Gruendonnerstagssuppe im BrotmantelEine Suppe aus neunerlei Kräutern gab es schon bei unseren Vorfahren, den Germanen und Kelten. Dreimal drei Zauberpflanzen wurden dafür ausgewählt. Diese Kräuter sollten den Winter aus dem Körper der Menschen vertreiben und ihnen Gesundheit und Kraft für das neue Jahr bringen.

Im Mittelalter übernahmen die Christen diesen Brauch allerdings, um mit der leicht bitteren Suppe an das Leiden Christi in der Karwoche zu erinnern. Der Gründonnerstag wurde zum fixen Termin für diese Ritualspeise. Dem Volksglauben nach sollte der Verzehr der grünen Suppe das ganze folgende Jahr vor Krankheiten bewahren.

Foto - Rainer Proksch: Eine hübsche Augenweide im Brotmantel ... und auch sehr schmackhaft ... probieren

Der Naturforscher Alexander von Humboldt schwor auf den Wert der Frühlingssuppe, er verzehrte sie mehrere Wochen lang. Die von ihm verwendeten Kräuter sind sogar überliefert: Gundelrebe, Schafgarbe, Brunnenkresse, Spitzwegerich und Gänseblümchen. In der heutigen Zeit wissen wir, wie heilkräftig die ersten wild wachsenden Kräuter sind. Labortechnische Untersuchungen können dies bestätigen.

Für Frühlingssuppen gibt es nicht nur ein Rezept, sondern ganz viele. In jeder Gegend wachsen andere Kräuter. Deshalb nutzt man das Pflanzenangebot aus dem Kleingarten oder rund um seinen Wohnort. Ist das nicht möglich, kann man Frühlingskräuter auf dem Bauernmarkt kaufen.

Verwendet werden meist folgende Kräuter: Bärlauch, Sauerampfer, Kerbel, Zitronenmelisse, Kresse, Dill, Petersilie, Thymian, Schnittlauch, Salbei, Giersch, Melde, Spitzwegerich, Brennnessel, Vogelmiere, Gänseblümchen, Blätter von Löwenzahn und Gundermann.

Wilde Kräuter enthalten sehr viel mehr Mineralstoffe und Vitamine als gezüchtete Pflanzen. Brennnesseln enthalten zum Beispiel sehr viel Eisen, Kalzium und die Vitamine A und C. Löwenzahn enthält wiederum viele gesunde Bitterstoffe und Mineralien. Dem Bärlauch wird eine darmregulierende und reinigende Wirkung zugesprochen. Kieselsäure für Haut und Haare enthält in besonderem Maße die Vogelmiere. Eine grüne Frühlingssuppe kann somit Medizin für den Körper sein und das Wohlbefinden fördern.

Die Zahl 9 gilt in vielen Kulturen als heilig. In der Zahl 9 ist auch das "Neue" enthalten. Es ist die Zahl der Initiation und der Bündelung von Kräften, damit Neues verwirklicht werden kann.

Für eine Gründonnerstagssuppe wählt man nun Dreimal Drei Kräuter aus, deshalb auch im Volksmund „Die Grüne Neune“ genannt. Man nehme für den Suppenansatz:

  • 1 Esslöffel Öl,
  • 1 Knoblauchzehe,
  • 1 Zwiebel,
  • 2 bis 3 Möhren,
  • 500 Gramm Kartoffeln,
  • 1 Liter Wasser,
  • Salz, Pfeffer, Muskat je nach Geschmack,
  • 2 Tassen Milch oder 1 Tasse Sahne.

Als Kräuter nach eigener Auswahl:

  • je 2 Handvoll Brennnessel, Giersch, Melde, Spitzwegerich, Gänseblümchen,
  • je 1/2 Handvoll Vogelmiere, Kresse, Blätter des Löwenzahn und Gundermann. 

Das Öl im Topf erhitzen, Knoblauchzehe und Zwiebel klein hacken, anschwitzen. Möhren und Kartoffeln klein würfeln, ebenfalls kurz anschwitzen, Wasser zugeben. Nach 5 Minuten die Wildkräuter klein hacken und zugeben.

Alles auf kleiner Flamme köcheln lassen, mit Salz, Pfeffer, Muskat und Pflanzenwürze abschmecken. Zum Schluss die Milch oder Sahne einrühren. Die Suppe kann in einem Suppentopf aus Brot serviert werden, das verleiht ihr noch ein besonderes Ambiente.

Rainer Proksch – Gartenfachberater der Fachkommission des Stadtverbandes