkung wie Protoanemonin hat, Saponine und Flavonoide bekannt.

Traditionell wurde Christophskraut als Heilmittel der Volksmedizin verwendet. Äußerliche Anwendungen erfolgten bei Hautkrankheiten, innerlich bei Asthma und Kropfbildung, auch als Brech- und Abführmittel.

Christophskraut wirkt schweißtreibend, entzündungshemmend und soll Ängste lösen. Verwendung finden das Kraut, die Beeren und der Wurzelstock.

Ein Auszug aus den Beeren kann wie folgt hergestellt werden: 7 Beeren werden mit 750 ml 40%igen Alkohol übergossen und 8 Wochen verschlossen gehalten. Bei Kopfschmerzen, Magenverstimmung und zur Verdauungsförderung soll ein halbes Schnapsglas vollgetrunken werden.

In der Homöopathie findet die Pflanze häufiger Anwendung, vor allem bei Rheumaschmerzen der Hände und Füße, die bei Kälte und Anstrengungen auftreten.

Christophskraut ist eine alte Ritual- und Heilpflanze. Der deutsche Name bezieht sich auf den hl. Christophorus, der um 249 n.Chr. den Märtyrertod erlitten haben soll. Verschiedene Legenden ranken sich um ihn. So soll Christophorus, der ein Riese mit dem Namen Reprobus war, Menschen über einen Fluss getragen haben. Eines Tages kam ein kleines Kind zu ihm. Reprobus nahm es auf seine Schultern und wollte die leichte Last an das andere Ufer bringen. Die Last wurde jedoch immer schwerer und der starke Mann tauchte erschöpft ins Wasser. Es war Christus, den Reprobus auf seinen Schultern getragen hatte. So wurde er auf den Namen Christophorus (Christusträger) getauft. Er gehört zu den 14 Nothelfern, die in der kath. Kirche als Schutzpatron im Gebet angerufen werden. In der ev. Kirche gelten sie allgemein als Vorbilder im Glauben. Christophorus gilt als Nothelfer u.a. zur Rettung aus jeglicher Gefahr, als Schutzheiliger der Reisenden, gegen Epilepsie, Hungersnot, Pest, Gewitter und Hagelstürme. In vielen Kirchen ist Christophorus als Figur zu finden, so auch in der Basilika Vierzehnheiligen.

In diesem Jahr findet die Messe „Haus-Garten-Freizeit“ in der Zeit vom 23.02. bis 03.03. statt. Der Botanische Garten Oberholz kann sich wieder am Stand der Kleingärtner in der Halle 1 präsentieren. Für Mittwoch, den 27.02.  laden wir zum Kräutertag ein.

Dr. Hannelore Pohl

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