Hallo, hier ist wieder der „Garten-Olaf“.

Allen Lesern, Gartenfreundinnen und Gartenfreunden möchte ich ein friedliches Jahr 2018, Gesundheit und vorzeigbare Ernteerfolge wünschen.

In der Dezember-Ausgabe hatte ich Ihnen zum Thema „Mit dem Garten alt werden“ versprochen, einige Tipps zur Gestaltung Ihrer Parzelle gegeben. Im Idealfall denkt man schon bei der Übernahme eines Gartens daran, unter welchen Bedingungen man ihn im Alter nutzen möchte. In jungen Jahren „blendet“ man z.B. das Problem der Barrierefreiheit völlig aus. In späteren Jahren ist schon eine einzeln Stufe der Garant für eine Stolperfalle.

Einige Grundüberlegungen zur Gestaltung der Parzelle:

Bereits vor (!) der Pachtung eines Gartens sollte man sich bewusst sein, dass ein Kleingarten im Sinne des Bundeskleingartengesetzes (BKleingG) kleingärtnerisch zu bewirtschaften ist, d.h. es ist mindestens ein Drittel der Gartenfläche mit Obst und Gemüse zu bebauen. Hier ist die 16-seitige Kleingartenordnung (KGO) des Stadtverbandes Leipzig der Kleingärtner (SLK) von 2013 im A 5-Format eine hilfreiche Anleitung.

Hohe und überalterte Obstbäume, alle Ziergehölze, die von Natur aus eine Wuchshöhe größer als 2,50 m erreichen, sowie Park- und Waldbäume sollten mit der Übernahme der Parzelle entfernt werden (u.a. Koniferen, Thujen, Scheinzypressen, Kiefern, Fichten, Tannen und Hasel).

Bei der Einzäunung zum Weg ist ihr Zustand zu prüfen. Ist eine Erneuerung sinnvoll, wählt man, nach vorheriger Abstimmung mit dem Vorstand, ein in der Anlage geläufiges Material, das auch einen erträglichen Pflegeaufwand hat. Zwischen den Parzellen muss nicht unbedingt eine Abgrenzung errichtet werden.

Benötigt man ein Refugium für den Nachwuchs, sollte es so gestaltet sei, dass man es später wieder entfernen und die Fläche anderweitig nutzen kann. Nicht immer muss es eine Holzhütte oder ein Baumhaus sein, auch eine Weidenhütte fördert den Spieltrieb der Sprösslinge.

Möchte man einen Steingarten anlegen, ist daran zu denken, dass spätestens bei der Aufgabe der Parzelle Aufschüttungen wieder zu beseitigen sind (auf Verlangen des Vorstandes).

In den meisten Fällen steht jedoch der Wunsch, den bereits über Jahre genutzten Garten umzugestalten, weil die körperliche Arbeit zunehmend schwerer fällt. Deshalb, möglichst frühzeitig damit beginnen.

Herangehensweise an die neue Gartengestaltung:

  1. In einen Lageplan werden maßstabgerecht die vorhandenen Baulichkeiten, bauliche Anlagen, Wege und Nutzungen (Obst, Gemüse, Rasen, Ziergehölze, Zierbepflanzungen u.a.) eingetragen.
  2. Alle Wünsche auflisten, die der Nutzung des Gartens im Alter entgegenkommen.
  3. Prüfen des Ist-Zustandes mit dem geplanten Soll-Zustand. Was soll erhalten bleiben und was soll/muss weichen! Hier ist besonderes Augenmerk auf bereits angesprochene zu hohe, zu alte oder zu dicht stehende Gehölze zu legen, die durch neue Anpflanzungen zu ersetzen sind. Man bedenke, Neuanpflanzungen benötigen auch Zeit, um heranzuwachsen.
  4. In einen zweiten maßstabgerechten Lageplan trägt man die geplanten Veränderungen für den Soll-Zustand ein. Auch ist die zeitliche Abfolge der Veränderungen nicht zu vergessen. Sinnvoll wäre folgender Ablauf:
    >  Änderungen bezüglich der baulichen Anlagen und Einrichtungen;
    >  Änderungen in der Geländegestaltung, insbesondere der Wegeführung (Gefälle der Wege nicht über 7%) und Treppengestaltung (Höhe Stufen max. 15 cm, besser 12 cm);
    >  Beseitigung zu großer, überalterter und nicht zulässiger Gehölze;
    >  Änderungen bezüglich der Obstgehölze, Ersatz hoher Bäume durch Niedriggehölze (Beachtung der Auswahl von Obstgehölzen an den jeweiligen Standorten; Gartenfachberater des Vereins zu Rate ziehen);
    >  Änderungen hinsichtlich Einfriedung (man muss nicht alles einzäunen oder mit Hecken bepflanzen);
    >  Veränderungen in Bezug auf die Bewässerung der Kulturen;
    >  Neuerungen zur Gestaltung der Gemüseareale (z.B. Hoch-, Flach- und Hügelbeete), Breite der Beete sowie Breite der Wege zwischen den Beeten;
    >  Änderungen des Sitzbereiches inkl. Bepflanzung und Pflegeaufwand.   
  5. Genau abzuwägen sind beim künftigen Gemüseanbau der Arbeitsaufwand und der Verzehrwunsch (Vorlieben für bestimmte Sorten).
  6. Auch wenn es gestandenen Kleingärtnern schwer fällt, sollte man den Zeitpunkt des Abschieds von seiner geliebten Parzelle nicht von sich schieben! Frühzeitig beginnt man mit dem Aufräumen und Entrümpeln (vergleichbar mit dem Keller bei der Wohnung) nach der Devise „was man ein Jahr lang nicht in den Händen hatte, wird auch nicht mehr benötigt“. Hier sollte man langfristig herangehen.

2018 01 Dr. Rudolf Trepte2018 01 Olaf  WeidlingAm aufwändigsten wird es, wenn vor der Abgabe der Parzelle Gehölze zu entfernen sind, die nach KGO gar nicht in den Garten gehören oder oft schon zu alt oder gar krank sind. Hier rächt sich jahrelanges Nichtstun, denn die Gehölze haben in der Zwischenzeit ihr Wachstum nicht eingestellt!

Derartige Ansichten bieten sich leider häufig bei Besuchen in den Kleingartenanlagen.  

Fotos: Dr. Rudolf Trepte (li.) und Olaf Weidling (re.) 

Älterwerden in unserer Gesellschaft macht auch vor den Kleingartennutzern nicht halt. Gärten für Bürger im 3. Lebensabschnitt einrichten zu wollen, ist zwar löblich, aber entscheidend ist die Akzeptanz dieses aus dem Denkschema der Dienstleistungsgesellschaft entspringenden Vorhabens.

Es geht nicht um einen altersgerechten Garten für den Gartenfreund, sondern mit und durch den Kleingärtner selbst. Darauf muss sich die Gartenfachberatung einstellen, den Pächtern zu helfen, sich ihren „Altersgarten“ durch Vereinfachung einzurichten und das im Einklang mit den Erfordernissen der kleingärtnerischen Nutzung. Dabei geht es nicht nur um das Aufzeigen der Notwendigkeit sowie das Geben von praktikablen Hinweisen, sondern auch um das Schaffen von Beispielen und deren Verallgemeinerung. Wichtig ist, die Zeitdauer für eine solche Umstellung realistisch einzuschätzen und auch Aussagen über den erforderlichen finanziellen Aufwand zu treffen.

Die ständige fachliche Betreuung der Umstellung, das Zusammenführen Gleichgesinnter und der Erfahrungsaustausch bei der Umsetzung sind nicht nur notwendig, sondern sie geben der Gartenfachberatung eine völlig neue Zielrichtung. Fachberatung wird damit zugleich zu einem wichtigen Bestandteil der Sozialarbeit mit den älteren Gartenfreunden. Dieser Herausforderung sollten wir uns stellen. 

Euer „Garten-Olaf“