Bodendecker im Kleingarten

 

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Edgar Schmitt - Gartenfachberater im KGV "Alt-Schönefeld" ist ein absoluter Kenner der Pflanzenwelt. Jahrzehntelang hatte er berufsbedingt mit der "Materie" zu tun und ist ein studierter Fachmann durch und durch.

Nicht nur mit den "althergebrachten" und traditionellen Gewächsen beschäftigt sich Edgar Schmitt. In seinen Fortsetzungsreihen "Neue Obstarten im Kleingarten""Gemüsevielfalt im Kleingarten""Salatvielfalt im Kleingarten""Beet- und Balkonpflanzen", "Kräuter im Kleingarten" sowie "Bodendecker im Kleingarten". Er schärft auch den Blick - für uns Mitteleuropäer - u.a auf exotische Pflanzen gemäß seinem Credo, "alles einmal ausprobieren".

Foto: Edgar Schmitt

201805 Herniaria glabra Michael Becker CC BY SA 3.0Bruchkraut (Herniaria). Die Pflanze gehört zu den Nelkengewächsen. Das sieht man ihr aber nicht an. Das Bruchkraut hat winzige Blüten die hellgrün sind und in Knäulen sitzen. Die Blütezeit ist von Juni bis August, wird aber kaum wahrgenommen. Der botanische Name ist von Bruch (lat. hernia) abgeleitet.

Bruchkraut kommt in Europa, Nordafrika und Asien vor. Dort gibt es viele verschiedene Arten. Bei uns kommt allerdings nur das Kahle Bruchkraut (Herniaria glabra) in Frage. Diese Art ist an Stellen mit durchlässigem Boden (also eigentlich in jedem Garten) sehr gut als Rasenersatz geeignet. „Ersatz“ ist eigentlich nicht die passende Bezeichnung.

Foto - Michael Becker: Bruchkraut

201804 Saxifraga sempervivum Botanical garden Munich Orjen CC BY SA 3.0Steinbrech (Saxifraga). Die Pflanze kann scheinbar Steine brechen. Deshalb bezieht sich der botanische Name auf: saxum = Fels und frangere = brechen. Der Steinbrech ist mit mehr als 300 Arten auf der ganzen Welt anzutreffen. Außerdem gibt es zudem viele Formen und Sorten. Damit eine Unterscheidung und Zuordnung einigermaßen möglich ist, hat man Gruppen gebildet: Moosartiger Steinbrech, Kalkausscheidender Steinbrech, Frühblühender Steinbrech, Purpurgefärbter Steinbrech und Robertson-Steinbrech.

Die vielen Arten der großen Familie Steinbrechgewächse kann man nur in einem dicken Buch beschreiben. Deshalb nenne ich hier nur wenige und beschränke mich nur auf bodendeckende Arten. Eine allgemeingültige Kulturbeschreibung ist leider nicht möglich, weil die Ansprüche der unterschiedlichen Arten verschieden sind.

Foto - Orjen: Steinbrech (Saxifraga sempervivum)

201803 Acaena elongata Franz Xaver CC BY SA 3.0Stachelnüsschen (Acaena). Der botanische Name bedeutet: akene = Nüsschen. Kaum vorstellbar, dass dieser Winzling zu den Rosengewächsen gehört. Das Stachelnüsschen ist mit 60 Arten auf der südlichen Halbkugel beheimatet und kommt vorwiegend in Australien, Neuseeland und Feuerland vor. Allerdings sind in Deutschland nur wenige Arten winterhart. Die immergrünen Pflanzen haben rosenähnliche Blätter, die unpaarig gefiedert sind. Die kleinen Blüten sind, von weiten gesehen, unscheinbar. Nahe betrachtet, sieht man kleine Köpfchen oder Ähren mit 4 bis 7 Kelchblättern, die mit je 4 widerhakenähnlichen, borstigen Stacheln besetzt sind. Die „Früchte“ sind rötliche, kugelige, stachlige Köpfchen. Die Stachelnüsschen haben ober- und unterirdische Ausläufer.

Foto - Franz Xaver: Stachelnüsschen

201802 Mauerpfeffer Owald Engelhardt CC BY SA 3.0Fette Henne (Sedum). Der botanische Name bedeutet: sedere = sitzen. Auch diese Pflanze gehört, wie viele Bodendecker, zu den Dickblattgewächsen (Crassulaceae). Allerdings ist Sedum mit 420 Arten (!) die umfangreichste Gattung dieser Familie. Dazu kommen noch zahllose Sorten.

Als sitzend wird man wohl die Eigenschaft vieler Sedum-Arten bezeichnet haben, weil sie so genügsam sind und auf Steinen aufsitzend wachsen können. Die Gattung Sedum ist auf der ganzen nördlichen Erdkugel verbreitet. Arten von Erdteilen und Ländern, in denen es kaum Frost gibt, finden sich bei uns als Zimmerpflanzen in Gartenmärkten.

Foto: Oswald Engelhardt - Scharfer Mauerpfeffer

201801 Edgar Schmitt 70(5)In diesem Jahr schreibe ich eine neue Serie zum Thema Bodendecker. Diese Pflanzen können eine zusammenhängende Fläche bedecken, eben wie eine Decke oder ein Teppich. Die Bodendecker können einen Rasen, Polster, Rosetten oder Horste bilden. Ihre vegetativen Teile (Blätter, Zweige) wachsen kaum in die Höhe und ihre generativen Teile (Blüten-, Fruchtstände) bleiben ebenfalls niedrig.

Bodendecker sind weit verbreitet. Es gibt welche in der Arktis, in Hochgebirgen, sogar in tropischen Wüsten und auf allen Erdteilen. Sie gehören zu den unterschiedlichsten Pflanzenfamilien. Ihr Erscheinungsbild ist sehr verschieden, wie auch ihre Ansprüche an den Boden und den Standort. In unserem „Umwelt- und Informationsgarten“ können Sie sich viele Bodendecker anschauen, die sogar begehbar sind: Kleingartenanlage „Alt Schönefeld, Garten-Nr. 166b.

Foto - Edgar Schmitt: Blühender Bodendecker