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Rainer Proksch - Mitglied der Garten-Fachkommission (GFK) des Stadtverbandes Leipzig der Kleingärtner (SLK) und Leiter des Fachberater-Stammtisches Südwest - hat hier ein umfassendes Beratungsmaterial zum Tomatenanbau zusammengestellt. Auch erfahrene Kleingärtner können hier ihr Wissen aktualisieren: Sortenwahl, Kulturbedingungen, Schädlingsbekämpfung usw.

In den Jahren 2009 und 2010 erschienen 12 Folgen über den Tomatenanbau im Kleingarten. Diese erfolgreiche Serie wird jetzt fortgesetzt, bzw. in Teilen aktualisiert.

Was erwartet uns in den neuen Folgen:

  • Sind veredelte Tomaten auch für unsere Kleingärten geeignet?
  • Blütenendfäule, Symptome und Abhilfe
  • Erfolgreicher Anbau von Tomaten im Pflanzkübel und im Sack mit Kulturerde
  • Empfehlenswerte alte und neue Tomatensorten für den Kleingarten
  • Die Tomatenminiermotte, ein neuer Schädling befällt Tomaten

 

Rainer Proksch - Gartenfachberater der Fachkommission des Stadtverbandes

201504 R.Proksch Tomaten 6785Auch Tomaten können in Töpfen oder Kübeln gezogen werden, aber nur eintriebig. Nach und nach werden die unteren Blätter entfernt, so dass etwa 40 cm frei bleiben. Das verbessert die Ventilation und verringert den Pilzbefall. Am besten haben sich standfeste Pflanzkästen oder Keramik- bzw. Plastikkübel mit Abzug dafür bewährt.

Der Kübel sollte ausreichend groß sein mit Abzug, etwa 40 x 40 cm Seitenlänge, oder 50 cm Durchmesser. Optimal ist ein Erdgemisch aus halbverrottetem Kompost, Lehm, Sand und Kalk (Basaltmehl) oder auch Blumenerde, Gartenerde mit Lehmanteil, Sand, Kalk und viel Humus, z.B. Gartenkompost. Kalk und Lehm sorgen für Wohlgeschmack.

Foto: Rainer Proksch - Kübelpflanze

 

Ein besonderes Phänomen bei Tomaten sind rote, reif aussehende Früchte, die jedoch hart, pelzig und ungenießbar sind. Die Früchte haben eine glanzlose Fruchtschale sowie verkümmerte Samenstände mit wenigen Kernen. Oft befinden sich diese Tomaten mit normal aussehenden und gesunden an einer Fruchttraube, meist sind sie jedoch kleiner als die anderen. Was könnte die Ursache dafür sein? Die Antwort habe ich im Info-Forum bei Kiepenkerl gefunden.

2014 08 Tuta-absoluta WikipediaDie Tomatenminiermotte (Tuta absoluta) ist eine Kleinschmetterlingsart, die hauptsächlich die Tomatenpflanzen schädigt. Ursprünglich stammt sie aus Südamerika und wird dort als der wichtigste Tomatenschädling im Freiland sowie im geschützten Anbau (Folientunnel und Gewächshaus) angesehen. Seit den Anfängen der 1980er Jahre ist sie als Schädling in ganz Süd- und Mittelamerika bekannt.

Seit die Tomatenminiermotte das erste Mal 2006 in Spanien gefunden wurde, breitete sie sich sehr schnell in den Ländern der Mittelmeerregion aus und verursacht erhebliche Schäden an Tomatenkulturen. Weitere Vorkommen konnten auch in Mitteleuropa nachgewiesen werden.

Foto: Tomatenminiermotte - Wikipedia

2014 06 Rote T wikipediaDie Blütenendfäule kann an Tomate, Zucchini, Paprika und Kürbis auftreten. Es handelt sich nicht um einen Schädlings- oder Pilzbefall, sondern um eine Stoffwechselerkrankung. Sie zeigt sich als runder, brauner oft schwarzgrüner, häufig eingesunkener Fleck an der Ansatzstelle der Blüte an noch nicht reifen Früchten. Die Flecken vergrößern sich nach und nach und werden lederartig hart. Bei Tomate und Paprika sind die jungen Blätter deformiert und bleiben im Wuchs stecken. Anfällig sind alle Sorten, besonders die länglichen flaschenförmigen Früchte.

Foto: Blütenendfäule an roten Früchten - Wikipedia

2014 04 T 13 3Zunehmend werden im Fachhandel veredelte Tomatenpflanzen angeboten. Nicht nur im Profianbau sondern auch bei Hobbygärtnern setzen sich veredelte Sorten im Anbau immer mehr durch.

Die Veredelung von Tomaten auf besonders wüchsige und krankheitsresistente Unterlagen hat sich nach langjähriger Prüfung bewährt. Die Pflanzen wachsen, ähnlich wie die Gurken, sowohl im Gewächshaus als auch im Freiland deutlich schneller, können länger geerntet werden und die Ernten fallen erheblich höher aus.

Foto: Rainer Proksch - Tomatenpflanze, Sorte "Sportivo", dreitriebig kultiviert

Verarbeitung von Tomaten

Tomaten gehören zu den Früchten, die heutzutage ganzjährig angeboten werden. Je nach Jahreszeit variieren die in unseren Breitengraten angebotenen Sorten allerdings sehr im Geschmack. Besonders würzig sind unsere Gartentomaten, da diese voll ausreifen können. Die Transportwege sind kurz und die Zubereitung kann noch am gleichen Tag erfolgen. Wenn mal zu viele Früchte anfallen sollte man diese zeitnah verarbeiten, damit das Aroma erhalten bleibt. Wie schon in Folge 2 erwähnt, bleibt der in Tomaten enthaltene Wirkstoff Lykopin beim Erhitzung von Früchten im vollen Umfang für den menschlichen Körper verfügbar.

Einige Rezepte von leckeren Tomatenzubereitungen bilden den Abschluss dieser Serie.      

Sortenwahl

Es gibt viele tausend Tomatensorten. Jedes Jahr kommen weitere hinzu. Bei der Zucht geht es vor allem um Resistenzen gegen Umwelteinflüsse und Krankheiten sowie hohen Ertrag und Kompatibilität mit hochtechnisierten Verfahren. Beim Anbau im Kleingarten spielen solche Faktoren keine große Rolle. Unter Beachtung des Geschmacks und der Resistenzen habe ich einige anbauwürdige und Liebhabersorten für den Kleingarten ausgewählt.

Vitella F1

ist als erste runde Stabtomatensorte,  die gegen die Kraut- und Braunfäule weitgehend resistent ist, zugelassen worden. Ihr Längenwachstum stoppt von selbst, wenn sich sechs bis acht Trauben ausgebildet haben. Das Kappen der Triebe entfällt. Für Freiland und Gewächshaus geeignet.

Vanessa F1

ist eine sogenannte Longlife- Tomate. Sie muss mangels Nachreifung vollreif gepflückt werden. Die Tomaten können extrem lange (bis zu 6 Wochen) lagern. Die Haltbarkeit wurde ohne  Gentechnologie gezüchtet. Die runden bis flachen Früchte haben eine schöne rote Farbe und ein Fruchtgewicht von 120 bis 150 Gramm.