Biologischer Pflanzenschutz

Behrens Erik 

Ein zukunftsträchtiger Schwerpunkt auch in den Kleingartenanlagen ist der "Biologische Pflanzenschutz". Bisher war dieses Thema immer etwas im Hintergrund. Deshalb möchte der Autor dieses breitgefächerte Thema den Kleingärtnern näher ins Bewußtsein bringen.

In der Serie „Biologischer Pflanzenschutz " erläutert Erik Behrens - Mitglied der Garten-Fachkommission des SLK und Leiter des Stammtisches Süd ausführlich Wissenswertes über den biologischen Pflanzenschutz von A bis Z, den jeder Kleingärtner praktizieren kann.

Foto: SLK

 

 

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20160212 9187 HGFBewegung an frischer Luft, das weiß jeder, ist gesund. Körperliche Betätigung in einem Garten ist für viele Menschen ein willkommener Ausgleich zur beruflichen Tätigkeit. Auch ältere Menschen sehen die Arbeit im Garten als ein geeignetes Mittel, sich fit zu halten. Unbestritten sind manche Gartenarbeiten anstrengend, auch mal schmerzhaft oder treiben den Schweiß auf die Stirn. Geläufig ist das Sprichwort „Ohne Fleiß kein Preis“. Der erfahrene Hobbygärtner richtet sich seine Parzelle überschaubar ein. Hier sind Beete und bevorzugte Kulturen übersichtlich, Obstbäume leicht zu pflegen und „abzuernten“. Der große Vorteil eines Kleingartens ist aber, dass man selbst entscheiden kann, welche Obst- und Gemüsesorten dort wachsen sollen und dass diese immer frisch geerntet werden können.

Foto - Erik Behrens: Gemüsebeet auf der Messe "Haus-Garten-Freizeit (HGF) 2016"

In erster Linie werden schwache Pflanzen von Schaderregern befallen. Demnach werden Schädlinge als Bioindikatoren für schwache Pflanzen an ungünstigen Standorten oder bei unsachgemäßer Pflege verstanden. Der Schutz beginnt daher mit der Auswahl der richtigen Sorte und dem richtigen Standort zur rechten Zeit.

Melioration (ein Begriff aus dem Bereich der Bodenkunde) ist für den passionierten Kleingärtner nicht zwingend notwendig, soll aber bei ungünstigen Standorten den Pflanzen ein angenehmes Umfeld schaffen. Es sollte jedoch gelegentlich, zumindest aller drei Jahre eine Bodenanalyse Ihres Gartenbodens durchgeführt werden. Eine geeignete Einrichtung steht im Stadtverband Leipzig der Kleingärtner (SLK) zur Verfügung. Hier werden Mangelerscheinungen des Bodens festgestellt und gezielte Vorschläge zur richtigen Düngung und damit zur Bodenverbesserung sowie vor allem zur Erhaltung und Neuansiedlung der Bodenlebewesen unterbreitet.

201507 Mischkultur2 www.kleingaertnerin.deIm biologischen Gartenbau ist der Begriff „Mischkultur" in aller Munde. Gemeint ist damit eine Methode des naturgemäßen Anbaues, die sich seit vielen Jahren bewährt hat. Diese Anbaustrategie steht im Gegensatz zu den Verfahren in großen Gartenbaubetrieben oder der in der Landwirtschaft weit verbreiteten Monokultur.

Warum aber macht man sich die Mühe, unterschiedliche Pflanzenarten zusammen anzubauen, immer wieder neue Kombinationen auszuprobieren, um dann die erfolgreichsten Mischkulturen beizubehalten?

Foto: www.kleingaertnerin.de - Mischkultur aus Erdbeeren, Salatherzen und Zwiebeln

201505 Light-trap Gerhard-ElsnerSchädlingsbekämpfung: Bei der Anwendung von breit wirksamen Insektiziden besteht die Gefahr, dass die natürlich vorhandenen Nützlinge geschädigt oder gar total abgetötet werden. Die Folge ist, dass sich überlebende Insekten und Raubmilben, und neu zufliegende Schädlinge ungehemmt vermehren können, weil die Gegenspieler fehlen. Verschiedene Hilfsmittel ergänzen das Ablesen von den Pflanzen und das Einsammeln der unter Brettern oder Steinen und in der Erde versteckten Insekten. Aus der Vielfalt der Methoden seien einige kurz beschrieben.

Schmetterlingsnetz: Fliegende, ausgewachsene Insekten sind meistens nur bei warmer, trockener Witterung unterwegs. Bei extremen Temperaturen, bei Nässe und Wind halten sie sich verborgen. Bestimmte Arten fliegen nur in der Dämmerung oder nachts. Um mit dem Schmetterlingsnetz Erfolg zu haben, wählt man einen schönen Tag, eventuell auch den frühen Morgen. Man streicht mit dem senkrecht gehaltenen Netz mehrmals durch die befallenen Pflanzen.

Foto: Gerhard Elsner - Lichtfalle

201504 Biol.PS Jungamseln 0123 E.BehrensAls Nutzorganismen bezeichnen wir (abgesehen von Haustieren) einerseits bestäubende Insekten, z.B. Bienen, die einen großen Nutzen durch Honigproduktion und Befruchtung von Obstblüten erbringen, und andererseits solche Lebewesen (sogenannte Nützlinge), die Schädlinge an unseren Kulturpflanzen vermindern.

Je mehr Nützlinge vorhanden sind, umso mehr Schädlinge können akzeptiert werden, ohne sofort zur chemischen Keule greifen zu müssen. Die Schonung dieser natürlichen Gegenspieler ist somit vorbeugender biologischer Pflanzenschutz.

Foto: Erik Behrens - Jungamseln im Nest 

„Herbizid" oder auch „Unkrautmittel" - Immer wieder sehen wir in einigen unserer Kleingärtnervereine (KGV) die verbotene Unsitte, dass man mit Kochsalz gegen unerwünschte Wildkräuter vorgeht. Oftmals ist es Unwissenheit oder Bequemlichkeit, dass dieser Umweltfrevel begangen wird. Kein Wunder, dass mir bei derart Ungemach die Haare zu Berge stehen.

Hier tragen die Vorstände der KGV im Zusammenwirken mit den Fachberatern eine große Verantwortung im Bezug der fachlichen Anleitung der Mitglieder, denn „Umweltschutz geht alle an".

Nicht nur tierische Schädlinge, sondern auch Unkräuter und pilzliche Erreger lassen sich mechanisch abwehren. Eine vorbeugende Maßnahme gegen Unkrautaufwuchs und z.B. bei Erdbeeren gegen Pilzbefall ist das Mulchen mit Papier, Folie sowie Rinden- oder Holzmulch. Bei Erdbeeren, Himbeeren, Salat, Buschbohnen, Kohlrabi, Kraut, Lauch und Blumen wurden durchaus positive Erfahrungen mit Holzmulch gemacht. Bei einer Mulchdicke von 3 bis 5 cm zeigte sich eine deutliche Unkrautunterdrückung bei allen Kulturen. Bei Erdbeeren ging der Botrytis-Befall auf dem trockenen Mulch gegenüber anderen Jahren deutlich zurück.

Zusätzliche Vorteile zeigten sich. So blieb bei Himbeeren der Boden unter der Mulchschicht gleichmäßig feucht. Gießen war nicht mehr notwendig. Bei Salat wurde keine Salatfäule beobachtet. Buschbohnen waren vor der Aufbringung der Mulchschicht ausgesät worden. Sie durchbrachen diese und liefen zügig auf. Durch die dunkle Bodenauflage wird der Boden wärmer, eine frühere Ernte war die Folge. Bei Zwiebeln sollte nicht gemulcht werden. Wegen der andauernden Feuchtigkeit unter der Mulchschicht kann es zu Pilzerkrankungen an den Zwiebeln kommen.

Der biologische Pflanzenschutz inkl. seiner biologischen Schädlingsbekämpfung gewinnt als Alternative für Pestizide wieder an Bedeutung. Letztere hinterlassen aufgrund ihrer Persistenz Rückstände in der Natur und führen zu Akkumulation schädlicher Substanzen, die sich negativ auf die menschliche und ökologische Gesundheit auswirken. Außerdem können Schädlinge resistent gegenüber Giften werden.

Nach der Behandlung von Lebensmitteln mit Pestiziden, muss zudem eine Karenzzeit eingehalten werden, damit sich die Konzentrationen der schädlichen Stoffe abbauen können. Werden unspezifisch wirkende Pestizide angewandt, kann das außerdem zur Folge haben, dass gemäß der dritten Volterra-Regel die Population von Schädlingen schneller wächst, als die ihrer Fressfeinde, welche das Gleichgewicht ungünstig verschieben kann.

2014-08 Biol.PS-05Zur Bekämpfung von Schädlingen sind einige biologische Verfahren bereits seit Jahrzehnten in die Praxis eingeführt. Insgesamt hat die biologische Schädlingsbekämpfung in den letzten 30 Jahren vor allem wegen ihrer Umweltfreundlichkeit und weitgehenden Unbedenklichkeit für Anwender und Verbraucher ständig an Bedeutung gewonnen. Nun ist es natürlich so, dass biologischer Pflanzenschutz eher im großflächigen Obst- und Gemüseanbau seine volle Wirkung entfalten kann. Dennoch bleiben uns Kleingärtnern noch viele Möglichkeiten des biologischen Pflanzenschutzes. 

Bei der Bekämpfung von Blattläusen zum Beispiel unterstützen uns die Florfliege, der Marienkäfer und viele andere Nutzinsekten. In dem die Larven der genannten Insekten eine große Menge an Blattläusen vertilgen. Also müssen wir nur geeignete Unterkünfte schaffen. Diese lassen sich unauffällig im Kleingarten platzieren.

Foto Erik Behrens: Insektenunterkunft an einem Brunnen

Pflanzenschutz darf nicht erst mit dem Auftreten der Schadorganismen beginnen. Schon mit der Auswahl der Kulturen, der Sorten und der Anbaufläche fallen wichtige Entscheidungen über den langfristigen Gesundheitszustand unserer gärtnerischen Kulturpflanzen. Ein biologisch aktiver, in Struktur, Nährstoff- und Wassergehalt sowie im Säure-Base-Verhältnis pH-Wert) ausgewogener Boden schafft die Voraussetzung für wüchsige und damit weniger anfällige Pflanzen. Gleichmäßig fließende Nährstoffquellen sind zu bevorzugen.

Hier hilft vor allem auch ein gut gepflegter Kompost. Er sollte in keinem Garten fehlen. Allerdings sollten Ausläufer treibende Unkräuter, wie Quecke und Ackerwinde sowie Boden- und Pflanzenmaterial mit überdauernden Schädlingen und Krankheiten, wie Kohlfliege, Möhrenfliege und Kohlhernie, nicht auf den Kompost gegeben werden. Sie können in den Hausmüll (Biotonne) gegeben werden, weil sie die dortige Aufbereitung und Erhitzung in der Regel nicht überleben können. Vor der Entsorgung von Gehölzen, die an Feuerbrand erkrankt sind, sollte der Pflanzenschutzdienst oder das Ordnungsamt befragt werden.

Liebe Gartenfreunde, häufiges Überbrausen der Pflanzen fördert nur den Befall durch Pilzkrankheiten und führt zur Verkrustung des Bodens. Die Pflanzen sollten möglichst rasch abtrocknen, weshalb Spritzen am Abend eher ungünstig ist. Gründliches Wässern am Morgen mit nachfolgendem leichtem Hacken und Abdecken mit einer dünnen Mulchschicht sorgt für einen ausgeglichenen Wasservorrat und verhindert die Verkrustung. Wird nur gehackt, sollte das vor allem abends geschehen, damit die Abendfeuchte besser in den Boden eindringen kann.

Neben den üblichen Pflegemaßnahmen fördern Saatbäder das rasche Keimen des Samens. Auch Kräuterjauchegaben und Pflegespritzungen aus Kräutern wirken sich günstig auf das Wachstum und die Widerstandskraft der Pflanzen aus. Das Entfernen und Vernichten befallener Pflanzenteile ist eine wichtige erste Maßnahme, wenn sich ein Befall zeigt. Wo größere Probleme mit Krankheiten und Schädlingen aufgetreten sind, sollte man auf das Kompostieren der Pflanzenreste verzichten.

Die Pflege des Bodens ist von zentraler Bedeutung beim biologischen Pflanzenschutz. Schonende Bodenbearbeitung, Bodenbedeckung (Mulchen) mit organischem Material und eine ausgeglichene organische Düngung fördern das Bodenleben. Dieses ist nicht nur für optimale Durchlüftung und Wasserversorgung, sondern auch für den reibungslosen Ablauf der Stoffwechselvorgänge verantwortlich.

Ziel der Düngung im biologischen Anbau ist nicht allein die direkte Ernährung der Pflanzen, sondern vorwiegend die Ernährung der Bodenlebewesen. Es werden daher hauptsächlich Dünger verwendet, die erst durch die Tätigkeit der Bodenorganismen den Pflanzen verfügbar gemacht werden.

Mit Diesel oder Petroleum getränkte Putzlappen, Unkraut-Ex (ja das gibt es noch), Bi 58 und viele andere für die Schädlingsbekämpfung eingesetzte chemische Mittel kursieren in unseren Kleingärten. Mag sein, dass das eine oder andere auch seine Wirkung hat. Zumindest haben sie alle eine verheerende Wirkung auf die Umwelt, die Pflanzen und Nützlinge im Kleingarten. Auch unsere Gesundheit ist stark gefährdet. Möchte ich doch keine Tomate essen, welche vorher mit Bi 58 behandelt wurde, zumal diese Schädlingsbekämpfungsmittel im Kleingartenbereich ohnehin nicht zugelassen sind!

Liebe Gartenfreunde, es gibt reichlich biologische Maßnahmen für den Pflanzenschutz. Sicherlich ist es nicht vermeidbar, hin und wieder chemische Pflanzenschutzmittel (PSM) einzusetzen. Aber das sollten wir als Kleingärtner auf ein Minimum beschränken und der Lebensmittelindustrie überlassen. Wir produzieren in unseren Kleingärten unser eigenes Obst und Gemüse in Größenordnungen, die keiner chemischen Behandlung bedürfen.