SLK-Fotos:  Begrüßung durch Robby Müller (l.) / Jörg Krüger beim Vortrag (r.)  

Zum diesjährigen Erfahrungsaustausch hatten die Leipziger Kleingärtner den Landesgartenfachberater Jörg Krüger aus Zittau eingeladen. Zu seinem fundierten Vortrag über "Unzulässige Bepflanzung im Kleingarten" kamen 42 Fachberaterinnen und Fachberater aus 40 Kleingärtnervereinen (KGV) am 1. November 2018 in die Vereinsgaststätte des Schrebervereins "Leipzig-Lindenau" (Friesengärten). Der Vorsitzende des Stadtverbandes Leipzig der Kleingärtner e.V. (SLK), Robby Müller, begrüßte den Referenten.

Das Programm sah vor, dass der "oberste" Gartenfachberater des Freistaates Sachsen im ersten Teil des Erfahrungsaustausches über das hochbrisante Thema der Anpflanzungen referierte und es im zweiten Teil zu einem Austausch der Meinungen zum Thema und ganz besonders zu der zukünftigen Herangehensweise bei der Durchsetzung eines vertragsgemäßen Zustandes komme.

Einleitend nahm Jörg Krüger Bezug auf die Rahmen-Kleingartenordnung (RKO) des Landesverbandes Sachsen der Kleingärtner e.V. (LSK) mit den darin genannten verbotenen Gehölzen in Kleingärten. Dies untergliederte der Fachmann in drei Kategorien der Verbotsgründe:

  1. Zu starkes Wachstum
  2. Krankheiten
  3. Neophyten

In der ersten Kategorie ist generell das Verbot von Wald-, Park- und Friedhofsgehölzen sowie aller Arten von Wacholder (juniperus) integriert (siehe Auflistung der Nadel- und Laubbäume in der RKO)! Die Wuchshöhe zugelassener Gewächse sollte auf 3 m begrenzt bleiben, da - je nach Standort des Baumes innerhalb der Parzelle - eine Verschattung (durch den Tageslauf der Sonne) sowie durch Druck von Wurzeln die Beeinträchtigung der kleingärtnerischen Nutzung zur Folge hat. Auch haben wuchernde Pflanzen, wie Bambusgewächse und Chinaschilf in Kleingärten keiine Daseinsberechtigung.

In Kategorie zwei wies Jörg Krüger auf die Meldepflicht des Feuerbrandes bei dessen Erkennen hin, denn dieser ist eine der gefährlichsten Kernobstkrankheiten! Ein Dauerthema ist auch der berüchtigte Birnengitterrost, dessen Hauptwirt der Wacholder (juniperus) ist. Hier müssen die Fachberater an der Basis bei den Kleingärtnern über die Zusammenhänge stets Aufklärungsarbeit leisten.

In die dritte Kategorie werden die Neophyten eingruppiert. Diese sind, so die Definition, durch die Schifffahrt, nach der Entdeckung Amerikas 1492, bewusst oder unbewusst in unsere Breiten eingeführt worden. Besonders prekär sind die invasiven Neophyten, denn diese haben ein überbordendes Ausbreitungspotenzial und verdrängen unsere einheimischen Pflanzen. Bei einer Erhebung 2016 wurden 38 Arten als invasiv eingestuft. Diese haben in unseren Kleingartenanlagen (KGA) absolut nichts zu suchen, da sie unbeherrschbar sind! Unter dieser Artengruppe befinden sich auch Gewächse, die bedrohlich negative Wirkungen auf die menschliche Gesundheit haben. Die Namen von Beifußblättriges Traubenkraut (Ambrosia artemisiifolia) und Riesen-Bärenklau (Heracleum mantegazzianum) dürfte wohl jeder schon einmal gehört haben. In diesem Zusammenhang verwies Jörg Krüger auch auf das Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG), dass sich im § 40 mit dem Ausbringen von Pflanzen und Tieren befasst.   

          Foto - Brunga (l.): Beifußblättriges Traubenkraut  / Foto - Mbdortmund (r.): Riesen-Bärenklau           

Bei der Diskussion im zweiten Teil des Erfahrungsaustausches plädierten mehrere Fachberaterinnen und Fachberater dafür, dass die unerwünschten Anpflanzungen nicht erst bei einem Pächterwechsel "am St. Nimmerleinstag" gerodet werden, sondern schon möglichst zeitnah, ab jetzt gerechnet, um derer noch Herr zu werden. Gartenfachberater Edgar Schmitt empfahl als eine "Bekämpfungsmethode", den Wurzeln die Wasseraufnahme zu erschweren bzw. fast unmöglich zu machen, indem man sie mit Teichfolie (!) abdeckt und mit Steinen (z.B. Gehwegplatten) beschwert. Dies hat zur Folge, dass sich das Wachstum merklich verringert. Auch forderten die Teilnehmer, dass verstärkt auf "Blumenweiden", d.h. einheimische Gehölze, zu setzen ist, damit man der arg lädierten Artenvielfalt einen Aufschwung ermöglicht. 

SLK-Chef Robby Müller merkte in diesem Zusammenhang an, dass einige Vorstände die Courage haben, eine Wertermittlung erst durchführen zu lassen, wenn der abgebende Pächter sämtliche, nicht statthafte Gehölze entfernt hat. Dies ist möglich, weil in Sachsen beschlossen wurde, für KGA das Fällverbot während der Vegetationsphase aufzuheben und einen "Bestandsschutz", wie von manchem Kleingärtner spitzfindig vorgetragen, gibt es für Anpflanzungen ohnehin nicht.

Nach rund 1 1/2 Stunden bedankte sich Landesgartenfachberater Jörg Krüger bei den Leipziger Gartenfreundinnen und Gartenfreunden für die Aufmerksamkeit und die recht angeregte Diskussion.

Lothar Kurth